Neubeginn und ein letzter Blick zurück

Wie immer wenn es einen Umbruch, eine Veränderung in meinem Leben gibt kann ich nicht schlafen. Ich bin viel zu aufgewühlt. Die letzten Wochen haben an den Kräften gezehrt. 130qm aufzulösen, sich auf das nötigste beschränken erfordert viel Disziplin und Durchhaltevermögen. Das meiste was wir hier besessen haben, wurde angeschafft mit dem Gedanken hier bis zu unserem Renteneintritt zu verweilen. Also rund 15 Jahre. Es wurden 3,5 Jahre. Angeblich betriebsbedingt wurde uns die Wohnung und die Stellung als Geländewartehepaar gekündigt. Warum angeblich? Ja die finanzielle Situation des Vereines, also unseres Arbeitgebers ist sehr angespannt. Doch wie wir mittlerweile wissen, ist von der Mitgliederversammlung beschlossen worden, dass Nachfolger gesucht werden sollen. Von daher steckt hinter der Kündigung etwas anderes. Und somit ist auch die Bitterkeit sehr hoch. Ich darf euch gar nicht erzählen wie wir hier gelebt und gearbeitet haben. Wir hatten beide einen Arbeitsvertrag mit rund acht Stunden die Woche, im Winter weniger und im Sommer mehr. Gezahlt wurde nicht nach Stunden sondern ein Fixbetrag, der der Kaltmiete unserer Wohnung entsprach. Heizkosten und Nebenkosten zahlten wir aus eigener Tasche. Dafür reinigten wir das Vereinsheim und die Sanitäranlagen, kümmerten uns um den Naturpool, schauten täglich nach dem rechten und kümmerten uns um die Gäste. Und natürlich gab es noch einiges mehr was so anfiel. Monat für Monat investierten wir Geld dafür dass wir hier arbeiten durften. Um dann letzten Endes einen Tritt in den Hintern zu bekommen, und nur weil mein Schatz eine Auseinandersetzung mit dem Vorsitzenden hatte. 🙁

Das werde ich vermissen, diese Vielfalt der Natur
Das werde ich vermissen, diese Vielfalt der Natur

Wir haben uns sowieso sehr schwer getan, mit den Menschen hier in Kontakt zu kommen, die Westfalen sind ein Völkchen für sich. Wenn man wie wir aus dem Rheinland kommt, fühlt man sich wie auf einem anderen Stern. Auch unsere Hoffnung Arbeit und Hobby unter einen Hut zu bekommen erfüllte sich nicht. Als wir damals nach Porta Westfalica kamen, dachten wir noch was kann es schöneres geben, als Arbeit und unsere Liebe zum Naturismus zu vereinen. Doch wenn das Wetter entsprechend war, blieb keine Zeit zum Sonnenbaden oder gar schwimmen. Nicht selten hatten wir in den Sommermonaten 12 und mehr Stunden. Gemeinsam das Gelände verlassen war ebenso wenig möglich, da wir schnell die Erfahrung gemacht hatten, das rund 90% der Gäste sich nicht vorher anmeldet, sondern einfach am Tor um Einlass bittet, manchmal auch am sehr späten Abend. Doch die Betreuung der Gäste hat auch sehr viel Spaß gemacht. Wir haben viele sehr unterschiedliche Menschen kennen gelernt, so manchen Abend haben wir unten bis tief in die Nacht auf der Terrasse gesessen und uns mit den Gästen, und manchmal waren sogar Vereinsmitglieder dabei, unterhalten und gelacht. Noch heute muss ich schmunzeln wenn ich an so manche Story denke die wir erlebt haben, aber das würde hier jetzt den wirklich den Rahmen sprengen.

Sonnenuntergang (16)

Eigentlich traurig, das trotz vieler Erlebnisse, trotz Einsatz zum Wohle des Vereines am Ende nur Bitterkeit übrig bleibt. Das ein Mensch sich so wichtig nimmt, das er sich über alle anderen erhebt, deren Wünsche und sogar Beschlüsse ignoriert und sein Ding durch zieht. Und die anderen lassen das so einfach geschehen, das ist es was ich nicht verstehen kann. Ich kenne es eigentlich anders, der Vorstand eines Vereines ist das ausführende Objekt, er hat die Beschlüsse der Mitgliederversammlung um zu setzen, hier läuft es genau anders herum. 🙁 Was nehme ich mit aus drei 3,5 Jahren Porta Westfalica? Verein, Nein Danke !

11.04 (1)

Heute Mittag lassen wir diese Erfahrungen hinter uns, und starten in ein neues Leben. Ein Leben welches geplant war, allerdings erst in einigen Jahren. Das wir jetzt früher starten können ist das einzig Positive was wir mitnehmen. Wir werden durch Europa gondeln, endlich unsere Heimat richtig kennen lernen, denn Deutschland hat für uns noch viele weiße Flecken die wir jetzt mit Farben fühlen wollen, danach erweitern wir den Radius auf die europäischen Nachbarländer. Wir hoffen dass wir noch ganz lange fahren können, bevor wir dann aus gesundheitlichen Gründen wieder sesshaft werden müssen. Wir freuen uns auf neue Orte, neue Menschen, neue positive Erfahrungen. Und an all diesen neuen Eindrücken und Erlebnissen werden wir euch teilhaben lassen, in Wort und Bild.

Und jetzt bringe ich die letzten Sachen in unser neues Zuhause

20.04 (3)

25 thoughts on “Neubeginn und ein letzter Blick zurück”

  1. Hallo Gabriele und Joachim!
    Wir haben die letzten Wochen zwischendurch immer mal eure Seite besucht und ich hab ja auch vor Wochen euer schönes Wohnmobil sehen dürfen.
    Viele viele Arbeit liegt hinter euch und nun schaut ihr einer Zukunft auf Rädern entgegen. Die Verbitterung und die Verarbeitung der geschehenen Dinge dort in PW sind sicher nicht schön und werden dauern, aber ich denke jetzt nach viereinhalb Wochen unterwegs auf verschiedensten Stellplätzen in verschiedenen Ländern mit immer neuen unterschiedlichen Menschen werdet ihr sicher schnell das Negative( die Vergangenheit) vergessen und verarbeiten können. Das unterwegs sein und das sich einlassen auf Neues und auf neue Menschen in einem neuen Umfeld hat mir und hier sprech ich jetzt mal nur von mir, sehr gut getan. Und es müssen auch nicht immer Tausende von Kilometern sein…
    Einen der nettesten Kontakte hatten wir am letzten Montag am Nord-Ostseekanal mit einem Ehepaar, die zufällig auf diesem schönen Stellplatz in Sehestedt neben uns standen und mit denen wir stundenlang gequatscht haben…
    Wir wünschen Euch auf eurer Reise viele viele solcher schönen Begegnungen, viel Glück und Gesundheit und immer eine Hand voll Diesel im Tank????
    Michael und Biggi Viefhues

    1. Hallo Biggi, hallo Michael,

      auch wir haben eure Reiseberichte intensiv verfolgt. Die wirklich sehenswerten Bilder angeschaut. Und mit jedem eurer Berichte wuchs unsere Vorfreude.

      Das komische an PW war jetzt das Ende, denn in den letzten zwei,drei Monaten haben wir doch wirklich ein paar ganz tolle Menschen kennen gelernt. aber da wir ja nicht aus der Welt sind, kann man diese Bekanntschaften ja auch noch vertiefen.

  2. Seit einiger Zeit „stille“ Leser, möchten wir euch jetzt alles Gute für den neuen Lebensabschnitt wünschen! Was es bedeutet, Wohnungen aufzulösen, wissen wir gut, was es bedeutet, im Wohnmobil zu leben, auch. WIR haben es bis heute nicht bereut! Euer neues Zuhause ist klein, aber schnuckelig und ihr habt es richtig schön hergerichtet.
    Genießt jetzt erst einmal den Sommer und freut euch auf neue Erfahrungen, Eindrücke und Begegnungen!
    Liebe Grüße,
    die „Oscarlottas“

  3. Ich wünsche Euch allezeit gute Fahrt und viele schöne Erlebnisse. Was die Westfalen angeht kann ich gut nachvollziehen. Ich bin zwar Belgierin, aber in Aachen /Duren aufgewachsen. Beruflichen kam ich nach Bielefeld. Ostwestfalen-Lippe, Menschen mit Scheuklappen. Ganz schlimm wurde es als mein Mann starb. Und dann bin ich geflüchtet ins schöne Saarland.
    Und jetzt als Rentner gondle ich auch mit meinem Lebensgefährten im Womo ( Remo – Rentnermobil ) Dur h die Lande.
    Liebe Grüße und allzeit gute Strassen unter den Rädern

  4. Toll, was Ihr da vor habt! Viel, viel Spaß und alles gute Euch! Ihr werdet sicher viele nette Menschen und wunderschöne Orte sehen, so daß die schmerzhafte Erfahrung hoffentlich bald verblasst! LG und guten Start ????

    1. Die erste nette Begegnung haben wir schon, wir stehen auf dem Hof von Menschen die wir schon viele Jahre kennen, fünf Jahre nicht gesehen haben und es ist als hätten wir uns erst gestern getrennt, ein schönes Gefühl

  5. Hallo Ihr Zwei. Zum Neubeginn wünsche ich Euch einfach nur alles Liebe und Gute. Unfallfreie Fahrten von einem Ort zum anderen und ganz viele tolle neue Bekanntschaften mit Menschen, die Euch wohlgesinnt sind. Das fahrende Völklein ist da ja auch etwas anders gestrickt als die Menschen in „Westfalen“. Also toi-toi-toi und allzeit gute Fahrt wünsche ich Euch. Ich freue mich auf Eure Berichte – Gruss aus der Schweiz von der Uschi

  6. Hallo ihr Zwei,
    eure Zeilen haben mich sehr bewegt, denn ich finde viele Parallelen zu meinem Leben. Auch mir hat das Leben übel mitgespielt. Auch ich war beruflich bei einem Verein angestellt, bei dem mich der neue Vorsitzende gegen die Stimmen der Mitglieder vor die Tür gesetzt hat, allerdings nach 20 Jahren Angestelltenverhältnis. Die Klage vor dem Arbeitsgericht haber ich zwar gewonnen, aber das brachte mir keine neue Arbeit. Dann kamen erhebliche gesundheitliche Probleme. Aber ich will euch und die Leser damit nicht langweilen. Ich hoffe, ihr lasst die Köpfe nicht hängen und startet positiv gestimmt in euer neues Lebens (was mir leider noch nicht möglich ist).
    Ich wünsche euch alles Gute.
    Martin

    1. Wir sind positiv gestimmt Martin, uns geht es jetzt gut.Irgendwie haben wir nicht nur materiellen sondern auch seelischen Ballast zurück gelassen

  7. Hallo,
    habe euren Blog ein bisschen verfolgt, da auch ich irgendwann im Womo leben möchte.
    Ich finde euren Entschluss toll und wünsche euch ganz viel Glück und Freude auf eurem Weg.
    Freue mich schon, euch durch den Blog ein wenig begleiten zu können.
    Liebe Grüße
    Ute

  8. Denkt nicht zu bitter an euer altes Leben, ihr könnt es nicht ändern!
    Genießt eure vor euch liegende Zeit, ich wünsche euch alles Gute, bleibt gesund und munter. Lieben Gruß aus Schleswig-Holstein

  9. Das ist ja sehr sehr traurig, was ich da gelesen habe.
    „Undank ist der selten Lohn sagt man immer.“ Klar, es wird immer ein bitterer Beigeschmack dabei sein, wenn ihr an diesen Lebensabaschnitt zurück denkt, aber seht es mal von der posetiven Seite. Ihr träumt euren Traum eben früher als geplant. Alles im Leben hat eben eine Sinn. Genießt eure Zeit. Ich freue mich schon auf eure Berichte und natürlich auf tolle Bilder. Solltet ihr mal in der Nähe von Köln sein, meldet euch und kommt einfach vorbeil Ihr seid Herzlich eingeladen.
    Ich wünsche euch gute Fahrt und paßt gut auf euch auf.

    Liebe Grüße

    Christel

    1. Danke für die Einladung Christel, doch Köln ist ein wenig schwierig, da wir keine Plakette haben. Doch wenn ich mich recht erinnere wohnst du ja bei und nicht in Köln?

  10. Ich wünsche euch einen guten Start ins neue Leben und freue mich auf tolle Berichte und einige Begegnungen und gemeinsame Erlebnisse. In Gedanken bin ich bei euch; wo immer ihr auch gerade seid! ♡

    1. Aktuell sind wir in Brüggen am Niederrhein, bei Menschen die wir schon ewig kennen, mit denen wir gestern einen tollen Abend verbracht haben. Und bald sehen ja auch wir uns wieder

  11. Mutig. Ich hoffe das es euch gefällt immer auf Tour zu sein.
    Ich bin auch gerne sehr viel unterwegs, mit WoMo, Flugzeug, Zug. Aber mein Wohnsitz aufgeben möchte ich nicht.
    Wünsche euch eine sehr schöne neue Zeit.

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