Hobby oder Lebenseinstellung?

 

Es war unser erstes Treffen von Mobilsten an dem wir teilgenommen haben. Naja, nicht ganz wir waren vor einigen Monaten für wenige Stunden in Minden beim Treffen.  Doch jetzt das erste Mal ein ganzes Wochenende. Haben auch viele wirklich nette Menschen getroffen und kennen gelernt. Aber auch das Gefühl wir sind hier falsch, wir passen nicht hier hin.Gartenparadies (4)

Hauptthema waren Urlaubsreisen und die Bewertungen von Stellplätzen. Bei beiden Themen konnten wir nicht wirklich mit reden. Wir haben keinen Ehrgeiz möglichst schnell, möglichst viele Plätze kennen zu lernen. Eigentlich meiden wir belebte Stellplätze wann immer es möglich ist. Unsere Prioritäten sind völlig anders gesetzt. Für uns ist unser Mobil kein Luxus welchen wir uns leisten, sondern unser Zuhause. Heißt auch Küche und Bad wird regelmäßig benutzt. Die Spülküche oder die Sanitäranlagen eines Platzes interessieren uns eher weniger. In einer Wohnung gehe ich ja auch nicht beim Nachbarn duschen, damit ich mein eigenes Bad nicht putzen muss.

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Wir suchen uns eine Region aus, und die wird dann in aller Ruhe erkundet. Dies kann auch bedeuten dass wir in einer Woche keine 100km fahren, und trotzdem unendlich viele Eindrücke gewinnen. Natürlich haben wir gegenüber den Urlaubern den Vorteil unendlich viel Zeit zu haben, nicht den Druck zu haben wir müssen ja am xten wieder Zuhause sein. Wir haben unser Zuhause ja immer dabei. Die Menschen einer Region kennen lernen, die typischen kulinarischen Spezialitäten probieren, die Sehenswürdigkeiten entdecken, alles dies benötigt Zeit und funktioniert nicht wirklich im Vorbeiflug.

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Auch jetzt wieder, dieser Stellplatz ist schön angelegt und auch nicht übermäßig groß. Für uns hingegen schon wieder zu groß. Ich glaube 50 Mobile finden hier Platz, dies sind mindestens 40 zu viel. Das Sanitärgebäude, mit 2 Toiletten und zwei Duschen bei den Damen, für diese Menge an Publikum für meinen Geschmack zu klein dimensioniert, da benutze ich wie sonst auch lieber meinen eigenen Sanitärbereich. Auch die Spülküche habe ich nicht von innen gesehen.

Joachim zählt die heiteren Stunden nur
Joachim zählt die heiteren Stunden nur

Man trifft auf Menschen, die ständig unzufrieden sind, an allem und jedem etwas aus zu setzen haben. Man bekommt das Familienleben der Nachbarn mit, ob man dies möchte oder nicht. Uns gegenüber stand eine Familie mit zwei Kleinkindern. Vom Wickeln über füttern bis zum jämmerlichen Weinen nach einem Sturz durften wird das gesamte Programm miterleben. Auch den Streit um einen Stellplatz, der von einem Wagen gerade gebucht worden war, während ein anderer erst parkte und somit diesen Platz belegte. Das schimpfen dass für ein Gruppentreffen so viele Plätze reserviert waren, obwohl man auf Stellplätzen ja nicht reservieren kann. Alles nicht unsere Welt. Deshalb haben wir uns ja für ein Wohnmobil entschieden und nicht für einen Wohnwagen. Wir wollten allen diesen Zwängen entfliehen, unabhängig von den offiziellen Plätzen sein.

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Auch dieses Wochenende hat uns wieder gezeigt, es gibt einen Unterschied zwischen den Hobbymobilisten und denjenigen die dauerhaft im Wohnmobil leben. Die Hobbymobilsten sind oft auch völlig anders ausgestattet wie wir. Die neueste Technik muss an Bord sein, das erste was funktionieren muss ist das Fernsehen, der Kaffee auch im Mobil aus dem Vollautomaten kommen. Alles Dinge auf die wir bewusst verzichtet haben. Die kleine Kaffeemaschine für zwei Tassen Kaffee reicht völlig aus, und wenn wir mal mehr Kaffee brauchen, wird von Hand aufgeschüttet und die Thermoskanne genutzt. Fernsehen ist nebensächlich, vor allem jetzt im Sommer wo wir viel Zeit draußen verbringen. So auch jetzt, ich sitze mit meinem Laptop draußen und lasse mir die Sonne den Rücken wärmen.

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Unsere Ziele sind auch in Zukunft kleine, ländliche Orte, die kaum jemand kennt. Dort findet man auch in der Hochsaison immer wieder abgeschiedene Plätze an denen man ein paar Tage stehen und übernachten kann. Wo es niemanden stört, wenn man Tisch und Stuhl auspackt und den Tag verbummelt. Wo man Naturnah stehen und leben kann. Vielleicht ein Bach oder See das Duschhaus des Stellplatzes ersetzt. Nur alle sieben bis zehn Tage müssen wir etwas suchen wo wir Wasser tanken können und unsere Tanks entleeren dürfen. Ansonsten sind wir frei.

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Vielleicht würden wir uns bei einem Treffen besser aufgehoben fühlen, wo sich die Nomaden der Straße treffen. Menschen die wie wir dauerhaft im Wohnmobil leben, die wie wir mit den gleichen Vorbehalten, dieser Lebensweise gegenüber zu kämpfen haben. Die wie wir mit den immer steigenden Verboten zu kämpfen habe, weil einige wenige meinen sich über alles hinweg setzen zu müssen, die ihren Müll liegen lassen, ihre Tanks wild entsorgen und somit das freie stehen für alle anderen zu einem Problem werden lassen.

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Leben im Wohnmobil ist halt doch etwas anderes als ein Hobby, es ist eine Lebenseinstellung. Wie denkt ihr darüber? Was sind eure Gedanken zu diesem Thema? Lasst es uns wissen, wir freuen uns auf eure Meinungen.

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Die heutigen Bilder sind alle im Rahmen des Treffens entstanden bei unserem Besuch in den Gärten der Welt.Gartenparadies (11)

 

13 thoughts on “Hobby oder Lebenseinstellung?”

  1. Hallo,

    ich denke, dass die Urlauber aus dem immer zu kurzen Urlaub natürlich das Optimum rausholen wollen. Da nervt es dann sofot, wenn der Stellplatz nicht perfekt ist, der Nachbar vielleicht zu laut oder das Wetter schlecht ist.
    Für uns Dauerbewohner kommt es darauf an, ab und zu eine Entsorgungsmöglichkeit zu finden, dann noch etwas Frischwasser und hin und wieder ein Waschmaschinchen (also in meinem Fall).
    Das Wohnmobil wird mit dem Einzug ganz von selbst zum Lebensraum und auch zur Lebenseinstellung. Weil der Hauptlebensraum der Urlauber das Steinhaus ist, ist auch deren Einstellung anders.

    Gruß
    Henning

    1. Hallo Henning,grüße dich. Ich glaube du hast es sehr präzise auf den Punkt gebracht. Es sind ganz einfach andere Voraussetzungen die da aufeinander treffen. aber vielleicht bekommen wir ja doch mal ein Dauerbewohnertreffen hin, da hätten dann alle so ziemlich die gleichen Beweggründe und Interessen.

      Lieben Gruß
      Gabriele

  2. Hallo Gaby,
    uns geht es ähnlich. Haben immer mal WoMo Treffen und auch Treffen mit Bootsleuten ausprobiert, jeder einzelne total nett, aber irgendwie doch nicht so richtig unsere Welt. Für uns haben häufig ganz andere Dinge Priorität, wenn wir unterwegs sind, so dass unsere Themen einfach andre sind.
    Wir können uns zwar ein Bein abfreuen, wenn wir einen einsamen Strand finden oder in Italien den Markt geplündert haben uns nun bei einem herrlichen Essen vor dem Womo sitzen, aber wie die Sanitäranlagen sind oder wie viel Platz der Nachbar beansprucht, ist uns egal. Wir halten gerne mit netten Leuten mal ein Schwätzchen , aber genießen auch einfach die Zeit für uns. Wir können leider noch nicht dauerhaft unterwegs sein, vielleicht ist es uns aber gerade deshalb so wichtig, die Zeit gut zu nutzen.
    Und da ist für uns häufig weniger, mehr.
    Wünsche euch weiter schöne Eindruck und eine gute Zeit.
    LG
    Andrea

    1. Hallo Andrea, eben jeder für sich ist voll okay, man kann sich dann auch gut unterhalten. Doch bei einer großen Gruppe, wo sich auch viele schon länger kennen wird es dann schon schwieriger, vor allem wenn du zu den Themen nichts beitragen kannst.
      Weniger ist mehr lernst du wenn du dauerhaft unterwegs bist, wenn du eher die Abgeschiedenheit suchst anstatt des Trubels. den schönsten Stellplatz in diesem Jahr haben wir im Norden gefunden. Klein, Platz für fünf Mobile, direkt am See. Das war so genial. Da möchte ich auch auf jeden Fall irgendwann noch mal länger hin. Was uns auch gefällt ist Landvergnügen, irgendwo beim Bauern auf dem Hof, am besten noch direkt beim Erzeuger einkaufen können.
      Im Laufe der Woche werden wir langsam nach Holstein hoch ziehen. Denke dort werden wir ganz sicher auch das ein oder andere idyllische Fleckchen finden.

      Wenn du häufiger hier liest, kennst du ja unsere Aufenthaltsorte, und vielleicht kreuzen sich ja mal unsere Wege, dann einfach melden.
      LG
      Gabi

      1. Hallo Gaby,
        ja, ich verfolge eure Reise schon seit einiger Zeit. Vielleicht trifft man sich ja wirklich mal unterwegs.
        Solltet ihr mal Rande des Münsterlands unterwegs sein, seit ihr bei uns herzlich willkommen. Es ist immer Platz für ein Wohnmobil.
        Eine schöne Zeit in Holstein.
        LG
        Andrea

  3. Hi, obwohl ich auch noch zu den Hobbymobilisten gehöre, meide ich große Plätze. Ich habe beruflich viel mit Menschen zu tun und genieße in der Freizeit immer mehr die Ruhe. Mal ein kurzes Gespräch mit anderen, aber ansonsten die Einsamkeit und die Einfachheit des Lebens genießen. Ich fahre einen Vw T3 Bulli und merke immer wieder, dass das was dort rein passt, zum Leben reicht. Gruss Angelika

    1. Stimmt Angelika, mit der Zeit lernt man oder erfährt man wie wenig man wirklich braucht, wie viele Luxusartikel uns begleiten die völlig unnötig sind. Eine wie ich finde sehr bereichernde Erfahrung.

  4. Hallo. Interessant euren Berichten zu folgen. Leben auch ab November im womo, freun uns darauf und sind gespannt wie es wird. Auch wir sind keine km-fresser und sind viel in der näheren Umgebung unterwegs. Lg

    1. dann habt ihr genau wie wir euren ersten Winter vor euch, ich bin sicher wenn wir den überstehen dann kann uns so leicht nichts mehr schocken. Vielleicht begegnet man sich ja mal,Kassel istja ziemlich zentral, und Eder und Twiste See würde ich sowieso gerne mal wieder besuchen. War viel zulange nicht mehr dort.
      Herzliche Grüße
      Gabriele

  5. klasse,dass du so offen geschrieben hast und ich kann eure meinung gut verstehen,obwohl ich noch nie auf so einem treffen war. ich bin auch manches mal über die „perfektheit“entsetzt.viel spaß weiterhin. d

    1. Danke dir Dorothee, es ist zwar interessant so viele andere Menschen kennen zu lernen, doch wenn gemeinsame Themen fehlen ist es halt auch kein Wohlfühlpaket. Dies liegt nicht an den anderen sondern ganz allein an unseren Empfindungen.

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