Bilanz ziehen

Die Tage erreichte mich eine Mail, absichtlich als Mail und nicht über die Kommentarfunktion, weil der Absender wohl dachte dass ich so offener antworten könnte. Über diese Sensibilität habe ich mich ehrlich gesagt sehr gefreut. Er liest sehr regelmäßig diese Seite, und bezog sich auf einen Satz den ich in den ersten Tagen dieser Seite geschrieben habe » Ich kann es kaum noch erwarten, den 01.07.2015. « Er wollte wissen wie es denn heute rund 100 Tage später aussieht, ob wir immer noch so begeistert sind oder unsere Entscheidung schon bereut haben.

Unser Heim für die ersten Wochen.
Unser Heim für die ersten Wochen.

Die Begeisterung ist natürlich dem Alltag gewichen, es ist etwas völlig anderes ob man ein paar Wochen im Urlaub oder an den Wochenenden unterwegs ist, oder ob das Wohnmobil Lebensmittelpunkt ist.

Unser Rolling Home
Unser Rolling Home

Aber noch immer stehen wir mit einem deutlichen JA zu unserer Entscheidung. Der Gedanke wieder in eine Wohnung zu ziehen, örtlich gebunden zu sein, schreckt uns beide völlig ab. Dieses freie leben, sein zu können wo man sein möchte hat an Faszination noch nichts verloren. Eher im Gegenteil würde ich behaupten, es hat sich noch gesteigert.

Big Dreamer 15.07.2015 Start (9)

Damit wir nicht abheben, gibt es natürlich immer mal wieder Probleme. Über viele habe ich ja auch in den einzelnen Artikeln schon erzählt. Doch bisher fanden wir benötigte Hilfe immer schnell und unkompliziert, und somit sind diese kleinen Problemchen auch immer wieder schnell vergessen.

Kühlerschaden im Juli 2015
Kühlerschaden im Juli 2015

Zwei immer wieder kehrende Probleme, sind TV und Internet. Da wir zu geizig waren unsere analoge SAT Anlage gegen eine digitale einzutauschen, müssen wir jetzt mit unserem Geiz leben, nicht überall ist überall Fernsehen auch verfügbar. Manchmal nur eine Handvoll Sender und ganz selten mal die fast volle Senderlandschaft. Aber damit können wir auch ganz gut leben, zumindest bis jetzt. Wie es wird wenn die Tage noch kürzer und ungemütlicher werden, das fragt mich dann nach den nächsten 100 Tagen noch mal.

Gartenparadies (69)

Internet ist wesentlich problematischer, da wir sehr viel über Land unterwegs sind, und das mobile Netz auch im Jahr 2015 immer noch viele zum Teil große Lücken aufweist. Obwohl wir mittlerweile über die Auswahl von drei Netzen verfügen, sind wir immer noch nicht überall online. Und eine zufrieden stellende Lösung nicht in Sicht. Über die Alternative DSL via Satellit, streiten sich die Fachleute. Von super bis geht gar nicht haben wir schon alles an Meinungen gehört. Schaut man sich die Kosten an, dann sträubt sich in uns alles uns auf dieses Experiment einzulassen, viel Geld, welches wir besser für unser Heim und unsere Touren einsetzen können, in den Sand zu setzen.

Stellplatz Kattenberg Nähe Grömnitz
Stellplatz Kattenberg Nähe Grömnitz

Unser Rolling Home, weist auch noch einige Baustellen auf, einiges ist nicht optimal gelöst und wir werden da über den Winter wenn wir weniger fahren noch einiges ändern, und auf unsere Bedürfnisse zuschneiden.

Hauptstraße?
Hauptstraße?

Die Zeit auf der Straße hat uns viele neue Eindrücke gebracht, immer wieder interessante Gespräche mit anderen Menschen. Wir haben zauberhafte Stellen gefunden wo man problemlos mal ein paar Tage übernachten kann, völlig überteuerte Stellplätze, oder auch Stellplätze die den Namen nicht verdienen. Wir wissen jetzt dass notfalls in jedem Gewerbegebiet eine halbwegs ruhige Sackgasse zu finden ist, wo man eine Nacht schlafen kann. Viele Einkaufszentren verfügen über große Parkplätze wo man auch mal nächtigen kann. Rund alle zehn Tage muss eine Station zum Wasser tanken und vor allem entsorgen gefunden werden, häufig der einzige Grund einen Stellplatz anzufahren.

Karls Erlebnisdorf Rövershagen 14.09 (17)

Bilanz nach 114 Tagen, ja wir haben alles richtig gemacht. Wir würden es wieder tun. Wichtig ist sich im Vorfeld zu verdeutlichen, was benötige ich wirklich? Aus unserer Erfahrung können wir sagen, das Wohnmobil sollte schon eine gewissen Größe haben und auch über 3,5t liegen. Ansonsten ist man zu eingeschränkt vom Platzangebot und der Zuladung. Ein Cassettenklo ist zwar leichter zu entsorgen, doch dafür muss man auch häufiger entsprechende Stellen anfahren. Zum dauerhaften Leben sind innenliegende, und ausreichend dimensionierte, Tanks fast ein Muss. Und natürlich die Autarkie, mit unserem Gasgenerator sind wir unabhängig vom Stromnetz, und wir überlegen im kommenden Jahr zudem noch eine mobile Solaranlage hinzu zu nehmen was dann hoffentlich dafür sorgt das wir völlig ungebunden sind. Aber dies gehört zu den Fragen, was brauche ich, wie will ich leben, wie stelle ich mir mein Leben im Mobil vor? Es ist ganz wichtig sich diese Fragen im Vorfeld zu stellen, und den Kauf dann entsprechend der eigenen Bedürfnisse in Angriff zu nehmen.

Barth 16.09 (10)

Ich danke M. für seine Email die mich dazu brachte Bilanz zu ziehen und diesen Artikel zu schreiben. Ich freue mich über Mails oder auch Kommentare die hinter fragen und ergänzen. Mittlerweile sind es nicht nur 114 Tage on Tour, sondern auch knapp 30000 Besucher die unserer Seite folgen. Dafür möchten wir natürlich auch aus ganzem Herzen danke sagen.

Waren an der Müritz 20.09 (12)

Brandenburg an der Havel

Viel Wasser, eine lange Geschichte das sagt man über Brandenburg an der Havel, und so sind wir jetzt hier.  Worüber wir uns im Vorfeld nicht informiert hatten, oder was völlig an uns vorüber gegangen war, das hier auch die Buga stattfindet.

Blick aus dem Womofenster
Blick aus dem Womofenster

Unseren Stellplatz an der Alten Feuerwache zu finden war gar nicht so einfach, bzw. wir hätten vielleicht mal früher jemanden fragen sollen. Unser Navi führte uns immer wieder zum Buga Parkplatz, dort stand allerdings von 20:00Uhr bis 08:00Uhr verboten. Konnte also nicht unser gesuchter Stellplatz sein. Ein freundlicher Ordnungshüter half uns dann weiter, und so kamen wir 150m  und eine Ecke weiter am Objekt unserer Begierde an.  Nach dem einchecken und einer ersten Platzrunde entdeckten wir, das Stellplatzgelände schließt direkt an den Parkplatz an, ist nur durch einen Zaun getrennt, somit hat uns unser Navi sogar richtig geführt. Wir stehen direkt mit Blick aufs Wasser und eine Handvoll Boote.

Brandenburg an der Havel 03.10 (9)

Durch das Hintertürchen kommt man entweder zur Bugafähre oder aber zu einer Brücke über die man zur Stadt gelangt. Da wir nicht wussten wie weit wir vom Zentrum entfernt sind, warteten wir auf die Tram und fuhren diesen langen Weg bis in die City. Der Weg war so weit, dass ich dank eines anderen Fahrgastes, noch nicht mal mehr einen Fahrschein am Automaten lösen konnte.

Brandenburg an der Havel 03.10 (10)

Brandenburg selbst hat uns doch ein wenig erschreckt, nicht nur die Straßen sind in einem miserablen Zustand, auch ein Großteil der Häuser ist dem Verfall preisgegeben. So nahe zur Hauptstadt hätten wir damit eigentlich nicht gerechnet.

Brandenburg an der Havel 03.10 (12)

Im Slawendorf, bzw davor im Biergarten erfuhren wir dann auch ein wenig mehr. Wir stillten dort unseren Durst und kamen mit einem anderen Ehepaar ins Gespräch. Einheimische die sich gut auskannten. Sie erzählten von ungeklärten Eigentumsverhältnissen, von falscher Politik, von Abwanderung der Arbeitgeber und eklatant hoher Arbeitslosenzahlen. Sie erzählten von stark erhöhten Gebühren für öffentliche Einrichtungen während der Buga. So z.B. das Slawendorf, in normalen Zeiten 2€ Eintritt, aktuell 5€. Die beiden sagten uns dass es sich nicht wirklich lohnt für die paar Hütten. Aus allen ihrer Worte spürte man die Liebe zu ihrer Stadt aber auch die Traurigkeit über den aktuellen Zustand, und wenig Hoffnung dass sich daran in naher Zukunft etwas ändern wird.

Brandenburg an der Havel 03.10 (19)

Auf unserem Bummel durch die Altstadt hatten wir dann auch noch eine unangenehme Begegnung. Zuerst kamen uns fünf Fremde entgegen, sie nickten einen Gruß im vorbei gehen. Von der anderen Straßenseite kam ein Paar in unserem Alter, und er pöbelte rum. Ich will keine Asylanten in meiner Stadt, die soll man alle zum Teufel scheren. Ein paar andere Menschen stimmten ein. Da wir nicht dazu gehörten wurden wir direkt als Gutmenschen betitelt.

Brandenburg an der Havel 03.10 (27)

Heute wollen wir mal ein wenig am Wasser bummeln gehen, noch immer lacht die Sonne vom Himmel und da ist Wasser ein guter Ort für einen Sonntagsbummel.

Euch allen ebenfalls einen schönen und hoffentlich sonnigen Herbstsonntag.