Volkmarsen

Eine Kleinstadt in der Ferienregion Waldecker Land, mit rund 5000 Einwohnern. Eine Stadt in der Gemeinschaft scheinbar immer noch groß geschrieben wird. Heute war in der Stadthalle Seniorennachmittag, und der für eine so kleine Stadt, doch riesige Parkplatz war bis auf den letzten Platz gefüllt. So war es schon damals, vor über 30 Jahren. Wenn irgendwo etwas los war, dann waren alle da. Da gab es kein Überlegen, keine Ausreden.

Noch ist alles ruhig.
Noch ist alles ruhig.

Volkmarsen wurde schon 1155 das erste Mal urkundlich erwähnt, und auch heute findet man noch viele alte und sehr alte Gebäude im Ortskern. Während man außen herum sieht das die Stadt wächst, seit damals sind viele Gebäude hinzu gekommen. Auch Landwirtschaft scheint immer noch eine große Rolle für die Menschen hier zu spielen.

Bin ich nicht schön?
Bin ich nicht schön?

Wir sind heute Vormittag bei blauem Himmel und Sonnenschein losgezogen, auch wenn es sich nicht leugnen lässt, der Herbst ist da. Im Sonnenlicht wirken aber die Farben richtig warm

Volkmarsen 10.10 (11)

Volkmarsen 10.10 (13)

Volkmarsen 10.10 (19)

Wir bummelten durch den Ort, blickten in Gärten und Höfe. Vorbei an der Marienkirche in Richtung Zentrum

Volkmarsen 10.10 (9)

Wirklich markante Punkte wo ich dachte, das kenne ich, haben wir allerdings nicht gefunden. Trotzdem war es schön auf den Wegen der Kindheit zu laufen. Morgen werden wir dann rüber fahren nach Herbsen, dem Dorf meiner Kindertage. Ich bin sicher dort werden wesentlich mehr Erinnerungen auftauchen. Aber über dreißig Jahre ist auch eine lange Zeit.

Volkmarsen 10.10 (7)

Warten auf den Frühling und neue Mieter
Warten auf den Frühling und neue Mieter

Volkmarsen 10.10 (20)

Eins von beidem gab es damals definitiv noch nicht
Eins von beidem gab es damals definitiv noch nicht

Kindheitserinnerungen

Das Wetter der letzten Tage lud nicht wirklich zu Outdoor Aktivitäten ein und so haben wir es ruhig angehen lassen. Wir sind ein wenig durch die Gegend gefahren, und haben die nächsten Wochen im groben abgesteckt. Den Osten haben wir jetzt komplett hinter uns gelassen und sind jetzt im Waldeckerland gelandet, wo wir einige Tage verbringen werden.

Nach Volkmarsen (5)

Für mich Gabriele, ist dies eine Reise in eine Zeit als die Welt noch in Ordnung war. Neben den Ferien bei den Großeltern, habe ich hier meine schönsten Ferien verbracht. In einem kleinen Dorf, von dem vermutlich noch keiner von euch jemals etwas gehört hat.

Von Zingst nach Seenplatte 17.09 (2)

Herbsen, gehört zur Volkmarsen, und zählte damals noch keine 200 Einwohner. Wir wohnten immer auf einem Bauernhof. Entweder direkt bei unseren Gastgebern, oder im Dorf auf einem anderem Hof. Für uns Stadtkinder war dies damals ein Paradies. Hier durften wir uns endlich frei bewegen, ohne die ständige Kontrolle der Eltern. Wir durften mit aufs Feld, waren häufig im Stall zu finden. Sahen die Geburten von, Kälbern, Fohlen und Ferkeln. Herrliche unbeschwerte Ferien dies immer.

Nach Volkmarsen (6)

Wir stehen jetzt in Volkmarsen direkt. Neben uns plätschert ein Bach, dahinter stehen die Kühe auf der Weide. Am anderen Ende des Platzes die Stadthalle. Und wenn an diesem Wochenende kein Spiel ist, stört auch der neben uns liegende Sportplatz nicht.

Nach Volkmarsen (7)

Gleich nach dem Frühstück, werden wir Volkmarsen erkunden, ich bin wirklich gespannt was ich noch erkenne. Ob es wohl das Freibad noch gibt? Unsere Wirtstochter und ich sind oft mit dem Fahrrad die fünf Kilometer geradelt, und haben uns im Bad vergnügt. Für mich heute noch ein Wunder, das ich dies damals durfte. Daheim hatte ich kein Rad weil es viel zu gefährlich sei, wie meine Eltern behaupteten. Und hier durfte ich die fünf Kilometer über die Landstraße radeln. S. war ungefähr in meinem Alter und wir verstanden uns gut. Mit ihr zusammen habe ich auch meine erste Zigarette geraucht. Heimlich, im Pavillon hinter dem Gästebungalow. Dabei mussten wir nicht nur aufpassen dass die Erwachsenen uns nicht sahen, sondern auch noch auf ihren Bruder. R. war jünger als wir, und ich mochte ihn nicht sonderlich, er war mir zu wild, zu grob. Und außerdem wischte er seiner Schwester gerne einen aus. Was mag aus den beiden geworden sein? Was machen ihre Eltern? Vielleicht finde ich es in den nächsten Tagen ja raus.

Jetzt bin ich schon wieder abgeschweift und langweile euch mit meinen Erinnerungen. Wie gesagt heute schauen wir uns Volkmarsen an, und die Tage dann natürlich auch Herbsen. Wenn wir schon hier sind, darf Arolsen, der Diemel See, die Twiste Talsperre natürlich auch nicht fehlen. Ihr seht schon, das reißen wir nicht in ein oder zwei Tagen ab.

Ob es eigentlich das Butterbergwerk noch gibt? Damals in den 70ern hatten wir ja einen großen Überschuss an Butter. Die Medien berichteten täglich von den stetig wachsenden Butterbergen. Unser Gastgeber war nicht nur Landwirt, sondern auch ein Schlitzohr wie er im Buche steht. Ich mochte K-H. sehr gerne. Doch was er sich an einem Samstag mit Gästen aus Dortmund erlaubte war schon ziemlich krass. Noch krasser allerdings, dass die Gäste ihm glaubten. Morgens bei Frühstück erkundigte er sich bei ihnen nach den Plänen für den Tag. Sie hatten noch nichts Bestimmtes vor. Da kam die große Stunde für K-H. Mit einem todernsten Gesicht erzählte er ihnen » Heute habt ihr die Möglichkeit eine ganz besondere Besichtigung zu machen. Um 14:00Uhr könnt ihr an einer Führung ins Butterbergwerk teilnehmen. Dort wird gezeigt wie unter Tage die Butter abgebaut wird, und erklärt wie sie letztendlich bei euch in Dortmund im Geschäft landet. « Er erklärte ihnen noch den kürzesten Weg durch die Felder. Ich frage mich noch heute wie er bei so viel Blödsinn noch ernst bleiben konnte. Doch die Dortmunder sind los gezogen, und kamen kurz vor dem Abendessen, völlig müde und enttäuscht wieder zurück. Sie hatten das Bergwerk nicht gefunden. Ihr restlicher Urlaub stand logischerweise völlig unter dem Thema Butter.

Was mache ich hier eigentlich? Ich scheine noch nicht wirklich wach zu sein. Deshalb wünsche ich euch jetzt erst mal einen schönen Samstag. Bilder aus Volkmarsen folgen dann später.