Warten ist nicht gerade eine meiner Stärken

 

Jetzt ist der Januar schon fast wieder vorbei. Noch immer war ich nicht beim Gutachter, aber zumindest habe ich jetzt endlich einen Termin. Heute in einer Woche ist es soweit. Die Nervosität und Unruhe steigt. An wen werde ich geraten? Wie wird das Gutachten ausfallen? Muss ich wieder kämpfen oder gerate ich an einen empathischen Menschen? Diese Unsicherheit macht mir schwer zu schaffen. Ich schlafe kaum, und wenn doch dann sehr unruhig. Mein Magen schlägt wieder Purzelbaum, und mein Antrieb ist bei Null. Von daher ist Ablenkung angesagt.

Ich surfe viel im Internet, und teilweise kann ich nur noch mit dem Kopf schütteln. Aber hin und wieder gibt es auch Beiträge die mich zum Lachen bringen. So auch heute, einfach nur sehr anregend für das Kopfkino, der Artikel so gut geschrieben das ich diese Bilder wirklich gesehen habe. Wie ist es um euer Kopfkino bestellt? Zum Artikel

Im Netz ist auch immer noch Silvester eins der Hauptthemen, und mich erschreckt es, wie verhärtet die Fronten sind. Die eine Hälfte die immer noch um Verständnis wirbt, die Ereignisse herunter spielt, und die andere Hälfte die am liebsten alle Ausländer ausweisen würde. Die goldene Mitte, die es versteht zu differenzieren, der sehr wohl bewusst ist das es Probleme gibt und nicht alles gut ist, war vor diesem Datum eine starke Truppe. Heute finde ich sie nicht mehr, oder nur noch ganz leise und vereinzelt. Was mich auch erschreckt ist dieser spürbare Hass, die Wut. Beides richtet sich aber nicht gegen die Verursacher, sondern gegen die Flüchtlinge.

Heute habe ich gelesen das die Griechen auf die Straße gehen, sie sind mit ihrer Regierung, die dem Diktat der EU folgt, nicht einverstanden. Hier scheint dies nicht möglich zu sein. Die Unzufriedenheit spürt man überall, es herrscht eine sehr gereizte Stimmung. Doch auf die Straße gehen, der Regierung zeigen, bis hierher und nicht weiter, scheint in unserem Land nicht möglich sein.

Ich würde mir wünschen, das wir wieder zu einer Differenzierung finden. Nicht alles Fremde ist schlecht, ebenso wie nicht alles gut ist. Doch auch in unserem Land gibt es die zwei Seiten, Gut und Böse. Ich möchte gerne auch in Zukunft unbeschwert Städtetouren unternehmen, ohne Angst, ohne das ständige Gefühl mich umdrehen zu müssen, um zu sehen was hinter mir los ist. Vor allem möchte ich auch wieder alleine los ziehen können und nicht für jede Unternehmung nach Begleitung suchen. Momentan bekomme ich Panik bei dem Gedanken alleine in eine größere Stadt zu müssen, oder durch eine große Menschenansammlung. Irgendwo einen Karnevalsumzug anschauen, in diesem Jahr ganz sicher nicht.

Hier drin, in meinem Zuhause fühle ich mich noch sicher. Auch wenn ich mal ein paar Stunden alleine bin, weil mein Schatz unterwegs ist. Aber sobald ich raus muss, begleitet mich auch ein ungutes Gefühl. Vielleicht ist dies auch dem anstehenden Termin geschuldet, mal schauen wie es anschließend ausschaut. In den letzten Tagen habe ich mir schon häufiger gewünscht, finanziell besser gestellt zu sein, zumindest seit ich weiß das es PTBS Hunde gibt. So ein Begleiter wäre sicher nicht schlecht, aber für mich völlig unerschwinglich und somit unerreichbar.

Ansonsten geht es uns richtig gut, unser Heim ist muckelig warm, noch mussten wir keinen Tag frieren. Frischwasser und Abwasser haben noch keinen Tag versagt. Und wenn wie heute den ganzen Tag die Sonne scheint, erreichen wir auch ohne Heizung locker 25 Grad im Mobil. Dies wäre in einer Wohnung absolut nicht möglich.

Ich wünsche euch allen ein schönes Wochenende, allen die unterwegs sind eine gute Fahrt, kommt sicher an euren Zielen an.