Normal

 

Ist es normal das ich im Zusammenhang mit psychischen Erkrankungen immer wieder über das Wort normal stolpere? Was ist denn eigentlich normal? Wer bestimmt was normal ist? Wer hat mich zu bewerten in normal oder anormal?

Normal : Der Norm entsprechend, regelrecht, üblich, herkömmlich

Der Norm entsprechend. Schon wieder die Frage wer legt denn die Normen fest?

Normen werden in der Regel von den herrschenden festgelegt. Es gibt Normen die man befolgen muss, z.B. Gesetze. Da ich viele Gesetze hinterfrage, als ungenügend erkenne, können diese Gesetze doch keine Norm sein, an der meine Normalität gemessen wird?

Normen werden von Gruppen und Institutionen fest gelegt. Bedeutet dies für mich, wer mit der Herde läuft ist normal, entspricht der Norm? Dann bin ich gerne Anormal, denn ich bin kein Herdentier, bin ich noch nie gewesen.

Normen können sich verändern. Wenn z.B. die Gruppe die sie fest gelegt hat an Macht verliert, können plötzlich andere Sachen normal sein. Nehmen wir z.B die Homosexualität. Vor noch gar nicht langer Zeit wurde sie wenn überhaupt heimlich ausgelebt, galt sie als anormal und die Homosexuellen häufig als pervers oder krank. Heute sagt jeder dies sei normal. Muss ich also nur lange genug warten, damit auch ich zu den normalen gehören?

Auf der Seite Seele-und-Gesundheit bezeichnet man Normalität als ein statistisches Maß. Ein Mensch gilt als normal, wenn sein Verhalten dem der Mehrheit entspricht. Und wieder sage ich, dann bin ich gerne anormal.

Ich erlebe die Welt in der ich lebe, als überwiegend kalt, egoistisch, brutal, rücksichtslos, habgierig und materiell. Diese Normen kann und möchte ich nicht erfüllen.

Für mich wäre es normal ein miteinander zu leben, ein geben und nehmen. Nicht mit geschlossenen Augen und Ohren am Leid anderer Lebewesen vorbei zu gehen. Für mich wäre es normal wenn ich von meiner Arbeit leben könnte, mir neben dem Job ausreichend Zeit und Kraft bliebe um zu leben. Ich meine Kinder ohne Angst draußen toben lassen könnte.

Es gibt so viele Normen die ich hinterfrage. Es beginnt schon bevor ich geboren werde. Alle vier Wochen werde ich vermessen, das Gewicht festgelegt. Liege ich im Normbereich von – bis ist alles in Ordnung. Kaum auf der Welt werde ich einem Test unterzogen, 10 Punkte muss ich erreichen, dabei will ich nur zu meiner Mama und schlafen. Später geht es dann weiter, in der Bedienungsanleitung steht ganz genau drin, wie groß, wie schwer ich wann zu sein habe, wann ich sitzen, krabbeln, laufen, sprechen können muss. Wann welcher Zahn kommt, und welcher wann ausfällt. Und wehe ich schaffe es nicht gemäß dieser Bedienungsanleitung heran zu wachsen. Mama hat ein schlechtes Gewissen, fragt sich was sie falsch macht das ich nicht normal heran wachse.

Spannend ist auch die Ernährungsindustrie, denn auf den diversen Packungen, Gläsern und Tuben steht genau drauf wann ich etwas mögen muss. Mit vier Monaten schmecken mir deshalb Möhren, Bananen usw. Aber Spinat darf mir erst mit sechs Monaten schmecken. Und natürlich muss Mama mir die vielen speziellen Kinderartikel, wie Säfte, Tee und Brei zukommen lassen. Denn nur darin ist alles enthalten was ich zum normalen heranwachsen brauche. Und durch die vielen Geschmacksverstärker, Konservierungsmittel und Zucker, sind diese Dinge für das Kind wesentlich gesünder und fördernder, als wenn Mama dies selber und vor allem frisch herstellen würde.

Normal ist auch das wir gegen Plastiktüten wettern, an der Obsttheke aber das unverpackte Obst vor dem wiegen in die Plastiktüten packen, die wir dann zu hause sofort in den Müll werfen. Normal ist auch das die Waren im Supermarkt alle mehrfach verpackt sind. Normal ist es die 500m bis zum Supermarkt mit dem Auto zu fahren.

Normalität, dieses Wort hat für mich einen bitteren Beigeschmack. Denn sehr viele normale Dinge sind für mich eben nicht normal. Und ich stehe dazu ich bin nicht normal, ich bin anders als der Großteil der Gesellschaft. Wenn mir jemand sagt ich sei nicht normal ist das für mich ein Kompliment. Denn dann weiß ich, das ich irgendetwas richtig mache.

Und wie normal bist du?

Texte die mir viel bedeuten

Es gibt drei Kollegen, Freunde die sich mit dem Thema häusliche Gewalt befasst haben und in wenigen Zeilen etwas ausgedrückt haben, was ich mit seitenlangen Texten auch nicht besser hinbekommen würde.

Daher möchte ich mich bei Norbert van Tiggelen  , bei Thomas Heyroth und Regine Swoboda bedanken, die diese Texte, die ich euch gleich zeigen möchte, verfasst haben.

Von Norbert van Tiggelen ist der erste Text:

Trümmerfrauen 

Von außen eine Ehe,
die stets harmonisch ist,
beide sind sehr freundlich,
sie kennen keinen Zwist.

Zu Hause ein Desaster,
Szenen wie im Thriller,
wenn er was getrunken hat,
dann wird er fast zum Killer.

Sie würde gerne flüchten
an einen fremden Ort,
doch ohne ihre Kinder,
da geht sie niemals fort.

Eines Tages schwört sie,
da kommt er abends Heim,
und ist mit seinem Alkohol
verlassen und allein.

Bis dies jedoch geschieht,
wird wohl noch viel passieren,
und so manches Wundmal,
ihren Körper zieren.

© Norbert van Tiggelen, 2009
www.norbert-van-tiggelen.de

 

Der zweite Text kommt von Thomas Heyroth, einigen vielleicht auch unter seinem Pseudonym „Nachtpoet“ bekannt

Hör auf dein Bild von dir zu leben


Mit achtzehn da gab man dich ihm in die Hand
alles war arrangiert, du hast ihn kaum gekannt
man lehrte dich lange Jahre gehorsam zu sein
es hieß : Zu seinem Mann da sagt man nicht Nein
Er selbst nahm es nicht sehr genau mit der Treue
und wenn er dich schlug tat er es ohne Reue
du senktest den Blick und beschwertest dich nicht
und du glaubtest zu schweigen wär deine Pflicht

Jeder hat es gesehen
aber keiner gefragt
es ist schwer zu verstehen
du hast dich nie beklagt

Hör auf dein Bild von dir zu leben
du weißt dir ist viel besseres bestimmt
er hat dir keine Freundlichkeit zu geben
verweiger dich der Hand die stets nur nimmt
Hör auf dein Bild von dir zu leben
das bist du nicht, das darfst du nicht mehr sein
er wird die Hand auch weiterhin erheben
in seinem Schatten bleibst du ewig klein

Du glaubtest ein Kind löse alle Probleme
dabei trat genau das Gegenteil ein
seine Wut steigert sich schnell ins Extreme
hört er wenn er heimkommt das Baby laut schrein
Wie lange willst du das noch ertragen
warum stellst du dich immer noch blind
du hast die Kraft ihm zu entsagen
wenn nicht für dich, tu es für das Kind

Jeder hat es gesehen
aber keiner gefragt
es ist schwer zu verstehen
du hast dich nie beklagt

Hör auf dein Bild von dir zu leben
du weißt dir ist viel besseres bestimmt
er hat dir keine Freundlichkeit zu geben
verweiger dich der Hand die stets nur nimmt
Hör auf dein Bild von dir zu leben
das bist du nicht, das darfst du nicht mehr sein
er wird die Hand auch weiterhin erheben
in seinem Schatten bleibst du ewig klein
Es bleibt ein Kampf mit ungleichen Waffen
du wehrst dich nie, du steckst immer nur ein
du mußt ein neues Bild von dir erschaffen
und ihn laß dort nie mehr hinein

Gedicht © Thomas Heyroth

Und der letzte Text kommt von Regine Swoboda aus Österreich

Geschlagene Liebe


Du sagtest du liebst sie und schlugst ihr ins Gesicht,
das war alles, nur Liebe war es sicher nicht.

Fügtest ihr zu, nicht nur körperlichen Schmerz,
nein, gebrochen hast du ihr das Herz.

Gedemütigt hast du sie und klein gemacht,
sie dabei noch verhöhnt und ausgelacht.

Du sagtest ihr sie wäre selber Schuld daran,
denn man widerspricht nicht seinem Mann.

Sie wollte sich wehren und konnte es nicht,
geweinte und ungeweinte Tränen nahmen ihr die Sicht.

Zerschmettert hast du ihre Kraft,
dir immer gedacht das sie es doch nie schafft.

Doch sie konnte sich von dir befrein,
denn ihre Seele war nie dein.

Sie fand einen Weg vor dir zu fliehen,
sich aus deiner Dunkelheit zu entziehen.

Sie hatte für sich nur diese eine Wahl,
um rauszukommen aus dieser Qual.

Lies fallen sich in Krankheit,
ja, dies war ihre Möglichkeit.

Sie entschied sich in ihrer ganzen Not,
nicht für´s Leben sondern für den Tod.

© Regine Swoboda
26.01.2012