Voll im Griff

Die PTBS hat mich wieder voll im Griff. Zu viel ist die letzte Zeit auf mich eingestürmt.

Müde, antriebslos, gereizt, unkonzentriert sind wohl die Gefühle die mich momentan beherrschen. Selbst Lucy kann mich nicht wirklich aufmuntern.

Die Ereignisse rund um den Tod meiner Oma haben vieles wieder aufgewühlt. Besonders das Gefühl nicht gut genug zu sein, den Ansprüchen nicht genügen zu können haben wieder Oberwasser. Wie schon mein halbes Leben so auch dieses Mal, wenn du nicht brav bist, hab ich dich nicht mehr lieb. Liebesentzug als Machtmittel war und ist ein beliebtes Werkzeug.

Im Hinblick auf den beantragten Pflegegrad ist mein momentaner Zustand vielleicht sogar als positiv zu werten. Ich schlafe kaum und wenn doch sehr unruhig, mit vielen Unterbrechungen. Werde ich wach bin ich schweiß gebadet und zittere am ganzen Körper. Ich habe das Gefühl zu ersticken. Ich stehe auf, und gehe für einige Minuten vor die Türe, die Kälte da draußen erdet mich wieder ein wenig. Danach kann ich dann wieder ein, zwei Stunden schlafen. Mehr als vier Stunden pro Nacht schlafe ich momentan nicht mehr.

Die Gesellschaft anderer Menschen ertrage ich zur Zeit nur sehr schwer. Und das Wissen das ich die Tage einkaufen muss, lässt mich schon jetzt zittern. Telefonieren geht auch nicht, wenn das Telefon klingelt ignoriere ich es gekonnt und warte das Joachim oder die Kinder dran gehen. Bin ich allein, dann lass ich es klingeln.

Stabilität sieht wirklich anders aus, ich habe eigentlich gedacht das ich momentan einigermaßen stabil bin. Ich habe mich auf die Stunden gefreut wenn ich mit Lucy raus konnte, wir gemeinsam draußen toben und laufen. Aktuell ist es eher eine Pflichtaufgabe. Ich kann es nicht genießen.

Mich stört die Fliege an der Wand und ich könnte ausrasten wenn etwas nicht so läuft wie ich es mir vorstelle. So viel Wut und Aggression habe ich lange nicht mehr gespürt.

In einer Selbsthilfegruppe habe ich einen Text gefunden, der beschreibt wie die PTBS agiert, welche Macht sie hat, der Text könnte auch von mir sein. Danke Bea für diese Zeilen. Ich glaube viele Betroffene finden sich in diesem Text wieder. Und vielleicht, aber nur vielleicht gibt es ja auch Außenstehende die anhand dieser Zeilen erahnen können wie es uns geht.