Du kannst es nie allen recht machen

Ich habe heute mal wieder einen interessanten Artikel entdeckt. Der Verfasser spricht vieles aus was ich auch so empfinde. Hier geht es zum Originalartikel 

Ich musste gerade schmunzeln, denn in der Linkadresse steht :also pfeif drauf 🙂

Pfeif drauf was die anderen sagen,pfeif drauf was sie über dich denken. Klingt super, ist super. Doch leider gar nicht so leicht umzusetzen. Ganz sicher spielen da immer wieder alte Erziehungsmuster mit rein. Auch mit fast 53 Jahren kann man sie nur schwer abstreifen, auch wenn man sie längst als falsch entlarvt hat.

Ich habe Sorgen, Probleme und oft mache ich sie mit mir selber aus. Ich lächel und antworte auf Nachfragen mit alles okay. Schließlich habe ich gelernt das solche Dinge privat sind und niemanden etwas angehen. Und doch, wer meine Seite schon länger verfolgt weiß das ich mich sehr oft darüber hinweg setze, auch privates öffentlich teile. Pfeif drauf wenn es jemanden nicht passt.

Wir haben zusammen fast 5 Jahre auf dem Campingplatz bzw. Wohnmobil gelebt. Hatten keine Wohnung in einem Steinhaus. Viele wandten sich von uns ab, denn das ist ja nicht Gesellschaftsfähig. Teilweise spürte man die Verachtung. Pfeif drauf was die anderen denken, für uns war es eine erfüllte und lehrreiche Zeit. Eine Zeit in der wir lernten wieder mit und in der Natur zu leben. Wetterwechsel waren wieder spürbar, der Wandel der Jahreszeiten viel intensiver. Mit so wenigen Dingen auskommen wie unbedingt nötig, oft ein wenig improvisieren. Und trotzdem zufrieden sein, egal was die anderen dachten.

Ich bin Anfang 50, gehe nicht arbeiten sondern bekomme Rente. Die ungläubigen Blicke die ich oft ernte. Oder auch das Geraune hinter dem Rücken, wovon leben die, gehen ja nicht arbeiten. Wieso Rente? Die hat doch gar nichts. Stimmt man sieht mir meine Erkrankung nicht an. Nach außen wirke ich sicherlich arbeitsfähig. Nur wer genauer hinschaut wird erkennen wie mühsam so manche Tage für mich sind. Wie schwer es mir fällt mit anderen Menschen zu kommunizieren, noch schwerer auf sie zu zu gehen. Das es mir unmöglich ist bestimmte Dinge zu erledigen wenn da ein Muss und womöglich auch noch eine Zeitvorgabe gegeben ist. Der Gedanke ich muss morgens um sieben auf Arbeit sein, der Chef sagt mir was ich heute alles zu tun habe, bereitet mir Bauchschmerzen, Herz rasen und Schweißausbrüche. Es geht absolut nicht mehr, da meine Seele sowieso überwiegend im Stressmodus ist, kann ich weiteren Stress und Druck nicht mehr aushalten. Deshalb gehe ich nicht arbeiten, deshalb bekomme ich Rente. Pfeif drauf ob die anderen es verstehen oder nicht.

Es gibt noch so viele Beispiele wo ich mir denke pfeif drauf. du kannst es sowieso nicht allen recht machen. Also schaue ich das es mir so gut wie möglich fühlt. Das es sich für mich richtig anfühlt, ich mich wohlfühle. Wenn ich mich nicht wohlfühle versuche ich an den Umständen etwas zu ändern bis es für mich passt. Und wenn ich eines Tages auf die Idee kommen sollte, ich ziehe mit einem Zelt in den Wald, dann werde ich auch dies machen. Pfeif drauf was die anderen dann darüber denken.

Jüngstes Beispiel, ich war total unzufrieden mit meinem Kopf, bzw Frisur. Am Sonntag bat ich Joachim mir zehn Minuten seiner Zeit zu schenken. Ich drückte ihm den Haarschneider in die Hand, mit dem längsten verfügbaren Aufsatz, immerhin stand da 21 drauf. 🙂 Das Ergebnis war dann doch wesentlich kürzer als erwartet, aber ich wollte es ja so 🙂 In zwei Wochen sieht das schon wieder besser aus. Es war meine Entscheidung und da muss ich jetzt durch, es ist ungewohnt, aber unwahrscheinlich praktisch und bei den Temperaturen auch angenehm frisch 🙂 Was die anderen denken? Pfeif drauf, ist mein Kopf 🙂

Mein persönlicher Besitz, inclusive Kleidung, passt in zwei Umzugskartons. Für mich völlig ausreichend. Mehr wäre unnötiger Ballast. Es fühlt sich super an, so ganz ohne materiellen Ballast zu sein. Der seelische Ballast ist schon schwer genug zu tragen.

Du kannst es nie allen recht machen – also pfeif drauf was die anderen sagen oder denken. Wer mich nicht so mag wie ich bin, der würde auch etwas finden was ihn stört, wenn ich mich ändern würde.

Rosenhochzeit

Heute ist es soweit, wir feiern unsere Rosenhochzeit. Das reimt sich ja sogar 🙂

Rosenhochzeit bedeutet das wir zehn gemeinsame Ehejahre erlebt und gelebt haben.

In unserem Fall heißt dies, es waren bewegte Jahre. Jahre in denen wir viel erlebt haben. Wir können gemeinsam auf viele positive Erlebnisse zurück schauen. Müssen aber auch an die vielen Nackenschläge denken.

Ja es gab sie, die Tage wo ich dachte ich will nicht mehr, ich schmeiße alles hin. Packe meine Koffer und haue ab. Doch letztendlich kann ich mir ein Leben ohne meinen Brummbär auch nicht vorstellen.

Das prickeln vom Anfang ist gewichen, schade eigentlich. Es hat Platz gemacht für eine Stabilität der Gefühle. Das Wissen wenn es brennt ist der andere da. Wir können zusammen lachen, können streiten und uns versöhnen. Wir haben gelernt den anderen sein zu lassen. Wir müssen nicht 24 Stunden aufeinander glucken, jeder kann und darf seine Freiräume haben. Die gemeinsamen Interessen sind gewachsen, während jeder seine eigene Interessen entwickelt hat.

Wir haben gelernt das die Bedürfnisse des anderen genauso wichtig sind wie die eigenen. Und Ehe nicht gleich bedeutend ist, mit die eigene Persönlichkeit aufzugeben. Ich und ich ergibt ein wir. Mit allen Ecken und Kanten, mit Dingen die wir am anderen lieben, genauso wie mit Dingen die wir nicht mögen.

Ja es gibt sie die Eigenschaften die man am anderen nicht mag. Aber die positiven, verbindenden Eigenschaften überwiegen.

Die heutige Rosenhochzeit ist aber auch ein Startpunkt in einen neuen, völlig anderen Lebensabschnitt. In 365 Tagen wird unser Leben ganz anders aussehen als das heutige. Wir werden noch mal durchstarten, noch mal etwas neues beginnen.

Ich liebe Dich Joachim, nein nicht mehr wie am ersten Tag. Es hat sich gewandelt, und fühlt sich doch besser an als am ersten Tag. Heute bin ich mir sicher, sicher das du mich liebst, sicher das du da bist wenn ich dich brauche. Damals war die Angst das ich dir nicht genügen könnte immer im Hinterkopf, doch diese Angst ist geschrumpft. Weg ist sie nicht, besonders wenn ich wieder einen Schub habe. Ich tief im Loch sitze und noch nicht mal die einfachsten Dinge auf die Reihe bekomme, dann kriecht sie wieder hervor.

Ich liebe Dich, und ja ich würde dich nochmal heiraten. Ich bin gespannt was wir in zehn Jahren zu erzählen haben, was dann hier an dieser Stelle stehen wird.