Gestern gelesen

Jó reggelt, guten Morgen. Gestern bin ich auf Facebook über eine Frage gestolpert. Was habt ihr für Erfahrungen mit den Ungarn gemacht?
Wie werden wir Deutsche aufgenommen, wir sind doch irgendwo auch “ Flüchtlinge „? 

Wir haben die Ungarn als freundlich, höflich und interessiert wahr genommen. Sie sind gastfreundlich und offen. Noch nie hatten wir das Gefühl von ihnen als Eindringlinge oder als störend empfunden zu werden. Unsere persönlichen Erfahrungen mit den Ungarn gestalten sich bisher positiv. Vor allem wenn sie merken du willst dich anpassen, bemühst dich die Sprache zu lernen und lässt nicht den Deutschen raus hängen. Die Ungarn sind anders und leben anders, die Uhren ticken anders, wenn du alles das akzeptieren kannst und nicht versuchst deine deutschen Vorstellungen und Werte zu erzwingen dann wirst du hier nett aufgenommen.

Aber vielleicht mal detailreicher.

Die Ungarn sind anders? 

In Deutschland gibt man wenig über sich preis. Man spricht nicht über Einkommen, über Probleme und Sorgen mit den Nachbarn, sondern setzt eine Maske auf und verschweigt seine wahren Empfindlichkeiten. Hier dauert es nicht lange und man weiß einiges über seine Nachbarn. Es gibt echtes Interesse an der anderen Person. Man geht relativ schnell in die Tiefe und kann dann gute Gespräche führen. Das Gegenüber wird mit Respekt behandelt. Wörter wie „Danke und Bitte“ sind hier noch keine Fremdwörter.

Die Ungarn leben anders?

Ja, sie leben entspannter und gesünder als wir Deutschen. Stress und Hektik scheint hier eher ein Fremdwort zu sein. Dabei sind die Ungarn fleißig, aber eben nicht hektisch. Manchmal vergessen wir ganz welcher Tag heute ist, denn es spielt keine Rolle. Auch am Sonntag kann ich einkaufen, meinen Rasen mähen, bohren, hämmern, sägen, ganz egal. Selbst im Straßenbau wird am Sonntag gearbeitet. Trotzdem haben die Ungarn Zeit, ein kleines Gespräch ist immer möglich, und wenn man zu Besuch geht, hat man nie das Gefühl zu stören, man wird herein gebeten und bewirtet, der Mensch ist wichtiger, die Arbeit hat Zeit. In Geschäften und Restaurants bemüht man sich noch sehr um die Kunden, gibt es eine Sprachbarriere dann kommuniziert man eben mit Händen und Füßen. Man muss aber auch nicht lange nach einem Verkäufer suchen, in den Geschäften gibt es mehr Personal als in Deutschland und jeder ist ansprechbar und hilft. In Deutschland hört man oft, nicht meine Abteilung, ist uns hier noch nie passiert.

Die Uhren ticken anders?

Das ist wohl der gravierendste Unterschied zwischen Deutschen und Ungarn. Wir werden von Kind an schon zu Pünktlichkeit erzogen, hier hingegen sind Termine eher ein Anhaltspunkt. Schon zweimal ist es uns passiert das der Termin um einen Tag vorgezogen wurde, aber auch Verspätungen von ein paar Stunden sind hier völlig normal. Man schaut nicht ständig auf die Uhr weil man ja einen Termin hat und von einem Termin zum nächsten hetzen muss. Die ersten Wochen hat das sehr genervt, doch mittlerweile wird es immer angenehmer. Es wird immer klarer das wir uns selbst viel zu sehr unter Druck gesetzt haben, ganz viel Hektik und Stress hausgemacht war. In der Ruhe liegt die Kraft, ich glaube dieser Spruch trifft hier noch voll ins Schwarze.

Oft lesen wir in den Gruppen, ich lebe schon xx Jahre hier und spreche kein ungarisch und komme trotzdem zurecht. Richtig, wir sprechen auch noch kein ungarisch und kommen zurecht, aber es reicht uns nicht. Deshalb nehmen wir Unterricht, denn wir wollen nicht nur zurecht kommen sondern dazu gehören. Es wird ganz sicher noch eine Weile dauern bis wir Gesprächen wirklich folgen können und ohne Übersetzer zurecht kommen, aber das ist unser Ziel.

Wenn wir unterwegs sind, und dann teilweise hören wie sich unsere Landsleute äußern, fragen wir uns oft warum sind die hier? Warum sind die nicht in Deutschland geblieben? Auch in der Diskussion gestern kam es zu einer Aussage über die ich nur den Kopf schütteln konnte, man sollte nur dahin ziehen wo es viele Touristen oder Deutsche gibt, nur da ist es lebenswert. Die Deutschen die wegen der günstigen Immobilienpreise aufs Land ziehen, sind frustriert. Leider stand da nicht warum sie frustriert sein sollten? Wir haben uns bewusst gegen die deutschen Kolonien rund um den Plattensee entschieden. Immer wenn wir dort sind bekommen wir die Bestätigung das wir uns richtig entschieden haben. In Deutschland verlangen wir von den „Gästen“ das sie sich anpassen, die Sprache erlernen und unser Leben respektieren. Doch Deutsche als Gast in einem anderen Land, scheinen dies meist nicht als nötig zu erachten. Sie würden am liebsten alles ändern, weil ihre eigenen Vorstellungen und Lebensweisen das einzig richtige sind. Das fängt beim Lohn an, geht weiter über die Tierhaltung bis hin zum Zustand der Häuser, und das man nicht alle deutschen Produkte in Ungarn bekommen kann ist natürlich auch fatal. Warum kann ich nicht einfach den anderen Sein lassen? Wenn Deutschland, seine Menschen, seine Werte und Strukturen so toll sind, warum verlasse ich dann dieses Land? Kein Land der Welt hat darauf gewartet das die Missionare aus Deutschland kommen und alles verändern. Wer in ein anderes Land auswandern möchte, sollte sich vorher informieren, und nicht hinterher versuchen sich alles zurecht zu biegen.

Wir haben Ruhe, Entspannung und Sicherheit gesucht und gefunden. Gesundheitliche Probleme haben sich verringert, Joachim muss kaum noch sprühen, sein Asthma ist viel besser geworden. Wir können uns endlich gesund ernähren da wir ohne großen Aufwand beim Erzeuger kaufen können, und nicht auf Lebensmittel zurück greifen müssen, die schon wochenlang um die Welt gereist sind und mit Chemie konserviert wurden. In den Ketten kann man natürlich auf diese Sachen zugreifen, aber das war das erste was wir uns hier abgewöhnt haben. Wir mögen das Land und seine Menschen so wie sie sind, für uns war es die richtige Entscheidung.

Herrchen und Frauchen ärgern, oder guck dir mal die blöden an

Das Wetter beruhigte sich gestern dann doch noch, und so sind wir doch noch zum Markt gefahren. Wirklich viele Händler waren allerdings nicht da gestern, andere hatten mehr damit zu tun ihre Stände zu sichern als mit dem Verkauf ihrer Ware. Es ging ein ziemlich böser und kalter Wind. Trotzdem konnten wir unseren Wochenvorrat erwerben und sind dann noch zum Essen gefahren.

Als wir nach rund vier Stunden wieder nach Hause kamen fiel uns direkt auf, es fehlt etwas. Kein sich wie wild gebärender Hund am Zaun, kein bellen, niemand der sich freute das wir wieder da waren. Unsere Ladys waren abgängig. 🙁

Unser Brunnen, im Frühjahr bekommt er frische Farbe und der Dachstuhl wird ausgebessert

Einkäufe ins Haus, Grundstück ablaufen, Loch im Zaun finden waren unsere ersten Schritte. Auf rufen und Pfiffe, keine Reaktion. Also wieder ins Auto und das Dorf und die Feldwege abgefahren. Nichts keine Hunde weit und breit. 🙁

Der eine Feldweg wäre uns fast zum Verhängnis geworden, wir saßen fest und nur Joachims Beharrlichkeit und seiner Fahrpraxis hatten wir es zu verdanken das wir uns aus der tiefen Schlammpfütze wieder befreien konnten.

Nachdem wir das halbe Dorf abgefahren hatten, meinte ich zu Joachim wenn wir nach Hause kommen, sitzen die beiden im Garten und lachen uns aus. 🙂 Wir fuhren an der Kirche vorbei, die Straße runter und trauten unseren Augen nicht, von dort kann man unser Haus und Garten sehen und im Garten bewegte sich etwas weißes und schwarzes 🙂 Die beiden waren tatsächlich wieder da, und spielten im Garten als wenn sie nie weg gewesen wären.

So wie sie aussahen, haben sie allerdings irgendein Feld umgegraben 🙂 Unsere Hunde sind jedenfalls mittlerweile echte Ungarn, Maxi ist es ja sowieso, und Lucy scheint sich auch schon eingebürgert zu haben. So wie viele Hunde hier im Dorf gehen sie selbstständig auf Tour und spätestens wenn sie Hunger bekommen, kommen sie nach Hause 🙂 Und lachen sich über ihre Besitzer kaputt, die sich Sorgen machen und suchen. Die Gelassenheit unserer Nachbarn muss ich mir da wirklich noch zulegen.