Es geht bergab

Es ist Sonntag und es regnet, ein Besuch auf dem Markt lohnt sich heute wohl eher nicht. Schade, denn eigentlich ist es schon fast ein Ritual geworden.

Drei Monate in Ungarn, manches wird so langsam zur Routine, doch vieles müssen wir noch lernen, oder vielleicht sollte ich eher sagen, dürfen wir noch lernen. Seit zwei Wochen habe wir dreimal die Woche ungarisch Unterricht, und stolpern immer wieder über die gleichen Buchstabenkombinationen. Aber da hilft wirklich nur, üben, üben, üben. Wenn wir in ein Restaurant gehen, versuchen wir immer unsere Gerichte auf ungarisch zu bestellen, bisher haben uns die Bedienungen auf Anfrage immer geholfen wenn die Aussprache nicht korrekt war. Überhaupt fühlt man sich als Kunde oder Gast ernst genommen, egal ob im Lokal, im Geschäft oder auf dem Markt. 

Seit ein paar Tage frage ich mich, was habe ich in Deutschland eigentlich gegessen? Was war dort in den Lebensmitteln drin? Wir sind jetzt seit drei Monaten hier, gehen regelmäßig essen, naschen nach wie vor gerne und trotzdem zeigt die Waage nur in eine Richtung, bergab. 7 Kilo seit wir hier sind. Wenn ich im Vorfeld über die ungarische Küche gelesen habe, tauchte immer wieder der Satz auf, wer abnehmen möchte, der ist in Ungarn auf jeden Fall im falschen Land. Das kann ich jetzt absolut nicht unterschreiben. Ich glaube der entscheidende Unterschied ist, das man hier noch kochen muss. Fertiggerichte findet man nicht, das einzige was es auch hier gibt sind diese Tütchen von Knorr, die wir aber eher gar nicht nutzen. Schaut in Deutschland mal auf die Verpackungen, neben den Konservierungsmitteln findet ihr immer auch Zucker und Salz in fast allen Produkten. Hier erhalten wir fast alles frisch und können bei rund 70% der Waren auch sagen wo sie herkommen, da wir sie auf dem Markt bei den Händlern kaufen. Je kleiner der Händler, je kleiner sein Warenangebot umso lieber greifen wir zu. Dies sind meist die einheimischen, die ihre Produkte aus dem eigenen Garten verkaufen, und wo man die frische noch schmeckt. Es geht bergab, zum Glück aber nur der Zeiger der Waage 🙂

Selbstgebackenes Vollkornbrot

Drei Monate Ungarn, und ich liebe dieses Land jeden Tag ein bisschen mehr. Kein Gedanke daran, das ich Deutschland vermisse. Ich mag die Menschen hier, mag es das alles ein wenig ruhiger und entspannter abläuft.

Wie sieht die Welt von oben aus?