Weihnachten in Ungarn

Ein Weihnachten wie es früher einmal war. Wie oft habe ich diesen Wunsch in den letzten Wochen gelesen? Immer wieder habe ich mich gefragt, wenn die Menschen sich danach sehnen, warum leben sie diesen Wunsch dann nicht? Warum machen sie mit beim Konsumzwang? Warum boykottieren sie nicht die Weihnachtsartikel schon im August?

Ein Weihnachten wie es früher einmal war, hier in Ungarn sind wir dem wieder sehr nahe gekommen. Im November wurden in den Märkten so langsam Flächen für die Weihnachtsartikel frei geräumt. Mitte November dann die ersten Waren in den Regalen. Die Weihnachtsmärkte hier in der Region öffneten zum ersten Advent. Nicht die Buden mit Glühwein und Bratwurst überwogen, sondern die mit handwerklichen und vor allem weihnachtlichen Artikeln. Die Menschen hetzten nicht über die Märkte, sondern verweilten an den Ständen die sie interessierten. Glühweinopfer haben wir nicht einen gesehen, vielleicht liegt dies auch an der 0 Promille Grenze hier in Ungarn, und auch an den verstärkten Polizeikontrollen der letzten Wochen.

Die Städte und Dörfer hier sind nicht pompös geschmückt, es scheint keinen Wettbewerb zu geben, wer hat die meisten und teuersten Lichterketten der Stadt. Was wir aber gesehen haben, jeder Ort und sei er noch so klein, hat an einem zentralen Punkt sein Weihnachtskleid angelegt. Sei es der schön geschmückte Baum, ein großer Adventskranz, oder eine schöne Krippe. Egal wo, man spürte überall die Liebe die hinter diesen Festvorbereitungen stand.

 

Hektisch wurde es in den größeren Geschäften in den letzten ein bis zwei Wochen, da spürte man ein wenig von dem Weihnachtsstress, aber man muss ja dort nicht kaufen, hat doch fast jeder Ort seinen „Tante Emma“ Laden und da geht es wesentlich entspannter zu. In die größeren Ketten gehen wir einmal im Monat, versorgen uns mit den wichtigsten Vorräten, alles andere kaufen wir vor Ort und auf dem Wochenmarkt.

Gestern haben wir den Weihnachtsgottesdienst hier im Dorf besucht. Er konnte wegen Renovierung der Kirche dort nicht stattfinden. Schade? Oder vielleicht doch Glück gehabt? Die Kirche hat keine Heizung, und es wäre bitterkalt darin gewesen. So durften wir den Gottesdienst im Gut geheizten Bürgermeisteramt genießen. Auch hier zeigte sich ein wundervoll geschmückter Weihnachtsbaum. Eine Gruppe Kinder und Jugendliche, führten ein Krippenspiel auf, die Predigt war nicht übermäßig lang. Gesungen wurden drei Weihnachtslieder, wovon zwei auch in Deutschland im Weihnachtsgottesdienst nie fehlen. Lasset uns anbeten und Stille Nacht, das dritte war uns nicht bekannt. Nach der Predigt wurde die Jugend des Dorfes beschert, ein sehr schöner Brauch. Für die Erwachsenen gab es beim verlassen einen warmen Glühwein oder Tee. Niemand lief hektisch  nach Hause, man stand noch eine Weile zusammen.

Ein Weihnachten wie es früher einmal war, dem kommt man hier sehr nah, wenn auch tagsüber bei Frühlingshaften Temperaturen und Sonnenschein, doch sobald die Sonne untergeht wird es winterlich kalt. Bei der momentanen Wetterlage könnte ich Nachts stundenlang draußen sein und in den fantastischen Sternenhimmel schauen, wenn ich keine Angst haben müsste draußen an zu frieren.

Fazit, wenn der Kopf nicht durchgängig in Deutschland, bei unseren Kindern und dem kranken Enkelkind, wäre – dann hätten wir zum ersten Mal seit vielen Jahren wieder eine Weihnachten wie es früher einmal war erleben können.