Und bei euch so?

Anfang des Jahres bauten wir mit der Kreativscheune Pützborn unser Bett und lernten dadurch einen wirklich tollen Menschen kennen

Zwischen den Jahren ist immer der Moment inne zu halten, einen oder auch zwei Blicke zurück zu werfen und auch schon mal in die Zukunft zu schauen. Welche Wünsche habe ich an das nächste Jahr?

Sie kann gar nicht genug bekommen, Lucy lernte endlich schwimmen

Aber zuerst schaue ich zurück. 2017 war ein wirklich turbulentes Jahr, und plötzlich war nichts mehr wie vorher. 2016 waren wir voller Hoffnung und mit Vorfreude zusammen mit unseren Kindern in ein Haus gezogen. Das Haus entpuppte sich schnell als Geldgrab. Die Kinder fanden keine Arbeit und wurden immer unzufriedener. Das färbte auch auf unser Zusammenleben ab, obwohl wir uns eigentlich gut verstehen, und das Haus auch genügend Raum bot damit jeder seinen Bereich hat, gerieten wir öfter aneinander. Im Frühjahr kam was kommen musste, sie teilten uns mit das sie wieder ausziehen würden, mein Sohn hatte in der alten Heimat wieder Arbeit gefunden, meine Schwiegertochter erwartete zudem ein Kind. Zuerst waren wir enttäuscht, wütend und traurig, doch nachdem die Nachricht dann verdaut war, begannen auch wir zu überlegen.

Der erste Schnee, herrlich zum toben

Was machen wir aus der neuen Situation, alleine im Haus bleiben wollten wir nicht, es würde uns auf Dauer ruinieren. Die Idee Deutschland zu verlassen, woanders ganz neu zu beginnen nahm Gestalt an. Die Kinder fanden die Idee zwar verrückt aber auch gut und rieten uns zu. Im Sommer dann, machten wir uns auf den Weg, wir wollten schauen ob aus einer Idee, einem Gedankenspiel, Realität werden kann. Im Herbst machten wir den Traum dann wahr. Vier Monate ist das jetzt schon wieder her, und das Leben stellt uns immer wieder vor Herausforderungen. Die meisten konnten wir lösen, die größte Herausforderung benötigt allerdings viel Zeit. Wir müssen die Sprache lernen, auch wenn es sehr schwer fällt.

Urlaub im Juli, Puppe in original ungarischer Tracht

Viele fanden unsere Entscheidung gut und ermutigten uns, denen möchte ich aus ganzem Herzen danken. Andere beneideten uns für unseren Mut, sie würden ja auch gerne aber… Jenen kann ich nur sagen, kämpft für eure Träume, lebt sie, die Zeit ist viel zu schnell vorbei und irgendwann ist es zu spät für Veränderungen. Ein Freund ist dieses Jahr viel zu früh gestorben, zwei Familienmitglieder sind ebenfalls gegangen. Ein anderer Freund hat dem Tod noch einmal ein Schnippchen schlagen können. Diese Ereignisse haben uns gezeigt wie wichtig es ist, nichts auf später zu verschieben. Wir leben hier und heute, was morgen ist weiß niemand. Es gab aber auch die Skeptiker, die unseren Entschluss für übereilt und nicht durchdacht hielten. Ich kann euch sagen, auch sie hatten Recht, zwischen Gedanken und Umsetzung derselben lagen nur wenige Monate. Und normalerweise bricht man solche Entscheidungen nicht übers Knie. Doch warum die Zeit mit unglücklich und unzufrieden sein vergeuden? Warum nicht einfach ins kalte Wasser springen und etwas wagen? Wenn es schief geht, der Weg zurück steht doch jederzeit offen.

Juli 2017, die Entscheidung ist gefallen, hierhin wollen wir ziehen

Vier Monate sind wir jetzt hier. Wir sind ruhiger und entspannter geworden. Wir haben neue Menschen kennen gelernt, manche mögen wir schon sehr. Wir lernen wieder, wie Obst, Gemüse, Fleisch und Milch schmecken, da wir hier ohne großen Aufwand direkt beim Erzeuger kaufen können. Obst und Gemüse entspricht nicht den Normen, hier findet man sogar noch krumme Gurken. Der schnelle Griff zu Fertiggerichten mit all seinen Zusatzstoffen, ist hier sehr schwer bis unmöglich. Das Leben an sich, ist hier einfacher und langsamer. Was uns im Sommer fasziniert hatte, nirgends liefen Rasensprenger, die Felder wurden auch nicht beregnet und trotzdem gedieh alles prächtig. In den Gärten gibt es Wiesen, die brauchen keine künstliche Bewässerung, wie der Rasen in Deutschland der nach zwei Sommertagen schon braun wird.

Große Sonnenblumenfelder egal wo man hin kam

Wenn wir aus der Haustüre raus kommen, hören wir Hundegebell niemanden stört es. Die Hühner, Gänse und Enten sind ebenfalls nicht zu überhören und auch das stört niemanden. Es gehört einfach dazu. So wie es auch dazu gehört, das die Geschäfte hier an sieben Tagen die Woche geöffnet haben, die Müllabfuhr immer am Abfuhrtag kommt und es keine Verschiebungen aufgrund von Feiertagen gibt. Sogar am zweiten Weihnachtstag kam die Müllabfuhr. Natürlich gibt es hier auch Armut, Obdachlosigkeit, doch anders als in Deutschland redet hier niemand die Probleme schön. Es wird über die Probleme gesprochen und nicht versucht sie weg zu reden. Familie und Zusammenhalt hat hier noch eine andere Wertigkeit, man ist aufeinander angewiesen und die „Alten“ bleiben meist im Haus.

September der vermeintliche Max zieht ein 🙂

Unser Fazit für das Jahr 2017, es war trotz aller Turbulenzen und Widrigkeiten ein positives Jahr für uns. Wir danken allen die uns in irgendeiner Form unterstützt und motiviert haben.

Einer der seltenen nebligen Herbsttage. Bis weit in den November überwogen die Sonnentage.

Die Wünsche für das kommende Jahr sind eher bescheiden und klein. Wir möchten die Sprache lernen, ein paar Beete anlegen und dort so einiges selbst produzieren. Wir möchten auch ein paar Hühner halten und ein Hühnerhaus bauen. Und natürlich das Land und die Menschen noch besser kennen und lieben lernen.

Es gibt viele sehr gute Restaurants, hier sind wir öfter

Wir wünschen uns, das auch für unsere Kinder das kommende Jahr mehr Sonnenstunden bereit hält und die momentanen Sorgen und Nöte endlich der Vergangenheit angehören. Wir wünschen uns das unsere Familie und unsere Freunde und Bekannten gesund und glücklich sein dürfen.

Euch allen die ihr mich hier auf meiner Seite besucht, wünsche ich einen guten Übergang ins Neue Jahr. Das auch eure Wünsche und Träume Wirklichkeit werden. Den Mut einfach mal den Gefühlen zu folgen.

6 thoughts on “Und bei euch so?”

  1. Liebe Gabriele es ist immer schön zu lesen was du schreibst wie ein Fortsetzungs Reisebericht
    Wie schon einer schrieb es könnte ein Buch werden ♥
    Meine Sehnsucht nach Urlaub in Ungarn mal wieder erweckst du jedes mal . Es kommen immer 100 Erinnerungen hoch ♥
    Wir wünschen uns für das Neue Jahr nur Gesundheit und Frieden hatten ein Jahr mit vielen Krisen krankheitsmässig😢 Das Schlimmste haben wir geschafft mein Mann kann nach mehreren Eingriffen in der Klinik 🏥 nach einem Jahr krank wieder arbeiten. Die 3jahre bis zur Rente mit 63 will er noch schaffen. Dann sind unsere Überlegungen unsere Wohnung zu verkaufen und an die Nordsee zu ziehen auch da ticken die Uhren noch anders. Das steht alles nur in der Schwebe weil meine Eltern sind beide 82 und meine Mutter ist vor gut einem Jahr sehr schwer an vaskulärer Demenz erkrankt. Innerhalb der kurzen Zeit weiss sie meinen Namen nicht mehr weiss nicht was sie ist und sitzt schon im Rollstuhl
    Morgens kommt für 2stunden eine Pflegekraft macht sie fertig und in der anderen Stunde macht sie Hausarbeit mit meinem Vater den Rest des Tages pflegt mein Vater sie.Meine Borreliose hat sich au h verschlechtert so das ih am Rollator gehen muss also bin ich au h nur bedingt in der Pflege einsatzfähig. Meine Aufgaben sind Mutter sitting wenn Vater etwas erledigen muss und am Wochenende kochen und zwischendurch bügeln. Solange meine Eltern bzw. Meine Mutter noch lebt kann ich hier nicht fort.Entschuldige jetzt habe ich viel zu ausführlich meine Lage beschrieben eigentlich wollte ich das nicht.
    Ich wünsche euch für das Neue Jahr alles erdenklich Gute das eure Träume und Wünsche in Erfüllung gehen und viele liebe Menschen mit vielen schönen Momenten und vor allen Dingen au h Gesundheit liebe Grüße aus dem heute gefrorenem Rheinland sendet euch Birgit 🍀🍀🍀

    1. Liebe Birgit, warme Grüße kann ich dir leider auch nicht schicken, auch hier ist heute morgen alles gefroren. 🙂
      Deine Geschichte ist nicht schön, sie klingt auch nach ganz viel Kampf, ich wünsche euch das euch die Kraft nicht ausgeht, und es im kommenden Jahr ein wenig entspannter wird.
      Ganz liebe Grüße sendet dir Gabriele

  2. Liebe Gabriele, du hast ein wahnsinniges Talent, das Erlebte in Worte zu fassen! Ich finde, du solltest deine Beiträge sammeln und ein Buch daraus machen, es wäre bestimmt der Renner!

    1. Vielleicht mache ich das sogar 🙂 Ich wünsche dir, einen guten Start ins kommende Jahr und das du viele positive Erlebnisse sammeln darfst

      1. Danke, auch ich wünsche dir für das kommende Jahr alles Liebe und Gute! Und nimm dir nicht alles so zu Herzen, du bist mit soviel Offenheit und positiver Energie dein neues Leben angetreten, jetzt soll es auch langsam Früchte tragen. Lass dich nicht beirren von irgendwelchen Vollpfosten (die gibt es in Ungarn leider auch, das merkt man schon im Straßenverkehr!) und Neidern (viele Ungarn glauben allen Ernstes, alle Deutschen seien Millionäre), sondern lebe dein Leben und genieße die neu gewonnene Freiheit. Und wegen der Sprache solltest du dir keine allzu großen Sorgen machen, mit der Zeit findest du deine Leute, die dir was übersetzen können und fast auf jedem Amt gibt es irgendjemand, der deutsch spricht. Übrigens: die gebildeteren Ungarn (auch Ärzte, Tierärzte) sprechen oft englisch, vielleicht kommst du damit ja auch klar. Ich kenne Leute, die wohnen schon 10 Jahre am Balaton und können auch nicht mehr als „Jó napót“. In diesem Sinne wünsche ich dir und deinen Lieben einen guten Rutsch und Boldog uj évet!

        1. Liebe Brigitte,
          danke für deine lieben Worte. Nein beirren lassen wir uns ganz sicher nicht, und hier im Dorf lebt es sich ganz gut. Klar es gibt überall Menschen mit denen du keinen engeren Kontakt pflegen möchtest, doch hier ist es doch noch sehr harmonisch. Es ist uns zumindest nicht bekannt das wir es schon geschafft haben uns unbeliebt zu machen 🙂
          Ich weiß das man mit Deutsch und Englisch fast überall weiter kommen kann, doch das ist mein Anspruch. Wenn ich hier leben möchte, wirklich zur Gemeinschaft dazu gehören möchte, dann muss es ein wenig mehr als nur die Tageszeiten und Floskeln sein. Besonders auf Veranstaltungen ist es doch blöd wenn man außen steht, weil eben diese Barriere da ist.
          Ganz liebe Grüße und komm gut ins neue Jahr.

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