Allmacht Jugendamt, oder wehe wenn sie losgelassen

Noch bis vor wenigen Wochen glaubte ich an Gerechtigkeit, glaubte ich daran das auch das Jugendamt eine gute und wichtige Behörde ist. Dieser Glaube ist mir leider abhanden gekommen, und ich beginne zu glauben das die meisten Erfahrungsberichte die man im Netz lesen kann, der Wahrheit entsprechen.

Seit 1925 gibt es Jugendämter in Deutschland. Die Aufgaben finden sich im SGB_VIII. In erster Linie soll diese Organisation das Wohl der Kinder behüten und Eltern beratend zur Seite stehen, bei Problemen lösungsorientierte Hilfestellung geben.

Hier findet sich schon wieder dieses mittlerweile gehasste Wort Kindeswohl. Ein Wort ohne Bedeutung. Und doch hat es so viel Macht. Kindeswohl kann von jedem anders ausgelegt werden, und es lässt sich so viel bewirken mit diesem Wort im Hintergrund. Ich bin ja nur für das Wohl des Kindes verantwortlich, ich entscheide nur zum Wohl des Kindes. Sätze die ich die letzten Tage täglich gehört habe.

Zum Wohl des Kindes werden Familien auseinander gerissen, Kinder systematisch ihren leiblichen Eltern entfremdet. Oft weitergereicht durch mehrere Institutionen oder Pflegefamilien. Natürlich dient auch das dem Kindeswohl, wenn es seines Urvertrauens nach Sicherheit immer wieder beraubt wird. Nie eine wirklichen Lebensmittelpunkt besitzt und irgendwann ja auch versteht, das der Tag kommt wo es wieder weiter gereicht wird.

Die Entscheidungen des Jugendamtes erscheinen als eine Reihe willkürlicher Entscheidungen. Offensichtlich vernachlässigte Kinder werden nicht in Obhut genommen, Suchtkranke Eltern dürfen ihre Kinder behalten obwohl sie nicht erziehungsfähig sind. Auf der anderen Seite reicht die Meldung, eines besorgten Bürgers, um ohne große Nachfrage das Kind seiner Wurzeln zu entreißen und fremd unterzubringen.

Diese Willkür ist zudem gesetzlich abgesichert. Solche tiefgreifenden Entscheidungen, wie eine Inobhutnahme, müssen richterlich abgesegnet werden. Dafür ist das Familiengericht zuständig. Welches aber nicht weisungsbefugt gegenüber dem Jugendamt ist.

Die Inobhutnahme hingegen, ist keine Familienrechtliche Angelegenheit, sondern ein Verwaltungsakt. Widerspruch gegen die Inobhutnahme muss ich bei der erlassenen Behörde einreichen. Wird dieser abgelehnt wende ich mich ans Familiengericht, welches aber nicht zuständig ist, da es sich um einen Verwaltungsakt handelt. Jetzt folgt die Klage beim Verwaltungsgericht.

Ich muss also das Verwaltungsgericht damit beauftragen. Sehr viele Widersprüche werden dort auch zu Gunsten der Eltern und Kinder entschieden.

Hier noch eine kleine Info am Rande. Wenn euch der Beschluss über die Inobhutnahme zugestellt wird, muss dieser eine Rechtsbehelfsbelehrung enthalten. Damit gilt eine Frist von zwei Wochen um Widerspruch einzulegen. Besser für euch allerdings ist es wenn diese Rechtsbehelfsbelehrung nicht beigefügt ist. Dann verlängert sich die Frist auf zwölf Monate. Ihr habt somit mehr Zeit einen fundierten Widerspruch beim für euch zuständigen Verwaltungsgericht einzureichen.

Das Verwaltungsgericht hat eurem Widerspruch erhalten? Wie geht es weiter? Ganz nach dem Motto Papier ist geduldig. Wenn man sich informiert, findet man heraus das mit dem Eingang des Widerspruches beim Verwaltungsgericht, der Verwaltungsakt außer Kraft gesetzt ist, bis zu einer Entscheidung. Außer Kraft gesetzt bedeutet in diesem Fall, daß die Inobhutnahme ausgesetzt werden muss, und das Kind unverzüglich wieder den Eltern übergeben werden muss.

Ich habe bisher leider keinen Fall gefunden, in dem Eltern berichten das so verfahren wurde. Die Kinder blieben alle bis zu einer Entscheidungsfindung in Obhut.

Entscheidungen bei Gericht dauern lange, die Erfahrung haben wohl fast alle schon einmal gemacht.

Und deshalb gibt es seit 2017 eine neue Entscheidung, im Namen des Kindeswohl, das Kind trotz Beschluss der Rückführung, dieser nicht nach zu kommen.

Hat das Pflegekind, enge Bindungen zu seinen Ersatzeltern aufgebaut (je kleiner das Kind, umso eher ist dies der Fall) darf das Jugendamt die Inobhutnahme weiterführen, da es nicht dem Wohl des Kindes dient, es aus seinen Bindungen heraus zu nehmen.

Somit hat das Jugendamt also Narrenfreiheit, und egal wer welche Entscheidungen trifft, letzten Endes macht das Jugendamt trotzdem das, was nach Meinung des Sachbearbeiter dem Kindeswohl dient.

Je mehr ich in das Thema einsteigen, umso mehr begreife ich, daß ich unvorstellbares Glück gehabt habe. Es macht mich wütend das meine Kinder in deren Willkür gefangen sind und einen langen harten Kampf vor sich haben, der wenn er zu lange dauert, trotzdem nicht zum ersehnten Ziel führen wird.

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