War die Entscheidung des Oberlandesgerichtes richtig?

Guten Morgen, ich greife das Thema heute noch einmal auf da aufgrund der Berichte in den Medien und auch sozialen Netzwerken Diskussionen entstanden sind. Der überwiegende Teil der Diskussionsteilnehmer freut sich einfach nur mit der Familie, aber es gibt auch Menschen die Bedenken äußern. Verständlich wenn man doch viel zu oft liest das Kinder misshandelt, missbraucht und zu Tode gekommen sind, wenn sie zu ihren Eltern trotz Zweifel und massiver Vorwürfe zurück kamen.

Am 19. Dezember erfolgte durch das Klinikum Solingen die Gefährdungsmeldung an das Jugendamt. Bei einem MRT war ein 3mm großes, einseitiges subdurales Hämatom gefunden worden, gemeinsam mit Netzhautblutungen kam der Verdacht auf es läge ein Schütteltrauma vor. Das Jugendamt zögerte nicht und nahm Felicitaz sofort in Obhut. Handelte folglich also richtig. Zeitgleich wurde die Rechtsmedizin in Düsseldorf beauftragt die Diagnose zu festigen oder zu widerlegen.

Am 02.01.2018 fand ein weiteres MRT und eine weitere Augenuntersuchung statt. Mit diesen Ergebnissen konnte ein Schütteltrauma nicht mehr bewiesen werden und das Klinikum räumte ein, es könne sich auch um ein Geburtstrauma handeln. Dafür sprachen auch die Auffälligkeiten wenige Stunden nach der Geburt. Von diesen Auffälligkeiten und den Ergebnissen der Abschlussuntersuchung erhielt die Rechtsmedizin keine Kenntnis. Zudem hatte die Rechtsmedizinerin keine ausreichende (radiologische) Qualifikation für das Gutachten.

So kam die Rechtsmedizin zu ihrem vorläufigen, unter Vorbehalt erstellten Gutachten, welches sich überwiegend auf telefonische Auskünfte der Klinik und des Jugendamtes bezog, in welchem sie den Verdacht auf ein Schütteltrauma erhärtete.

Somit konnte auch das Familiengericht keine andere Entscheidung treffen und musste die Inobhutnahme legitimieren.

Nach langem bitten und betteln kamen die Eltern an die Krankenakten und stellten dort massig Ungereimtheiten fest. Und Wochen später als dann endlich Akteneinsicht in die Jugendamtsakte gewährt wurde, entwickelte sich der Fall zu einem Absurdum.

  1. Gefährdungsmeldung : Massive Hirnblutungen, Verdacht auf Schütteltrauma, eine Entlassung des Kindes ist vor Weihnachten angedacht. Über welche Wundermedikamente muss diese Klinik verfügen? Massive Hirnblutungen und eine Entlassung nur Tage später?
  2. Intensiver, freundschaftlicher Mailverkehr zwischen Klinikum und Jugendamt, so auch Absprachen über den Entlasstermin und das weitere Vorgehen. So fordert das Jugendamt kurz nach der Gefährdungsmeldung einen Arztbericht an, mit dem sie ihren Antrag beim Gericht untermauern können.
  3. Austausch zwischen Jugendamt und Rechtsmedizin, auch hier fordert das Jugendamt ein Gutachten vorab an damit sie vor Gericht argumentieren können.
  4. Die sozialen Netzwerke werden auf Berichte, Kommentare und Diskussionen durchsucht, die sie gegen die Eltern verwenden können. Eine Oberärztin, und die, inzwischen vom Fall abgezogene, Sachbearbeiterin machen sich gegenseitig über Mail auf relevante Einträge aufmerksam.
  5. Die gesamten Unterlagen werden von Seiten der Eltern mehreren Fachärzten zugänglich gemacht, und durchweg alle bestätigen das ein Schütteltrauma aller Wahrscheinlichkeit nach ausgeschlossen werden kann.
  6. Je mehr Beweise für die Unschuld der Eltern gefunden werden, desto heftiger werden die Maßnahmen des Jugendamtes. Eine Kommunikation und Zusammenarbeit wird immer unmöglicher. Die Amtsvormundin, kommt ihren Aufgaben nicht nach, kümmert sich nicht persönlich um ihr Mündel, verweigert den Eltern die ihnen zustehenden Auskünfte über Entwicklung und Gesundheitszustand.

Alles dies wird in dem Verfahren beim Oberlandesgericht zur Kenntnis genommen. In der Vernehmung des Sachbearbeiters vom Jugendamt muss dieser eingestehen, das sie keine Gefährdung sehen wenn das Kind nach Hause zu seinen Eltern kommt. Somit gab das Gericht dem Antrag der Eltern statt, und hob den Beschluss auf. Zwar muss sich die Familie an Auflagen halten, so müssen sie ihr Kind zweimal die Woche beim Kinderarzt vorstellen, und zudem mit dem Amt zusammenarbeiten. Täglich wird eine Familienhelferin vorbei schauen. Somit fühlen sich auch die Richter sicher mit ihrer Entscheidung, zumal noch das zweite und hoffentlich rechtssichere Gutachten aus Hamburg kommt.

Aber jetzt sollte man der kleinen, jungen Familie erstmal ihr Glück gönnen, ihnen Zeit und Ruhe wünschen um als Familie zusammen wachsen zu können. Dank eines sehr guten und stabilen sozialen Umfeldes werden sie auch die Auflagen und Herausforderungen der kommenden Wochen gut überstehen.

7 thoughts on “War die Entscheidung des Oberlandesgerichtes richtig?”

  1. Hallo, nach langem Überlegen schreibe ich Ihnen doch. Ich freue mich sehr für Sie, dass die Kleine wieder bei Ihnen ist. Wir haben vor zwei Jahren, fast auf den Tag genau, ähnliches mitgemacht in der Uniklinik Düsseldorf. Plötzlicher Verdacht auf Schütteltrauma, Jugendamt wurde eingeschaltet und ein langer Kampf unsere Unschuld zu beweisen begann. Unsere beiden Fälle zeigen so viele Parallelen. Falls Sie Interesse haben, können Sie mich gerne kontaktieren. Ich kann Ihre Verzweiflung und diese Machtlosigkeit so gut nachempfinden. Ich wünsche Ihnen und Ihrer Familie alles alles Gute!
    Viele Grüße Daniela

    1. Guten Morgen Daniela, ich hoffe auch für deine kleine Familie ist es gut ausgegangen?

      1. Hallo, ja wir hatten etwas mehr Glück mit dem Jugendamt und mussten als Maßnahme für drei Monate in ein Mutter Kind Heim, was allerdings auch eine enorme Belastung war, da wir als Familie auseinander gerissen wurden. Damit war es für das Jugendamt „erledigt“.Die Uniklinik hatte die These Schütteltrauma aufgestellt, aber es auch nie richtig beweisen können bzw. Untersuchungen die es entkräftet hätten nicht gemacht etc. Wir hatten auch ganz dubiose Ergebnisse bei der Augenärtzlichen Untersuchung. Erst angeblich retinale Blutungen, fünf Tage später waren sie wieder weg. Haben auch trotz Anwalt etc immer noch Keine vollständige Krankenakte. Haben dann auch irgendwann aufgegeben, da es wahnsinnig viel Geld gekostet hat und die Uni halt doch am längeren Hebel sitzt und uns zum Glück unsere Betreuerin vom Jugendamt geglaubt hat. Aber ja das ist so ein Albtraum und man fühlt sich wie im falschen Film und ist so machtlos. Hätte ich es nicht selbst erlebt, würde ich es nicht glauben. Das schlimme ist, da wirft ein Arzt mal was in den Raum und es zieht eine Lawine und Konsequenzen mit sich,aber es interessiert die Klinik dann nicht mehr was sie angerichtet haben und in unserem Fall hat, glaube ich kein Arzt dann mehr gedacht, dass es wirklich ein Schütteltrauma war, aber keiner wollte dann wieder zurückrudern oder jemand anderen widersprechen. Ich hoffe Ihre Familie erholt sich bald wieder von dieser schlimmen Geschichte. Unser Sohn ist jetzt 2,5 Jahre und kerngesund und auch wenn ich immer noch dran denken muss, habe ich geschafft die Verlustängste hinter mir zu lassen.
        Alles Gute und Liebe Grüße an Ihre Familie!
        Daniela

  2. @Carola Koch, zwar hat das Jugendamt keinen Strafantrag gestellt, doch durch meine Aussage am 03.01.18 bei der Polizei (Ich hatte am 02.01.18 als ich erfuhr mein Kind ist weg ein „geschmückten“ Tannenbaum getreten) dort erwähnte ich das der Verdacht eines Schütteltrauma und daher einer Kindesmisshandlung im Raum steht. Sobald die Polizei kentniss davon hat muss sie von Amts Wegen ein Verfahren einleiten. Nachdem aber der Leitende Komiasar mit der Gerichtsmedizin gesprochen hatte die das 1. Gutachten erstellt hatte, schloss dieser die Akte und übergab sie der Staatsanwaltschaft.
    Die Gutachterin erklärte ihm das sie weder eine Radiologische Begutachtung machen darf auf Grund fehlender Qualifikation noch Ärztliche Unterlagen hatte oder das Kind selbst angesehen hatte und erklärte das sich das Gutachten zu 90% auf die geführten Telefonate stützt und daher als Ungültig und schon mal gar nicht Negativ ausgelegt werden darf. Ohne Gutachten und einer Klinik die ein Geburtstrauma für möglich hält war daher der Vorwurf Strafrechtlich nicht haltbar.

    @Gaby: Gefahrensmeldung war nicht Verdacht sondern der Wortlaut war
    „3 Wochen altes Säugling mit massiver Hirnblutung verursacht durch Misshandlung in Form eines Schütteltrauma, Entlassung noch vor Weinachten. Meldingseingang war der 19.12.17.

    Die auferlegten Auflagen vom OLG sind Teile die wir anboten bereit zu sein als Mildere Maßnahme anzunehmen anstelle einer Fremdunterbringung.

    Zum Thema FamG Anhörung die 1. Am 18.01.18 in der Anhörung wird nicht die Warheit überprüft Sondern sich alles angehört und dann entschieden, leider meist im Sinne des Jugendamtes.

  3. Warum hat das Jugendamt keine Strafanzeige gestellt? Ich denke damit hätten sie keine Kontrolle mehr über das Verfahren gehabt.

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