Ungarn wie ich es sehe

Diese Woche werden es neun Monate die wir in Ungarn leben. Unsere Wahl in ein kleines Dorf mit überwiegend einheimischen Bürgern zu ziehen, erweist sich immer mehr als richtig.

Am Freitag hatten wir Besuch, eine Dame die überlegt ebenfalls ihren Lebensabend in Ungarn zu verbringen. Sie hatte viele Fragen, aber vor allem ist ihr die Ruhe hier aufgefallen. Ruhe ist das was wir gesucht und hier endlich gefunden haben. Auch wenn an sieben Tagen die Woche die Motorsensen angeworfen werden. Neben den Traktoren sind sie das lauteste Geräusch. Ansonsten besteht die Geräuschquelle aus den Blättern die sich im Wind bewegen, dem summen der Insekten und den Gesang der Vögel.

Für mich bedeutet Leben in Ungarn Ruhe, Frieden und Freiheit. Freiheit bedeutet für mich, das ich alles machen kann solange ich niemand anderes störe, belästige oder schädige. Dieses freie Leben darf ich hier führen, Luxus pur.

Dorfklatsch gibt es auch in Ungarn. Aber zumindest soweit wir dies schon mitbekommen, um sich zu informieren und auf den laufenden zu bleiben. Bisher habe ich noch von niemanden diesen böswilligen Klatsch gehört. Die Menschen hier sind offener, geben viel mehr persönliches preis, und zeigen echtes Interesse an Gegenüber. Die Frage wie geht es dir, ist noch nicht zu einer Floskel verkommen, sie wollen wirklich wissen ob man sich wohl fühlt.

 

Geselligkeit und Gemeinschaft prägt das Leben in einem überwiegend ungarischen Dorf. Werte die wir in den letzten Jahren in Deutschland immer mehr vermisst haben. Ich bin sicher je niedriger die Sprachbarriere wird umso mehr werden wir in die Gemeinschaft integriert. Daher üben wir fleißig weiter.

Mit erschrecken haben wir festgestellt, das es auch in Ungarn Orte gibt in denen kaum noch Ungarn leben. Reiche Westeuropäer haben sich dort nieder gelassen, die Häuser ihrem Standard entsprechend angepasst und somit das Straßenbild nachhaltig verändert. Statt sich anzupassen wollen sie das Land und vor allem die Menschen verändern. Sie empfinden die Ungarn als arm, und meinem mit ihrem Geld diesen armen Ungarn helfen zu müssen. Ein ungarischer Facharbeiter verdient im Schnitt 2000ft die Stunde. Verglichen mit Deutschland sicher ein Hungerlohn. Doch der Lebensstandard ist ein völlig anderer. Vieles haben die Ungarn selbst in ihren Gärten. Auch Fleisch kommt sehr häufig aus der eigenen Produktion. 80% der Ungarn besitzen Eigentum und zahlen somit keine hohen Mietkosten. Nebenkosten sind verschwindend gering.

Natürlich gibt es auch Armut in Ungarn, wir haben hier auch schon Bettler und Obdachlose gesehen. Ähnlich wie in Deutschland, haben diese Menschen auch hier ein Alkoholproblem. Eine soziale Hängematte wie in Deutschland gibt es hier nicht. Doch wer zuvor gearbeitet hat bekommt auch Arbeitslosengeld, dieses richtet sich nach Zeit und Verdienst des letzten Jobs. Familien stehen hier im Vordergrund, junge Eltern bekommen vom Staat Unterstützung, unter anderem um sich ein Haus zu bauen. Bekommt eine Frau ihr drittes Kind, erhält sie Unterstützung, in einer Höhe als wenn sie arbeiten gehen würde. Ab 65 Jahren kann jeder das öffentliche Verkehrsnetz kostenfrei nutzen. Das Rentenniveau liegt bei rund 89% und ist damit fast doppelt so hoch als in Deutschland.

Ungarn ist völlig anders als Deutschland. Doch als ärmer würde ich es nicht empfinden. Die Werte sind ganz andere. Das Leben ist entspannter und freier. Und vor allem auch sicherer, planbarer. Während in Deutschland immer mehr junge Menschen nicht mehr planen können, weil sie nicht wissen ob ihr Arbeitsvertrag verlängert wird, gibt es hier planbare Perspektiven.

Milch von glücklichen Kühen bekommen wir hier

Aber auch unsere frischen Lebensmittel direkt von Landwirt vor Ort bedeuten uns sehr viel. Milch von glücklichen Kühen, Eier von glücklichen Hühnern. Alles frei Haus geliefert. Wenn nicht ganz gravierend etwas schlimmes passiert werden wir hier in diesem liebenswerten Land unseren Lebensabend bis zum letzten Atemzug genießen.

3 thoughts on “Ungarn wie ich es sehe”

  1. Liebe Gabrielle!
    Ich heisse Zsolt und ich bin aus Ungarn. Ich möchte gratulieren, das ist eine sehr schön seite und interessant! Wir, Ungarische leute Herzlich Willkommen die nett Deutsche leute in Ungarn und nicht nur weil ist das eine lange und historische freundschaft, aber weil Sie sind gleiche Europeische kultur und gleiche mentalität! Derzeit viele Hollander und Deutsche gekauft häuse bei uns und bleibt endgültig hier. Natürlich Sie lernen Ungarische sprache und viele spricht schon sehr gut. Das wurde interessant und schöne freundschafte, was wir Herzlich Gerne! Wir wolle nicht nur Arabien leute, weil das ist ganz andere mentalität und kultur! Ich wünschen Alles Gut, Viele Glück für alle Deutsche wer kommt zu uns! Schöne Grüss: Zsolt von „Bükk Berg“ nähe von Eger, Ungarn.

  2. Liebe Gabriele.
    Ein sehr interessanter Beitrag. Da bekommt man gleich Sehnsucht.
    Es ist schön, daß ihr euch so wohl fühlt.
    Auch wir haben unsere kleine Insel gefunden.
    Da wir nun schon über 20 jahre in Roses sind, wollen wir uns auch nicht mehr verändern .
    Auch hier wohnen arme und reiche Menschen.
    Aber was sagt uns das?
    Glücklich sein ist immer unser Ziel und das ist uns wichtig.
    Dir weiterhin alles Liebe und Gute.
    Doris

  3. Liebe Gabriele, lieben Dank für deinen mal wieder positiven Bericht ‼ Immer wenn ich deine Zeilen lese packt mich das Fernweh und die Sehnsucht.Das Ungarn ein armes Land ist kann man aus mehreren Perspektiven sehen. Wenn man es nur materiell beschränkt ist es wahr. Aber in meinen Augen 👀 sind sie viel reicher als wir ,denn mit wieviel Geld ist Ruhe,Zufriedenheit,Ehrlichkeit,ein gutes Miteinander und Hilfsbereitschaft zu bezahlen ❓ wünsche euch das ihr in Glück und Frieden dort euren Lebensabend verbringen könnt ♥ lg Birgit

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