Familie früher und heute

Eine für mich der umstrittene Entscheidung des Bundessozialgerichts ließ mich darüber nachdenken welchen Stellenwert Familie heute noch hat. Das Gericht musste entscheiden ob ein Unfall eines Kindes in Obhut der Großmutter ein Fall für die gesetzliche Unfallversicherung ist. Dies wurde verneint mit der Begründung dass die Großmutter dies ja nicht gewerblich gemacht hat. Hätte sie sich im Vorfeld beim Jugendamt als Tagesmutter eintragen lassen wäre die Versicherung in der Pflicht. Damit die Großmutter als Tagesmutter oder Pflegestelle anerkannt wird, muss sie einige Auflagen erfüllen. Sie benötigt ein polizeiliches Führungszeugnis, einen speziellen erste Hilfe Kursus. Ihre Wohnung muss ausreichend groß sein, kindersicher, Platz zum Schlafen bieten. Ausreichend Spielzeug muss vorhanden sein. Nur wenn sie dies alles bieten kann ist sie geeignet auf ihr Enkelkind aufzupassen.

Denke ich an meine Großeltern zurück, dann erinnere ich mich an schöne Ferien, viel gemeinsame Zeit. Ich weiß noch dass ich bei beiden Großeltern anfangs mit im Schlafzimmer geschlafen habe, sie hatten kein eigenes Zimmer für mich. Erst später sind die Eltern meiner Mutter umgezogen und dort gab es dann auch ein Zimmer für mich. Meine Kleidung, Spielzeug habe ich immer mitgebracht, aber nur selten benötigt. Oma und Opa haben mir soviel geboten, mir soviel Zeit geschenkt, das ich gar keinen Gedanken an Spielzeug verschwendet habe. Die meiste Zeit war ich sowieso draußen bei den anderen Kindern.

Meine Kinder hatten dieses Glück leider schon nicht mehr, als sie klein waren gingen die Großeltern noch arbeiten, später wollten die Großeltern die Verantwortung nicht tragen und hatten lieber ihr Ruhe.

Und heute? Mütter die sich um ihre Kinder kümmern möchten, haben meist ein schlechtes Gewissen. Denn durch das kümmern verweigern sie ihren Kindern ja die Frühförderung. Dabei ist doch für die Entwicklung der Kleinen unheimlich wichtig sie schon früh Fremd betreuen zu lassen. Immerhin kümmern sich dann ausgebildete Menschen und nicht unwissende Eltern und Großeltern. Bindung an die Familie, das lernen durch die verschiedenen Generationen wird heute leider negiert.

Ich weiß noch wie gerne ich auf dem Schoss, später auf dem Sofa, meiner Großeltern saß und ihren Geschichten von früher gelauscht habe. Das ich dabei auch viel gelernt habe, ist mir erst viel später bewusst geworden. Damals fand ich das einfach nur spannend.

In einer Zeit die immer hektischer und Konsum orientierter wird, in der man nach Leistung bewertet wird, bliebt Familie völlig auf der Strecke. Kinder kriegen, und möglichst mehr als eins, dann wieder produktiv sein und die Kinder in staatliche Aufsicht geben. Das ist das Familienbild welches als Ideal und systemkonform propagiert wird. Eltern die davon abweichen, deren Werte und Ziele andere sind, geraten sofort in den Fokus der Behörden. Immerhin kann es ja nicht sein, das diese Eltern in der Lage sind ausreichend für das Kindeswohl zu sorgen.

Für mich auch immer wieder ein Reizwort, Schulpflicht! Im Gesetz steht Kinder haben ein Recht auf Bildung. Durch die Schulpflicht wird vorgegaukelt Kinder könnten nur in Schulen lernen. Viel zu große Klassen, überforderte und lustlose Lehrer, machen vielen Kindern sehr zu schaffen. Auch sind Kinder unterschiedlich, manche lernen schneller als andere, doch darauf kann Schule keine Rücksicht nehmen. Der Stoff wird gnadenlos durch gezogen, wer nicht mit kommt hat Pech gehabt. Hier zeigen andere Länder das es auch ohne Schule geht. Die Kinder müssen sich regelmäßig einer Prüfung unterziehen um ihren Wissensstand zu ermitteln. Ein Großteil dieser Freilerner ist beschulten Kindern voraus. In Deutschland ist es eine Straftat, die sogar mit inobhutnahme der Kinder, und Bußgeldern bestraft wird. Auch gibt es mittlerweile Onlineschulen, denn natürlich sind nicht alle Eltern in der Lage ihren Kindern alles beizubringen was sie wissen müssen. Wobei die Frage erlaubt sein muss, ob die Kinder wirklich alles was ihnen in den Kindergärten und Schulen vermittelt wird, auch wirklich wissen oder können müssen.

Aber ich schweife gerade ziemlich ab, es geht doch hier um Familie und nicht um Bildung.

Auch heute geht es noch anders. Es gibt sie noch, Familien in denen sich mehrere Generation gemeinsam um Haus und Kinder kümmern. Kinder die noch Freizeit und Freiheit haben. Länder in denen Familie noch so viel wert ist, das Mütter sogar ein Gehalt bekommen wenn sie mehr als zwei oder drei Kinder gebären. Nur im westeuropäischen Raum wird man diese Länder kaum noch finden. Selbst in den südeuropäischen Ländern wandelt sich das Leben weg von der Familie hin zu Leistungsdruck und Kleinfamilie. Auch wenn es dort noch nicht so extrem ist wie z.b in Deutschland. Ich hoffe dass sich das Bild von Familie wieder wandelt, sie wieder einen anderen Stellenwert bekommt. Dies wäre ein Gewinn für junge wie auch alte Familienmitglieder. Alle könnten voneinander lernen und profitieren.

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