Eine Busfahrt die ist….

Wenn Frau eine Reise tut, kann sie was erzählen.

Genau das möchte ich jetzt machen. Euch erzählen wie es mir heute ergangen ist.

Momentan sind wir ja ohne Auto, warten auf einen Termin in der Werkstatt. Aber auch hier ist Urlaubszeit und so braucht es ein wenig Geduld. Die wir ja auch haben, wir müssen nicht unbedingt in der Gegend rum Gondeln und sind auch gerne Zuhause. Wenn es brennt kann ich auch jemanden anrufen der mich von A nach B bringt. Aber man möchte auch nicht immer jemanden belästigen.

So langsam ging uns der Kaffee und ein paar andere Kleinigkeiten aus. Die Kleinigkeiten hätte ich auch hier im Laden bekommen, den Kaffee aber nicht. Sie führen keine ganzen Bohnen, schade.

Ich habe mich dann entschieden doch mal den Nahverkehr zu testen. Zeitig wollte ich los, aber sechs Uhr war mir dann doch zu zeitig. Ich muss ja erstmal mal wach werden und mein Koffeinlevel auffüllen. Gut der nächste Bus fuhr um halb acht, und sollte innerhalb von 50 Minuten in der Stadt sein.

Der Bus kam pünktlich und war noch angenehm leer. Doch dies sollte sich schnell ändern, schon zwei Dörfer weiter waren fast alle Sitzplätze belegt und die Menschen aus dem letzten Dorf mussten dann mit den Stehplätzen vorlieb nehmen.

Wenn man deutsche Verhältnisse gewohnt ist, dann ist es hier billig mit den öffentlichen Verkehrsmitteln zu fahren. Meine Endhaltestelle ist ca. 25km entfernt, gezahlt habe ich keine zwei ?. Doch für viele Ungarn ist es verdammt viel ?, vor allem wenn sie regelmäßig fahren müssen. Umsonst fahren Kinder und Menschen über 65. Ob es hier Sparabonnements für Berufstätige, die täglich fahren müssen, gibt entzieht sich meiner Kenntnis.

Natürlich bin ich an der falschen Haltestelle ausgestiegen. Eine früher wäre passend gewesen. Gut dass weiß ich dann beim nächsten Mal. Aber da ich ja flexibel bin, bin ich einfach in ein anderes Geschäft gegangen, welches näher an der Bushaltestelle lag. Als ich ausgestiegen bin habe ich direkt geschaut wann ich zurück kann, zweieinhalb Stunden Zeit, das ist reichlich wenn man nur in ein Geschäft möchte.

Trotzdem habe ich den Bus nur mit Mühe erreicht. Denn die Haltestelle war nicht gegenüber vom Ausstieg, sondern in einer anderen Straße, obwohl sie den gleichen Namen tragen. Aber ich habe es geschafft und auch einen Sitzplatz bekommen.

Ich besitze ja so einen Einkaufsrolli, den man hinter sich herzieht. Und hatte bedenken dass ich diesen auch in den Bus gehoben bekomme. Denn natürlich ist es nicht bei ein paar Kleinigkeiten geblieben. Doch ich hatte die Rechnung ohne die Ungarn gemacht. Ein älterer Herr sprach mich an, vermutlich hat er gefragt ob er mir helfen darf, und nahm mir den vollen Wagen aus der ✋. Ich hatte nicht eine Sekunde Angst dass er mit dem Wagen abhaut, obwohl ich ihn nicht verstanden habe. Zum Glück konnte ich mich anständig auf ungarisch bedanken.

Beim aussteigen war es dann eine Frau die mir ihre Hilfe anbot. Soviel Hilfsbereitschaft bin ich gar nicht mehr gewohnt. Als meine Kinder klein waren hatte ich oft schon Probleme jemanden zu finden der mir mit dem Kinderwagen hilft. Hier ist es selbstverständlich. Egal ob alt oder jung, wenn Hilfe benötigt wird ist jemand zur Stelle. Ich genieße das sehr. Ein völlig neues Gefühl, dieses füreinander da sein. Auch die Angebote aus dem Bekanntenkreis, wenn ihr wohin müsst sagt bescheid, kommen aus ganzem Herzen und sind ehrlich gemeint. Nach nur einem Jahr haben wir hier ein besseres und größeres Soziales Netz als jemals zuvor.Ich danke allen die für uns da sind. Allen die noch Mensch sind. Mit denen man lachen, reden und vermutlich auch weinen kann. Es ist schön euch zu kennen.

Die ungarische Sprache

Hier scheiden sich die Geister. Während die einen sagen, will ich nicht, ich komme mit Deutsch überall zurecht. Ich lebe schon xx Jahre hier, und hatte noch nie Probleme.Wie viele andere auch, stehe ich auf dem Standpunkt wenn ich in einem anderen Land leben möchte, sollte ich auch die Sprache und die Kultur lernen. Sollte irgendwann in der Lage sein einfache Gespräche, in der Sprache meiner Gastgeber, führen zu können.

Ja ungarisch ist eine schwere Sprache. Jetzt nach einem Jahr verknoten wir nicht mehr ganz so oft unsere Zungen, und die Wörter gehen etwas leichter von den Lippen. Die Grammatik ist grausam, hätte nie gedacht das ich mich mal so schwer tun würde.

Viele Alte und einige jüngere sprechen mehr oder weniger gut Deutsch. In unserem Jahrgängen sind es eher weniger. Nach dem Krieg war es zumindest verpönt, wenn ich es richtig verstanden habe sogar verboten, in der Öffentlichkeit deutsch zu sprechen. Viele Deutsche mussten damals das Land verlassen, andere gingen freiwillig weil sie sich diskriminiert fühlten. Erst Ende der siebziger entspannte sich die Lage wieder und Mitte der 80er wurde an den ersten Schulen wieder Deutsch als Fremdsprache angeboten.

Trotzdem ist es richtig, man kommt mit Deutsch oder Englisch ganz gut zurecht.

Aber hat es nicht auch etwas mit Respekt zu tun, wenn man sich trotzdem bemüht zu lernen? Wenn man neben der Sprache auch neugierig auf das Leben der Ungarn ist? Zumal es sich in vielen Bereichen vom Leben in Deutschland unterscheidet.

Das beginnt schon mit dem Tagesablauf. Die Tage beginnen sehr früh. Ich habe schon um halb sechs morgens den ersten Rasenmäher gehört. Von Mittag bis späten Nachmittag (je nach Jahreszeit und Wetter), scheint das Leben still zu stehen. Dafür sind die Abende dann wieder länger. Samstag, Sonntag ist egal es scheint die sieben Tage Woche zu geben. Am Sonntag einkaufen, oder mal schnell in den Baumarkt, klar kein Problem. Nur Ämter, Ärzte, Banken kann ich Sonntags nicht aufsuchen.

Aber ich wollte ja heute eher über die Sprache schreiben. Was es noch mal besonders schwer macht das viele Worte mehrere Bedeutungen haben, und das kann unter Umständen ganz schön peinlich werden. Gleiches gilt auch für die falsche Betonung, anders betont kann auch etwas ganz anderes bedeuten. Vielleicht könnte man schon viel mehr sprechen, wenn man nicht so viel Angst hätte, durch falsche Betonung oder Wortwahl, das gegenüber vielleicht zu beleidigen oder sonst was dummes zu sagen.

Hinzu kommt dass die Magyaren zu höflich sind Fehler zu verbessern . Nur wenn man konsequent nachfragt, verbessern sie den Satz oder die Aussprache.

Doch ich habe trotz aller Schwierigkeiten für mich den Anspruch in Zukunft einfache Gespräche führen zu können.

Ich würde mir wünschen, das dies alle Dauergäste auch so sehen.