Zwei Jahre Ungarn

Guten Morgen, die Zeit rennt, das erste halbe Jahr ist schon fast wieder vorbei. Ich weiß nicht ob es nur mir so geht oder habt ihr auch das Gefühl dass es immer schneller geht?

Noch zwei Monate dann sind wir zwei Jahre hier. Wahnsinn, ich weiß noch wie ich das erste Mal zu Achim sagte, wir ziehen nach Ungarn. Das war im April 2017, im Juli haben wir uns umgesehen und im August waren wir hier. Viele hielten und für verrückt, das sei überstürzt, nicht überlegt, und überhaupt Ungarn. Das Land welches in den westlichen Medien immer als die Brutstätte rechter Gedanken verteufelt wird.

Wir sind hier in ein Land gezogen indem Menschen noch stolz auf ihre Herkunft sind. Die stolz sagen ich bin Ungar und liebe mein Land. Zum Glück haben sie eine Regierungen der es wichtig ist dass ihre Bürger ihr Zuhause lieben und schützen.

Ich weiß gar nicht mehr wann ich in Deutschland Kleider und Röcke getragen habe, hier kann ich es kaum erwarten dass die Temperaturen mir diese Kleidungsstücke erlauben. Ich habe hier nie das Gefühl dass ich anzüglich betrachtet werde oder Männer diese Kleidung als Einladung verstehen würden.

Ich habe hier einen Garten, in Deutschland würde man sagen er ist ungepflegt. Es gibt einen breiten Streifen wo alles wachsen darf was wachsen möchte. Außerhalb der Blüte sieht es tatsächlich wild aus, aber die Insekten und Schmetterlinge und Vögel lieben diesen Bereich. Es gibt hier keinen Rasen sondern Wiese. Und bisher war die Wiese noch nie braun, obwohl ich sie nicht jeden Tag mit einem Rasensprenger beglücke. 

  • In diesem Jahr haben wir vieles angepflanzt, so das wir sicherlich im kommenden Jahr noch viel mehr Blüten im Garten haben werden.
  1. Was lieben wir, was gefällt uns nicht?

Was uns nicht gefällt ist mit wenigen Sätzen gesagt. Am wenigsten gefallen uns die Zuwanderer aus Westeuropa, für hierher kommen und meinen sie müssten Land und Leute verändern, verbessern. Die sich ständig in die Belange der Ungarn einmischen und sagen dass war daheim aber alles viel besser. Immer noch ein kleines Problem ist es für uns das Termine nur Anhaltspunkte sind, und man sich darauf nicht verlassen kann. Da spielt die jahrelange Erziehung zur Pünktlichkeit und immer noch massiv rein. Aber je länger wir hier sind umso gelassener können wir damit umgehen.

Viele sagen die Ungarn seien faul, das sieht man ja an deren Grundstücken. Stimmt, sie machen sich nicht zum Sklaven ihres Besitzes. Für sie steht die Zweckmäßigkeit im Vordergrund und nicht die Optik. Der Tag beginnt für viele sehr früh, sie versorgen ihre Tiere und Pflanzen und gehen dann ihrer Arbeit nach. Wer kann macht in den Sommermonaten eine lange Siesta, es ist einfach zu heiß um in dieser Zeit körperlich zu arbeiten. Dafür arbeiten sie dann am Abend länger. Wochenende, Feiertage sind keine Tage zum ausruhen, es gibt immer etwas zu tun. Egal ob daheim, im Straßenbau oder sonstwo, man sieht sie überall arbeiten. Es war für uns ungewohnt wenn am Sonntag irgendwo der Freischneider in Betrieb genommen wurde, mittlerweile genießen wir auch das. Sich keine Gedanken mehr machen zu müssen, ob ich heute Arbeiten erledigen kann die vielleicht Lärm machen, das nenne ich Luxus. Abends auch nach 22 Uhr noch im Garten sitzen, mit Freunden erzählen und lachen, keinen Ungarn stört es. Hunde die bellen, Hähne die krähen gehören hier dazu und kein Ungar käme auf die Idee sich darüber zu beschweren oder gar die Polizei zu rufen.

Diese Gelassenheit, dieses Leben und leben lassen, macht dieses Land aus. Das ist es was wir so unendlich wert schätzen. Warum wir uns hier so wohl fühlen.

Und nein wir verschließen nicht die Augen, sehen sehr wohl dass auch hier einiges nicht rund läuft, das es noch viel zu tun gibt damit es allen Bürgern hier gut geht. Doch ich bin nur Gast und habe nicht das Recht mich in diese Belange meiner Gastgeber einzumischen. Als Gast habe ich ja jederzeit die Möglichkeit zu gehen wenn es mir nicht gefällt.

Wir sind unseren Gastgebern jedenfalls sehr dankbar das wir hier sein dürfen, das sie uns in ihrer Heimat willkommen geheißen haben. Und je mehr Zeit vergeht, umso mehr wird dieses Land unsere Heimat, umso verbundener fühlen wir uns den Menschen hier. Danke.

22 thoughts on “Zwei Jahre Ungarn”

  1. Hallo Gabriele. Verfolge schon lange deinen Blog. Waren heuer für Tage das erste mal in Ungarn (in Vörs) in Urlaub. Eingemietet bei einer netten älteren Dame (Wiesbadnerin). Was soll ich sagen: Ungarn ist eine eigene Welt. Haben noch nie einen stressfreieren Urlaub als diesen verbracht obwohl wir uns einiges angesehen haben. Ab 29. August haben wir weitere 8 Tage ei der besagten Dame gebucht. Wir werden uns auch ein nettes Häuschen am Ortsrand von Igal (am Rande eines Weiberges) ansehen (toller Ausblick).Bin schon ganz kribbelig. Fragen: Wieviele Einwohner
    hat Igal? Gibt es Nahversorger (Coop), Gasthaus etc.?? Wie lebt es sich in Igal?? Danke im voraus für Antwort.

    1. Igal ist schon schön, und ganz in unserer Nähe. Es gibt alles was man zum täglichen Leben benötigt, vom Laden, zum Friseur, Restaurants, Autowerkstatt, Thermalbad. Die Einwohner weiß ich allerdings nicht, nur das dort zumindest im Sommer auch sehr viele Deutsche sind. Wann seid ihr denn in igal?

  2. Liebe Gabriele und alle Mitleser, wir sind seit Anfang des Jahres auch hier in Ungarn, aber leider noch nicht für immer, wir müssen noch 6 Jahre arbeiten. Aber jede freie Zeit nutzen wir, um unser Häuschen auf Vordermann zu bringen.
    Du schreibst uns aus der Seele, uns geht es ganz genau so. Wir müssen nur noch Lernen, die Entspanntheit und Lebensart anzunehmen, da wir noch im beruflichen Stress stecken.
    Wir sind hier sehr glücklich und genießen die Herzlichkeit. Alle Nachbarn sind freundlich und grüßen schon von weitem.
    Sobald wir Rentner sind, kommt sicher auch noch ein Hund dazu. Wir wünschen dir weiterhin alles Gute und freuen uns auf neue Berichte von dir.

    Marion

  3. Eine tolle veröffentlichung. auch wir sind jetztnach 10 Jjahren Ungarn Urlaub in unser Domizil eingezogen und leben nun 8 Monate hier.

    Wenn Ihr mal eine Veranstaltung habt würden wir gerne euch Kennen lernen.
    Grüsse Richard

  4. Wunderbar geschrieben Gabriele – genau so ist es auch!
    Alles Liebe und Gute weiterhin, viel Freude und einen tollen ungarischen Sommer mit vielen gemütlichen Siestas!

    1. Danke liebe Angela, auch Dir einen schönen Sommer, und wer weiß vielleicht begegnet man sich ja mal bei der ein oder anderen Veranstaltung.

      1. …….ja, wer weiß — und schön wäre es!
        Alles Liebe Dir

        p.s……und meine Haare habe ich auch schon mit Roggen-Mehl gewaschen und war genauso begeistert wie Du — lach……

  5. Die Beschreibung trifft das Leben in Ungarn haarscharf!
    Ich schreibe auch einige und das untere ist unter Lebensereignisse abgespeichert.

    Kleine Geschichte aus meinem Leben hier am Balaton:
    Ende Februar 2018 bin ich zum Aldi(Keszthely) gelaufen. Als ich den grossen Parkplatz überquerte fiel mir ein Paar auf, wo ich gleich dachte; „Uhii, das sind keine Ungaren“! Die, er weit mit Stechschritt voran, liefen vor mir in den Aldi rein. Im Aldi sah ich dann nur vernünftige Menschen, genehme und sympathische Gesichter/Gestalten. Alle! – Ausser eben die 2.
    Dieses Paar lief schnell kreuz und quer im Laden rum und verkam mir dann so 2 Mal. Das 2te Mal hörte ich ihn in breitem Berndeutsch etwas gestresst zur Frau sagen. Aber wie gesagt, sonst nur normale nette Leute im Laden! Lol.
    Ich empfand nicht mal den Drang, diesen Schweizer oder dieses Berner Paar anzusprechen, denn sie verbreiteten mit ihrer Art schon Stress, den ich nicht an mich ran lassen wollte. (Dabei ist Berner und Stress schon ein Widerspruch!)
    Ich bin eigentlich gesprächig UND SELBER Schweizer, aber das, nein danke!
    Ich hatte ja bis 2000 einen T-Shirt Laden in St.Gallen. Dort kam mal ein Ami mit schweizer Frau herein. Wir plauderten angenehm und der Ami flog scheinbar mehrmals USA/Schweiz. Lebte also in diesen beiden Welten. Lustig war, dass auch die Schweizer Art zum Thema wurde und er und seine Frau sagten, dass wenn er von Amerika in die Schweiz kommt, mindestens den ersten Monat nicht die Wohnung verlässt, um seinen USA „Lebensgroove“ aufrecht zu erhalten. Der wollte sich vom CH Stress nicht anstecken lassen!
    Und genau so, erging es mir mit diesem Schweizer Paar!
    Irre wa?!
    – Scheinbar akklimatisiere ich mich schon! Lol.

    1. Ja, Erwin, genau so ist es.
      Und es ist manchmal lustig, wenn man dann mit einem Schmunzeln im Gesicht durch den Laden geht und es hat nichts mit dem wunderbaren Gemüse-Angebot zu tun!
      Ich kann auch sowas von den Mund halten, wenn ich schon auf Entfernung frühere Landsleute erkenne bzw. höre! Besonders höre und die Meinungen und Kommentare mitbekomme. Dann heisst es „nichts wie weg“! Alles Liebe Dir und eine gute Zeit

  6. Danke für den Bericht…so ähnlich empfinde ich es nach einem Jahr Ungarn auch….nie wieder weg von hier…
    Wir haben wahrhaftig keinerlei Grund, die Ungarn zu belehren. Aber man kommt ins Gespräch auch zu heiklen Themen und kann da einiges korrigieren, was z.B. RTL hier an Falschmeldungen abliefert. Das find ich in Ordnung, denn es geht ja nicht um ungarische Probleme dabei.

    1. Hallo Hildegard, ja dies stimmt natürlich. Auch wir führen solche Gespräche. Das gehört ja irgendwie dazu.

      Aber wenn ich manche höre oder lese dann geht mir echt der Hut hoch. Oft denke ich das sind die die daheim nichts erreicht haben und hier jetzt einen auf dicke Hose machen.

  7. Du träumst nicht dein Leben sondern du lebst deinen Traum. Ich finde es herrlich, dass ihr euch immer wohler fühlt und euer Leben richtig genießen könnt. Ihr habt es gewagt und euch nicht von anderen irritieren lassen. Es gab so manchen Neider, der es schlecht geredet hat. Zumindest kam es mir so vor. Ich wünsche euch weiterhin alles Liebe und Gute, Gesundheit und viele schöne Momente wo laut gelacht werden darf…

    1. Ja da gab es einige, die es uns ausreden wollten. Aber wir haben es ja trotzdem durchgezogen und noch nicht eine Minute bereut

  8. Was, schon 2 Jahre! Kommt mir vor, als wäre es gestern gewesen, kann mich noch gut erinnern aneuren Umzug mit Hindernissen…

    1. Ich kann es auch kaum glauben, irgendwie fühlt es sich an als wären es erst wenige Wochen, aber auch so als wäre es nie anders gewesen.

  9. Schön hast Du das geschrieben! Man bekommt gut eine Vorstellung wie es so ist in ein „unbekanntes“ Land zu ziehen. Ich wünsche Euch weiterhin eine schöne und glückliche Zeit 😊 👍🍀💐🐰🌄🎉🎈

    1. Danke liebe Leni, wir haben es noch keine Minute bereut. Noch immer lernen wir , neben der Sprache, neues hinzu. Es ist und bleibt spannend und aufregend.

  10. Du hast genau den Punkt getroffen genau deshalb lieben wir auch dieses Land wenn es auch 1000 km anfahrt ist wir kommen gerne nach Ungarn und sind jedes mal stolz wenn wir die Grenze überfahren haben und ich hoffe es bleibt Moch lange so schön in Ungarn. Bitte schreib weiter so schöne Geschichten über „unser“ geliebtes Ungarn. Kösönöm!!

    1. Das mache ich doch gerne Harald, und den gleichen Wunsch hege ich auch, das es noch ganz lange so ruhig und entspannt bleibt in unserer Wahlheimat.

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