Eigentlich wollten wir keinen Hund

Für uns stand immer fest, die Kinder sind selbstständig und wir lieben unsere Freiheit, ein Haustier und ganz besonders ein Hund würde diese Freiheit einschränken. Dann schaffte sich mein Sohn einen Hund an, einen kleinen Zwergpinscher. Und begann relativ schnell uns zu bearbeiten. Wie schön es doch sei so eine kleine Fellnase aufzunehmen. Wir blieben eine Weile standhaft. Bis wir eine Anzeige im Internet sahen. Zwergpinschermix gegen Schutzgebühr in gute Hände abzugeben. Wir fuhren zu der angegebenen Adresse. Und seit diesem Tag bin ich mehr als skeptisch wenn ich das Wort Tierschutz höre.

Wir kamen an ein Haus, ziemlich abgelegen, mit Garten oder was ein Garten hätte sein können. Viel Rasen gab es dort nicht. Drei Hunde befanden sich dort, zwei große, ich vermute das es Wolfshunde waren, einer der beiden übersäht mit großen Geschwüren, daneben unsere Lucy. Die Dame erzählte uns das sie für den Tierschutz arbeite. Auf meine Frage nach dem kranken Tier, sagte sie er lebt noch gerne, solange er noch frisst und trinkt lasse ich ihn nicht einschläfern. 

Lucy wirkte neben den beiden Riesen klein und schmächtig, wenn sie auch größer war als der Hund meines Sohnes. Wir bekamen dann erzählt sie hätte Lucy aus einer Familie mit Kindern gerettet weil diese sie gequält hätten. Unter anderem seien sie ihr ständig mit ihren Spielgeräten über die Füße gefahren. Lucy ließ sich direkt von mir streicheln und buhlte um Aufmerksamkeit. Auch mit dem Hund meines Sohnes hatte sie kein Problem. Nach wenigen Minuten durften wir Lucy mitnehmen. Diese Tierschützerin notierte sich nicht mal unseren Namen, und es gab auch nichts was Lucy gehörte und mitgegeben wurde. Nicht mal eine Leine, kein Futter, kein Napf. Kein Hinweis darauf das sie blutete und somit läufig wurde. Da wir sie an einem Sonntag mitnahmen, konnten wir ihr auch nichts kaufen. Mein Sohn konnte glücklicherweise mit Futter und Leine aushelfen. Die Schutzgebühr für das Tier lächerliche 50€.

Lucky, der Hund meines Sohnes

Schon wenige Stunden später kam es zu einem ersten Vorfall, mein Mann durfte sie nicht anfassen. Sie knurrte und schnappte, biss aber nicht zu. Zu mir hingegen kam sie sofort schmusen und kuscheln. Es dauerte fast drei Monate bis sie begriff das auch Achim ihr nichts böses will. Na gut, Leberwurstbrote haben dabei sicherlich enorm geholfen. 🙂 Jetzt schmuste sie mit uns beiden abwechselnd, und entdeckte das man gemeinsam auch wunderbar spielen kann. Besonders die Spiele mit dem Ball liebte sie und liebt sie noch immer. Fremden gegenüber ist sie nach wie vor skeptisch, anfassen bitte erst wenn ich dich dazu auffordere scheint ihr Lebensmotto zu sein. Mittlerweile geht dies aber doch schon relativ schnell.

Jetzt stand ja der Besuch unserer Familie an, sie sollte das erste Mal auf unsere Enkelin treffen. Ein wenig bange war uns schon, wie würde sie auf die Kleine reagieren? Doch erneut überraschte sie uns, sie liebte die Kleine von der ersten Minute an. Sie ließ sie nicht aus den Augen. Alles was Feli gehörte war, auch ohne Kommando, tabu. Für einen Hund der angeblich von Kindern gequält  wurde eine absolut untypische Verhaltensweise. Gestern weinte im TV ein Baby und Lucy lief durch die Wohnung um Feli zu suchen und zu trösten. Ich denke wenn Feli ein wenig größer ist werden die beiden ein tolles Team.

Durch die Geschichte unseres Hundes bin ich immer sehr skeptisch wenn ich lese was Tierschützer so alles berichten. Von den Rettungen die sie durchführen, von dem Kampagnen die sie betreiben um Menschen die beim Züchter kaufen ein schlechtes Gewissen zu machen usw. Wenn ich lese das Hunde die nicht mal ausgewachsen sind, kastriert vermittelt werden sträuben sich mir die Haare. Hunde dürfen nicht zusammen spielen toben, in Hundeschulen lernt man sie voneinander fern zu halten. Manchmal habe ich den Eindruck man will ihnen alle tierischen Eigenschaften aberziehen. Häufig dürfen noch nicht mal Welpen zueinander. 🙁 Wie sollen sie lernen sich mit anderen Hunden zu verstehen und ihren Platz im Rudel zu finden?

Es war eine harte Arbeit dieses Jahr, aber mittlerweile kann ich mit Lucy durch das Dorf gehen, ohne das sie die anderen Hunde verbellt, an jedem Garten stehen bleibt und die Zähne fletscht. Aufdringliche freilaufende Hunde werden verwarnt und wenn nötig zur Ordnung gerufen. Einzig andere Hunde an der Leine sind ein Problem. Ob wir das auch noch hinbekommen, weiß ich nicht, wir werden aber weiter üben.

Selbst bei der Siesta geht es nicht ohne Ball

Ein Leben ohne unsere Lucy können wir uns nicht mehr vorstellen, trotz aller Schwierigkeiten zu Beginn, trotz ihrer Macken ist sie ein fester Teil unserer Familie geworden. Ob ich allerdings noch mal einen Hund im Tierschutz holen würde, weiß ich nicht. Wenn dann würde ich mich ganz genau über die vermittelnde Stelle informieren, mir alles ansehen.

Reales soziales Netzwerk

Guten Morgen, eben brachte mich ein Gespräch auf das heutige Thema. Es ging um den Gedanken – Übersiedeln nach Ungarn, ja oder nein? Um die Akzeptanz dieser Entscheidung innerhalb von Familie und Freundeskreis.

Ich finde es immer wieder spannend wie sehr sich Geschichten ähneln. Ähnlich wie auch wir erntet meine Gesprächspartnerin sehr viel Unverständnis für diese Pläne. Schmunzeln musste ich über ein Argument welches ihr die Idee ausreden soll. „Wenn dein Mann mal stirbt, sitzt du ganz alleine dort.“

Ich kenne das Umfeld dieser Frau nicht, kann also nur von mir ausgehen. Und ich wäre in Deutschland in einer solchen Situation mit Sicherheit sehr einsam geworden. Klar ich habe Kinder, aber die haben ja auch ihr eigenes Leben, Freunde und Verpflichtungen. Da kann ich nicht erwarten das sie ihre Mutter belustigen. Ja und sonst? Leere, da ist niemand. Einige Bekannte mit denen man hin und wieder schreibt.

Hier ist dies völlig anders. Niemand ist allein. Auch wir haben mittlerweile ein beständig wachsendes reales soziales Netzwerk. Wenn es brennt ist immer jemand da. Man kann man was zusammen unternehmen, Spaß haben, gemeinsam lernen, sich gegenseitig unterstützen. In diesem Netzwerk sind nicht nur Paare sondern auch einzelne Personen. Menschen die alleine nach Ungarn gezogen sind. Und hier mittlerweile angekommen und gut angebunden sind. Wie viel leichter ist es dann zu zweit oder sogar als Familie zu starten? Auch im Hinblick auf die Zukunft, das einer von beiden allein zurück bleibt?

Aber auch da wirkt die mediale Gehirnwäsche. Ungarn ist nun mal die Brutstätte der Rechten. Ein Land welches somit tabu ist für jeden Systemtreuen Gefolgsmann. So oder ähnlich bekamen wir jedenfalls zu hören als wir vor etwas mehr als einem Jahr unsere Pläne öffentlich machten. Da würde ich noch nicht mal Urlaub machen, war eine weitere Aussage.

Doch wie rechts ist Ungarn wirklich? Ich bin doch auch kein Ungar, bin Ausländer in diesem Land. Von Diskriminierung keine Spur. Die Ungarn sind freundlich und höflich, hilfsbereit. Die meisten Restaurants führen mehrsprachige Speisekarten. Die Ungarn sind ein stolzes Volk, welches auf eine bewegte Geschichte zurück blicken kann. Welches sich Traditionen bewahrt hat und diese auch immer noch lebt. Wer kann ihnen verdenken das sie selbstbestimmt leben möchten, selbst bestimmen möchten wen sie als Gast in ihr Land lassen? Wer kann es ihnen verübeln das sie sich an geltende Gesetze halten, die nun mal besagen das niemand ein Anrecht auf Asyl hat der über einen sicheren Drittstaat einreist? Ungarn liegt mitten auf dem Kontinent, und egal wer einreisen möchte kommt durch sichere Staaten. Und kann somit legal abgewiesen werden.

Ist man heute wirklich schon rechts wenn man sich an geltendes Recht hält? Wenn einen die Sicherheit der eigenen Bevölkerung am wichtigsten ist? Wenn man stolz auf seine Geschichte ist? Wann hat es begonnen, das Europa sich so verwandelt hat? Das in den meisten europäischen Ländern die Regierungen ihr eigenes Volk vergessen haben? Ein vereintes Europa das klingt zwar gut, aber es ist nicht praktikabel. Zu unterschiedlich sind die Menschen und ihr Leben in den einzelnen Mitgliedsstaaten. Während in Deutschland schon immer nur die Leistung zählte, der Mensch nur so viel wert war wie er zu leisten im Stande war, lebten die Menschen in vielen anderen Ländern noch. Sie verstanden noch das man arbeitete um zu leben und nicht lebte um zu arbeiten. Diese Leichtigkeit ist mittlerweile in den meisten Ländern verschwunden. Fast in ganz Europa zählt nur noch das Wirtschaftswachstum, wer nicht mitzieht wird diffamiert und mit Sanktionen belegt.

Noch ist dieser Druck in Ungarn nicht so ganz angekommen, doch auch hier spürt man das Leistung wichtiger wird. In den Nachrichten hört man auch hier immer öfter Zahlen die von einem steigenden Wirtschaftswachstum und sinkenden Arbeitslosigkeiten sprechen. Aber noch verstehen es die Menschen hier, zu leben, zu feiern und freie Zeiten zu genießen. Noch bleibt niemand allein, nur weil er alt und krank ist. Ich hoffe das sich die Ungarn dieses Lebensgefühl noch lange bewahren können. Und sie sich nicht dem Diktat aus Brüssel beugen.

Nein, ich habe keine Angst hier, weder aktuell noch vor der Eventualität das ich allein ohne Partner zurück bleibe. Denn auch dann wäre ich nicht allein. Irgendjemand wäre immer für mich da. Das reale soziale Netzwerk funktioniert hier noch. Die Menschen reden noch miteinander und tippen nicht nur. Sie leben miteinander und nicht gegeneinander.

Auch nach einem Jahr, um viele Erfahrungen reicher kann ich immer noch aus vollen Herzen sagen, ich liebe dieses Land und die stolzen Magyaren !

Szeretem ez az ország, és a büszkeek Magyaren !!