Einfach mal abschalten

Gerade jetzt in den Sommermonaten sind viele Menschen hier sehr eingespannt, Garten und Felder erfordern Aufmerksamkeit und Einsatz. Die Lokale sind gut besucht, und auch in den Geschäften spürt man das die Saison begonnen hat.

Und dann passiert etwas, was mich jedes Mal aufs neue fasziniert. Irgendwo ist ein Fest, eine Veranstaltung und schon ist man mitten drin. Mitten unter Menschen die noch nicht verlernt haben zu feiern, genießen und lachen. Egal wie schwer sie gearbeitet haben, sie können es noch. Sich fallen lassen, entspannen, singen,tanzen und fröhlich sein.

So auch am Samstag bei der kubanischen Nacht in Igal. Schwimmen bis in die Nacht, kubanische Klänge und Tänze. Der Pool vor der Bühne gut besucht. Und die Menschen machen begeistert mit. Sie sangen und tanzten im Pool, waren fröhlich. Und wir mitten drin. Entspannung pur.

Auch nachdem die Show zu Ende war, keine Hektik, kein Massenaufbruch. Einige gingen andere blieben im Pool und lauschten der Musik die jetzt vom Player kam. Wir gehörten zu denen die aufgebrochen sind, die Musik war dann eher etwas für die Jugend.

Einfach mal abschalten und erholen, in Deutschland hatte ich oft das Gefühl dass haben wir verlernt. Manchmal hatte es den Anschein, als warte man nur auf das Ende der Show um dann möglichst unverzüglich wieder in den Alltag einzusteigen. Viele Menschen wirkten auf mich so als wenn sie ein schlechtes Gewissen haben wenn sie einfach Spaß haben. Als wenn Spaß etwas schlechtes wäre. Dabei ist Spaß so wichtig, gibt er doch die Kraft für den oft mühsamen Alltag. Auch auch an kleinen Dingen oder kurzen Auszeiten erfreuen können ist etwas was viel zu vielen Menschen abhanden gekommen ist. Lasst uns wieder lernen nach einem Leitsatz zu leben: arbeite um zu leben, und nicht lebe um zu arbeiten. https://youtu.be/dr4oxuwL30Q

Eigentlich bin ich ja pflegeleicht was Essen angeht, ich probiere grundsätzlich alles. Zwei, drei Dinge gibt es die ich nicht mehr esse, ich ekel mich davor weil ich sie als Kind essen musste. Ein weiteres Problem haben wir allerdings gut gelöst. Brot muss frisch schmecken, und nicht nach einem Tag schon trocken sein. Schon in Deutschland war es schwierig, dementsprechend an Brot zu kommen. So haben wir schon dort begonnen, Brot und Brötchen selber zu backen. Gestern war es wieder soweit, Backtag. Da ich weiß das viele hier Vollkornbrot vermissen, habe ich heute mal das Rezept mit gebracht.

Vollkornbrot mit Nüssen und Körnern

600g Vollkornmehl, je 200g Dinkel, Roggen, Weizen
4 Teel Salz
4 Trockenhefe
grob mischen
125ml Sauerteig mit warmen Wasser auf 700ml auffüllen und zu dem Mehl geben. Gut durchkneten.
Einen Schuß Apfelessig hinzu geben
400g Körner und 400g Nüsse je nach Geschmack und Vorlieben
400g Früchte, wir mischen Rosinen mit Kirschen je zur Hälfte. (Statt der Früchte, haben wir auch schon Speck und Zwiebel verwendet, auch sehr lecker. Probiert doch einfach mal aus was euch schmeckt)
Alles zu dem gut vermengten Teig hinzu geben, zum Schluss noch zwei Handvoll geraspelte Möhren.
Alles mindestens noch mal 5 Minuten kneten lassen.

Je länger der Teig dann an einem warmen Ort gehen darf, umso besser wird es. Wir machen den Teig meist am Vormittag und schieben ihn dann Nachmittags in den Ofen.

Wir machen diese Menge an Teig zweimal und dies ergibt dann vier Brote. Hier auf dem Bild haben wir auch eins mit Käse belegt. Der Fantasie sind eigentlich keine Grenzen gesetzt.

Den Backofen auf 175 Grad vorheizen und das Brot mit Umluft 55 Minuten backen.

Guten Appetit

Familie früher und heute

Eine für mich der umstrittene Entscheidung des Bundessozialgerichts ließ mich darüber nachdenken welchen Stellenwert Familie heute noch hat. Das Gericht musste entscheiden ob ein Unfall eines Kindes in Obhut der Großmutter ein Fall für die gesetzliche Unfallversicherung ist. Dies wurde verneint mit der Begründung dass die Großmutter dies ja nicht gewerblich gemacht hat. Hätte sie sich im Vorfeld beim Jugendamt als Tagesmutter eintragen lassen wäre die Versicherung in der Pflicht. Damit die Großmutter als Tagesmutter oder Pflegestelle anerkannt wird, muss sie einige Auflagen erfüllen. Sie benötigt ein polizeiliches Führungszeugnis, einen speziellen erste Hilfe Kursus. Ihre Wohnung muss ausreichend groß sein, kindersicher, Platz zum Schlafen bieten. Ausreichend Spielzeug muss vorhanden sein. Nur wenn sie dies alles bieten kann ist sie geeignet auf ihr Enkelkind aufzupassen.

Denke ich an meine Großeltern zurück, dann erinnere ich mich an schöne Ferien, viel gemeinsame Zeit. Ich weiß noch dass ich bei beiden Großeltern anfangs mit im Schlafzimmer geschlafen habe, sie hatten kein eigenes Zimmer für mich. Erst später sind die Eltern meiner Mutter umgezogen und dort gab es dann auch ein Zimmer für mich. Meine Kleidung, Spielzeug habe ich immer mitgebracht, aber nur selten benötigt. Oma und Opa haben mir soviel geboten, mir soviel Zeit geschenkt, das ich gar keinen Gedanken an Spielzeug verschwendet habe. Die meiste Zeit war ich sowieso draußen bei den anderen Kindern.

Meine Kinder hatten dieses Glück leider schon nicht mehr, als sie klein waren gingen die Großeltern noch arbeiten, später wollten die Großeltern die Verantwortung nicht tragen und hatten lieber ihr Ruhe.

Und heute? Mütter die sich um ihre Kinder kümmern möchten, haben meist ein schlechtes Gewissen. Denn durch das kümmern verweigern sie ihren Kindern ja die Frühförderung. Dabei ist doch für die Entwicklung der Kleinen unheimlich wichtig sie schon früh Fremd betreuen zu lassen. Immerhin kümmern sich dann ausgebildete Menschen und nicht unwissende Eltern und Großeltern. Bindung an die Familie, das lernen durch die verschiedenen Generationen wird heute leider negiert.

Ich weiß noch wie gerne ich auf dem Schoss, später auf dem Sofa, meiner Großeltern saß und ihren Geschichten von früher gelauscht habe. Das ich dabei auch viel gelernt habe, ist mir erst viel später bewusst geworden. Damals fand ich das einfach nur spannend.

In einer Zeit die immer hektischer und Konsum orientierter wird, in der man nach Leistung bewertet wird, bliebt Familie völlig auf der Strecke. Kinder kriegen, und möglichst mehr als eins, dann wieder produktiv sein und die Kinder in staatliche Aufsicht geben. Das ist das Familienbild welches als Ideal und systemkonform propagiert wird. Eltern die davon abweichen, deren Werte und Ziele andere sind, geraten sofort in den Fokus der Behörden. Immerhin kann es ja nicht sein, das diese Eltern in der Lage sind ausreichend für das Kindeswohl zu sorgen.

Für mich auch immer wieder ein Reizwort, Schulpflicht! Im Gesetz steht Kinder haben ein Recht auf Bildung. Durch die Schulpflicht wird vorgegaukelt Kinder könnten nur in Schulen lernen. Viel zu große Klassen, überforderte und lustlose Lehrer, machen vielen Kindern sehr zu schaffen. Auch sind Kinder unterschiedlich, manche lernen schneller als andere, doch darauf kann Schule keine Rücksicht nehmen. Der Stoff wird gnadenlos durch gezogen, wer nicht mit kommt hat Pech gehabt. Hier zeigen andere Länder das es auch ohne Schule geht. Die Kinder müssen sich regelmäßig einer Prüfung unterziehen um ihren Wissensstand zu ermitteln. Ein Großteil dieser Freilerner ist beschulten Kindern voraus. In Deutschland ist es eine Straftat, die sogar mit inobhutnahme der Kinder, und Bußgeldern bestraft wird. Auch gibt es mittlerweile Onlineschulen, denn natürlich sind nicht alle Eltern in der Lage ihren Kindern alles beizubringen was sie wissen müssen. Wobei die Frage erlaubt sein muss, ob die Kinder wirklich alles was ihnen in den Kindergärten und Schulen vermittelt wird, auch wirklich wissen oder können müssen.

Aber ich schweife gerade ziemlich ab, es geht doch hier um Familie und nicht um Bildung.

Auch heute geht es noch anders. Es gibt sie noch, Familien in denen sich mehrere Generation gemeinsam um Haus und Kinder kümmern. Kinder die noch Freizeit und Freiheit haben. Länder in denen Familie noch so viel wert ist, das Mütter sogar ein Gehalt bekommen wenn sie mehr als zwei oder drei Kinder gebären. Nur im westeuropäischen Raum wird man diese Länder kaum noch finden. Selbst in den südeuropäischen Ländern wandelt sich das Leben weg von der Familie hin zu Leistungsdruck und Kleinfamilie. Auch wenn es dort noch nicht so extrem ist wie z.b in Deutschland. Ich hoffe dass sich das Bild von Familie wieder wandelt, sie wieder einen anderen Stellenwert bekommt. Dies wäre ein Gewinn für junge wie auch alte Familienmitglieder. Alle könnten voneinander lernen und profitieren.