Glück und Leid liegt oft nah beieinander

Guten Morgen, jo reggelt. Heute ist ein guter Tag. Der Beschluss des Oberlandesgericht wird endlich umgesetzt. Felicitaz wird heute endlich frei gelassen. Während wir uns freuen, weint ganz in der Nähe von Solingen ein Mann um seine Frau. Deren Tod hat mich sehr nachdenklich gemacht.

Donnerstag der 25.04.2018, ein Datum welches unsere Familie wohl nie mehr vergessen wird. Endlich kommt zusammen was zusammen gehört. Nachdem schon am vergangenen Donnerstag vor dem Oberlandesgericht entschieden wurde, das Felicitaz nach Hause darf, das die Eltern alle Rechte zurück erhalten, wird dieser Beschluss heute endlich umgesetzt. Freitag haben sich Eltern und Tochter das letzte Mal gesehen. Es haperte wie so oft an der Kommunikation. Laut Träger wurden vom Jugendamt keine Umgangstermine für diese Woche vereinbart, sondern nur mitgeteilt das Felicitaz wieder nach Hause soll. Wäre es mein Kind gewesen, hätte ich sie am Freitag schon mitgenommen. Wer hätte mich daran hindern sollen, nachdem der mir das höchste Gericht aus NRW alle Rechte zurück gegeben hat? Da es Seitens des Jugendamtes aber hieß sie benötigen ein paar Tage um den Beschluss umzusetzen, ließen die Eltern es auf sich beruhen um sich kooperativ zu zeigen. Das warten fiel schwer, zumal auch eine Zusammenarbeit mit dem Jugendamt sich schwierig gestaltet.

Als Manuel und Stefanie den Antrag beim OLG stellten war der Wortlaut sinngemäß in etwa folgendermaßen: Wir beantragen den Beschluss des Familiengerichtes Solingen aufzuheben, uns unsere Tochter zurück zu geben. Behelfsweise auf mildere Mittel zurück zu greifen, wie eine Familienhilfe, die Unterbringung bei Paten oder Familie. 

Das Oberlandesgericht folgte diesem Antrag, beauftragte das Jugendamt eine Flex (flexible Familienhilfe) zu beauftragen, die sich davon überzeugen soll das es Felicitaz gut geht, und zudem soll Felicitaz regelmäßig (2mal die Woche) beim Kinderarzt vorgestellt werden, dieser entsprechend von der Schweigepflicht entbunden werden. Zudem bekamen die Eltern alle Rechte zurück.

Doch im gestrigen Gespräch mit dem Jugendamt zeigte sich das Vertrauen ist massiv zerstört, und eine Kooperation wird nicht einfach sein. Besonders eine Mitarbeiterin scheint nur darauf zu warten und zu hoffen das etwas schief geht. Während der Sachbearbeiter zumindest vordergründig bemüht schien die Wogen zu glätten und einen Rahmen zu schaffen der dem Beschluss genügt und mit dem beide Seiten lebe können, kam die Mitarbeiterin sehr dominant und von oben herab rüber. Wie sich dies in den kommenden Wochen entwickelt bleibt abzuwarten. Das alles entscheidende Gutachten wird für Ende Mai erwartet, es ist somit ein absehbarer Zeitraum, bis zu einer endgültigen Entscheidung. Für diese Entscheidung ist dann wieder das Familiengericht in Solingen zuständig.

Doch heute ist einfach nur Freude angesagt, und die kleine Familie wird die nächsten Tage und Wochen sicherlich nur genießen.

Vor einigen Tagen habe ich in Facebook gelesen das eine Facebookfreundin, mit der ich mich regelmäßig ausgetauscht hatte ihrer Krebserkrankung erlegen ist. Noch im vergangenen Jahr war die Freude groß, sie hatte ihre Frühberentung durch. Nach vielen Jahren Aufopferung in der Pflege, waren ihre Kräfte verbraucht. Sie freute sich auf den Ruhestand, machte Pläne. Unter anderem wollte sie uns hier besuchen kommen. Und wenn ihr Mann in naher Zukunft in Rente geht mit ihm gemeinsam ans Meer ziehen. Dann die Diagnose Krebs, diese hat sie nur wenige Monate überlebt. Leider war uns ein persönliches Kennenlernen nicht mehr vergönnt.

Neben der Traurigkeit machte sich in mir aber auch Dankbarkeit breit. Dankbarkeit für meine PTBS die mich schon vor neun Jahren in die Frührente schickte. Neun Jahre die ich leben durfte, ohne Druck und Stress. Auch wenn diese Rente mir keine großen Sprünge erlaubt, erlaubt sie mir das wichtigste. Ich darf jeden Tag leben. Darf mir so wie jetzt gerade von der Sonne die Nase kitzeln lassen, darf dem morgendlichen Gesang der Vögel lauschen, mit nackten Füssen durch das nasse Gras laufen. Wenn ich mal wieder nicht ganz bei mir bin, dann muss ich nichts tun, kann mich einfach gehen lassen, und wenn ich will den ganzen Tag im Bett liegen. Es gibt niemanden mehr der mir sagt was ich zu tun und zu lassen habe. Dafür bin ich sehr dankbar. So schlimm die Auslöser für die PTBS auch waren, letzten Endes bin ich zufrieden so wie es heute ist. Und je mehr Freunde, Bekannte oder auch Verwandte gehen, umso klarer wird mir der Spruch – Lebe jeden Tag so als wenn es dein letzter wäre. Das Leben kann so schnell vorbei sein, und bis dahin sollte man sich so viele Träume wie möglich erfüllt haben. Seinen eigenen Weg gehen, sich nicht von Zweifelern und Pessimisten beirren lassen. Das Leben findet heute statt, schon morgen kann es vorbei sein.

Hinterfragt – Warum ist es so wie es momentan ist?

Guten Morgen, warum funktioniert das System so wie es momentan funktioniert? Warum gibt es so viel Kritik, und warum verlieren so viele Menschen den Glauben an Gerechtigkeit? Ja auch wir verzweifeln an diesem System, verzweifeln daran das uns niemand glaubt. Verzweifeln daran das wohl alle gegen uns arbeiten.

Es ist positiv das heute genauer geschaut wird, das dem Verdacht auf Misshandlung, Missbrauch und Vernachlässigung von Kindern nachgegangen wird. In den siebzigern als ich aufgewachsen bin gab es das so nicht. Es war normal das Kinder geschlagen wurden. Niemand hätte familiäres nach außen getragen. Das ist privat und geht uns nichts an, war damals normal. Viele dieser Kinder von damals sitzen heute an den Hebeln der Macht. Sie haben ihren Beruf ergriffen um den heutigen Kindern zu helfen, ihnen das zu ersparen was sie selbst erlebt haben. Ihnen die Hilfe zu geben, die sie selbst nie erhalten haben.

Der Blick ist daher getrübt für das ganze Bild, sie sehen nur den Schnipsel den sie sehen wollen, das arme hilfsbedürftige Kind welches sie retten wollen. Das sie dabei in dem ein oder anderen Fall weit über das Ziel hinaus schießen nehmen sie billigend in Kauf.

Weiter geht es dann beim nächsten Beteiligten, dem Familiengericht. Dort sitzen Menschen die lange Jura studiert haben, die Gesetzestexte beherrschen und sich daran orientieren. Doch Familienrecht ist so viel mehr als trockene Texte. Da geht es um Menschen und ihre Schicksale. Doch anders als beispielsweise in der Medizin, gibt es für Richter keine Spezialisierungen. Jeder Richter kann am Familiengericht arbeiten. Damit diese Richter dann zu gerechten Urteilen kommen können, sind sie natürlich darauf angewiesen das die Fakten die sie bekommen auch den Tatsachen entsprechen. Doch wie können die Fakten neutral und real sein, wenn das Bild desjenigen der sie übermittelt, getrübt und einseitig ist? So entsteht dann der Eindruck, das die Richter am Familiengericht, immer den Vorschlägen des Jugendamtes folgen.

Der so entstandene Kreislauf ist nur schwer zu durchbrechen. Dazu benötigt es einiger grundsätzlicher Regeländerungen.

Ganz sicher eine der wichtigsten Forderungen ist die zwingende Spezialisierung der Richter. Insbesondere Richter am Familiengericht sollten die Fähigkeit haben, Kinder zu befragen und zu verstehen was diese ihnen sagen wollen. Sie sollten in der Lage sein Gutachten zu lesen und richtig zu interpretieren, also auch mal zwischen den Zeilen zu lesen. Aber auch die richtigen Fragen zu stellen an Jugendamt, an Familie, Ärzte und Gutachter. Die Aussage ich bin kein Mediziner, Gutachter und beziehe mich damit auf die letzte Passage im Dokument die sagt das es sein könnte das…. darf nicht mehr hingenommen werden. Ein Richter muss unvoreingenommen eine Entscheidung treffen. Somit muss er auch in die Lage versetzt werden, die Fakten die er bekommt unvoreingenommen bewerten zu können.

Sozialarbeiter in den Jugendämtern sollten regelmäßig reflektiert werden, insbesondere auch vor der Einstellung, ihr Hintergrund und ihre Gründe an dieser Stelle zu arbeiten, hinterfragt werden. Vielleicht sogar vor der Einstellung verpflichtet zu werden, eine Handvoll Stunden bei einem Psychologen zu nehmen, der die Eignung überprüft. So könnte schon im Vorfeld die Motivation geklärt werden und sichergestellt werden, das sie an dieser Position gut aufgehoben sind, und Familien sich darauf verlassen können das sie beim Jugendamt fair und hilfreich behandelt werden.

Zu guter letzt noch eine Anmerkung zu den Gutachtern, natürlich sollte überprüft werden, ob der Gutachter überhaupt geeignet ist. Solche Fälle wie mit dem falschen Gutachter dürfen einfach nicht passieren. Um als Gutachter für Gerichte arbeiten zu dürfen, sollten die Qualifikationen bei Gericht eingereicht und von dort überprüft werden.