☆ Psychisch krank? – Nein, danke! ☆

© Text und Foto https://www.facebook.com/ValentinoAssistenzhund/

Noch vor 5 Jahren konnte ich mit niemandem darüber sprechen. Noch vor 3 Jahren habe ich mich versteckt.
Noch vor 2 Jahren habe ich zum ersten Mal mein Gesicht gezeigt.

Und heute ist es mir egal, ob mich jemand erkennt und dann Schlechtes über mich denkt.

Ja, ich bin psychisch erkrankt und ich kann nichts dafür! Ich bin deswegen nicht eklig, minderwertig oder gar ansteckend. Nein, ich bin ein ganz normaler Mensch, so wie Du auch, mit dem Unterschied, dass ich viele Einschränkungen habe. Dass ich nicht einfach feiern gehen kann, dass ich nicht spontan mit Freundinnen shoppen gehen kann, dass ich kaum Freunde habe, die direkten Kontakt mit mir haben, dass ich nicht arbeiten gehen kann …

Ja, warum ist dass so?

Nicht, weil ich es so möchte, nicht, weil ich Menschen doof finde oder gar faul bin. Nein, weil ich in meinem Leben, wiederholt so massiv traumatisiert wurde, dass ich Menschen kaum mehr trauen kann.

Ein Trauma ist ein Ereignis, das einen Menschen in seinen Grundfesten erschüttert, dass Todesangst auslöst und das Vertrauen in die Menschen vernichtet.
Menschen, die so etwas erlebt haben, wissen was es bedeutet den kompletten Kontrollverlust zu durchleben, die wissen, wie es ist, wenn nichts mehr hilft, weder Flucht noch Kampf.
Wenn Menschen so viel Leid durch Menschenhand erleben mussten, so gequält wurden, körperlich und psychisch, dann ist es fast unmöglich, einem Menschen je wieder zu vertrauen. Diese Menschen haben nicht nur das Vertrauen in andere Menschen, sondern auch in sich selbst verloren.

Es ist, als wäre die Sicherung in einem Elektrogerät durchgebrannt, weil zu viel Belastung auf dem Gerät lag.
Danach tut sich nichts mehr, alle versuche das Gerät wieder in Gang zu bringen, sind ergebnislos. In unserer heutigen Gesellschaft wirft man es dann weg und kauft sich ein Neues. Mit der menschlichen Psyche geht es aber nicht.
So muss man versuchen erst einmal abzuwarten, bis die Überhitzung abgeklungen ist, um dann einen geeigneten Techniker zu finden, der sich dem „Problem“ annimmt und der genug Erfahrung damit hat.
Dieser versucht dann die Sicherung zu finden und kann sie ggf. reparieren. So einfach wie bei dem Gerät ist es allerdings beim Menschen nicht.
Diese Erlebnisse machen die Seele krank, die erlebte Gewalt, das alleine sein, das schweigen und überspielen. All das hat die Seele vergiftet und ohne Hilfe, stirbt man innerlich daran.
Doch wie soll man einen geeigneten Psychotherapeuten finden, wenn man niemandem mehr vertrauen kann, nicht mal mehr sich selbst?
Wie soll man Hilfe bekommen, wenn man alles versucht zu überspielen, bis zum kompletten Zusammenbruch, nur um nicht als „durchgeknallt“ abgestempelt zu werden?

Auch bei mir war das so, ich habe alles weggelacht, habe immer funktioniert, ja, war fast hyperaktiv und konnte keine Minute still sitzen, nur um ja nicht nachdenken zu müssen.

Bis dann der körperliche und psychische Zusammenbruch kam, das war im Jahre 2009.
Seid dem kämpfe ich ums Überleben, Tag für Tag:

– die richtigen Behandlungen zu bekommen (medikamentös und psychotherapeutisch)
also die für mich passenden Medikamente und Psychotherapieform zu finden
– die richtigen, für mich passenden Ärzte zu finden (was, wenn man nicht vertrauen kann, sehr sehr schwierig ist)
– dafür, mich selbst kennenzulernen und zu begreifen, was mit mir ist
– mit den Ämtern, da auch dort eine psychische Erkrankung nicht ausreichend anerkannt wird, wie sie einen beeinträchtigt
– gegen meine Angst, Tag für Tag
– gegen die Trigger, die in meinem Fall in die Hunderte gehen
– noch immer gegen mich selbst
– dafür, meinen Alltag zu strukturieren
– gegen das Stigma der Gesellschaft
etc.

Ich könnte diese Liste ins unendliche weiter schreiben.

Oftmals wird man nur belächelt, als faul und dumm abgestempelt und behandelt, als wäre man ein kleines Kind.
Bei vielen Ärzten sind plötzlich alle Beschwerden psychischer Natur und man hat wirklich zu kämpfen, dass diese einmal ordentlich organisch abgeklärt werden.

Ich bin weder dumm noch faul, ich bin schwer krank, auch wenn man es von außen nicht sehen mag.
Mir fehlt weder ein Arm oder Bein, dennoch bin ich oft bewegungsunfähig. Körperlich bin ich bis auf ein paar Ausnahmen gesund (Bandscheibenvorfälle, chronische Magen- und Darmentzündung und Fibromyalgie), aber psychisch bin ich ein „Totalschaden“.
Seit dem Jahre 2010 bin ich nun in psychotherapeutischer Behandlung, seid dem nehme ich Psychopharmaka, um einigermaßen zu überleben.
Seid Valentino 2014 bei mir eingezogen ist, ist vieles einfacher und besser geworden, vieles kann ich heute ohne menschliche Hilfe bewältigen.
Dennoch, es liegt noch ein langer Weg vor mir, viel Arbeit kommt auf mich zu, um irgendwann ein leichteres und uneingeschränkteres Leben zu leben.

Mir macht das alles keinen Spaß und ich würde auch gerne heute mitten im Leben stehen, hätte mich vielleicht fortbilden können in meinem Beruf, der mir wirklich Spaß gemacht hat etc.

Ob es mir Spaß macht oder nicht, hat mich leider niemand gefragt, mich hat niemand gefragt, ob ich so ein Leben möchte, ich habe es bekommen und muss versuchen das Beste daraus zu machen.
Wie unfair und gemein ist es dann, wenn man als faul und dumm bezeichnet wird, wenn man seltsam beäugt wird, wenn man mit seinem Helfer in den Supermarkt geht, weil man alleine nicht mehr das Haus verlassen kann. Wie gemein ist es, deshalb belächelt oder gemieden zu werden?

Ich habe es mir nicht ausgesucht, niemand sucht sich so etwas aus!
Es ist schlicht das Ergebnis von bösen Menschen, von Menschen die freude am Leid der anderen haben.
Wenn ich dann so belächelt werde, frage ich mich, ob die Menschen überhaupt wissen, was sie damit gerade tun? Denn sie scheinen ebenfalls „Freude am Leid der anderen zu haben“, wenn sie die Betroffenen belächeln.

Ich verstecke mich nicht mehr, ja ich bin psychisch krank, ja, ich leide unter einer komplexen PTBS, Depressionen, Angststörung, dissoziativer Fugue, Dissoziativer Identitätsstörung (Multipler Persönlichkeit) und dissoziativen Krampfanfällen.
Ob ich es mir ausgesucht habe? Nein!
Ob ich es schön finde? Nein!

Aber ich muss damit leben und es ist nun mal mein Leben. Also nehme ich es an und versuche das Beste daraus zu machen!

Allen die psychische Erkrankungen nur belächeln, denen soll gesagt sein, seid froh, dass ihr nicht selbst krank seid!

Psychische Erkrankungen sind Teil unserer Gesellschaft, traumatisierte Menschen ebenfalls. Man sollte sich keine Meinung bilden zu jemandem, den man nicht kennt. Man sollte niemanden verurteilen, nur weil er schon in jungen Jahren nicht mehr arbeiten kann und nur noch mit Hilfe die Wohnung verlassen kann.

Teilt es, wenn ihr gleicher Meinung seid! Nur wenn diesen Menschen ein Spiegel vorgehalten wird, haben wir die Chance, dass sie über ihr Verhalten nachdenken.

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Die Folgen der häuslichen Gewalt

Sind meist langanhaltend und häufig gravierend. Viele Betroffene die ich kenne haben ebenfalls die Diagnose Posttraumatische Belastungsstörung . Fachleute können dieses komplexe Krankheitsbild und vor allem die diversen Formen besser erklären als ich. Denn ich kann nur von mir sprechen. Deshalb bei Interesse einfach auf den unterstrichenen Begriff klicken und schon kommt ihr auf eine Fachseite.

Bei mir äußert sich die PTBS sehr vielschichtig und mal mehr, mal weniger ausgeprägt. Meine Symptome:

Konzentrationsstörungen – Schlafstörungen – Albträume – Panikattacken – Gereiztheit – Depression – Antriebslosigkeit

Panik vor fremden Menschen, öffentlichen Plätzen, öffentlichen Verkehrsmitteln, Großveranstaltungen, Menschenansammlungen.  Angst vor alkoholisierten Menschen, vor extrem laut geführten Gesprächen. Vor Aggressivität.

Ich weiß nicht ob ich jetzt nicht noch welche vergessen habe. Aber ich denke die meisten Symptome habe ich genannt. Wie ihr euch sicher denken könnt, bedeutet diese Vielfalt an Symptomen auch massive Beschneidungen in meinem Alltag.

Manche Dinge die mich belasten kann ich relativ einfach vermeiden, ich muss ja nicht zu einer Veranstaltung gehen und mit alkoholisierten oder aggressiven Menschen muss ich mich auch nicht umgeben. Stimmt leider nicht ganz. Denn somit sind auch viele private Veranstaltungen für mich tabu. Feiern ohne Alkohol scheint es in unserem Kulturkreis nicht mehr zu geben. So macht es mir schon Probleme zu einer Familienfeier zu gehen, und ich bin meist früh wieder weg.

Öffentliche Verkehrsmittel habe ich schon ewig nicht mehr benutzt, ich glaube ich wüsste gar nicht mehr wie ich einen gültigen Fahrschein bekomme. Durch meinen chronischen Schlafmangel und die Konzentrationslosigkeit, damit verbunden natürlich auch verlangsamte Reaktionsfähigkeit, ist es mir nur noch selten bis gar nicht möglich Auto zu fahren. Einkaufen, Arztbesuche, Behördentermine sind nur in Begleitung möglich, wenn überhaupt. Ans Telefon gehe ich auch nur wenn es eine bekannte Nummer ist.

Alle diese Einschränkungen existieren auch heute noch, fast 20 Jahre nach Beendigung der häuslichen Gewalt, und obwohl der Täter nicht mehr lebt.

Aufgrund all dieser Einschränkungen, habe ich heute einen Antrag auf einen Pflegegrad gestellt. Laut Pflegegradrechner kann ich mit Pflegegrad 2 rechnen. Ich werde euch auf jeden Fall berichten wie das ganze abgelaufen ist und welches Ergebnis ich bekommen habe.