Die Zeit rennt, schon mehr als ein Jahrzehnt

Guten Morgen, heute frage ich mich wo sind die Jahre geblieben? Das war doch erst kürzlich? Ich erinnere mich noch an den Hilferuf unseres Freundes der nicht zum Ziel gefunden hat. Erinnere mich an das eher bescheidene Wetter, an das leckere Mittagessen. Trotzdem sind es heute schon elf Jahre her, seit wir den Weg zum Standesamt gewagt haben.

Blicke ich zurück, blicke ich auf bewegte Jahre zurück. Geheiratet haben wir in Wipperfürth, das ist die älteste Stadt im bergischen Land (NRW). Damals lebten wir auf einem alten Bauernhof etwas außerhalb. Fühlten uns wohl und dachten eigentlich, hier können wir uns vorstellen alt zu werden. Eine Kündigung wegen Eigenbedarf machte dies zunichte.

Es folgten fast vier Jahre in unserem Wohnwagen, dieser stand auf einem Platz am Niederrhein. In dieser Zeit fühlten wir uns frei und glücklich. Eine junge Familie ist geblieben, mit der uns auch noch heute Freundschaft verbindet, egal wie viele Kilometer uns trennen. Damals begann auch unser Traum, den wir ein paar Jahre später realisiert haben.

Doch erst machten wir den Fehler uns auf eine Suche zu melden. Ein anderer Campingplatz suchte ein Ehepaar welches als Platzwarte auf dem Gelände leben wollte. Dieser Platz lag im Weserbergland. Ganz andere Region, ein völlig anderer Menschenschlag als am Niederrhein. Auch hier sind nur drei Menschen übrig geblieben, wovon einer leider vor wenigen Wochen gestorben ist. Ein sehr eigensinniger Vorstand, finanzielle Probleme des Vereins, und daraus resultierende Meinungsverschiedenheiten und andere Ansichten, machten auch hier nach drei Jahren eine Veränderung nötig.

Ein ganzes Jahr lebten wir unseren Traum, ein Jahr ohne festen Wohnsitz in unserem Haus auf vier Rädern. Eine tolle Zeit die wir keinesfalls missen möchten. Wir haben innerhalb Deutschlands viel gesehen und auch viele interessante, teilweise aber auch kuriose, Menschen unterwegs getroffen.

Dann kam ein Jahr und Erfahrungen die wir gerne aus unserer gemeinsamen Chronik streichen würden. Neben Lehrgeld welches wir gezahlt haben, war dieses Jahr rein menschlich so enttäuschend das es uns ziemlich runter gezogen hat.

Seit fast neun Monaten sind wir jetzt hier. Hier haben wir seit langer Zeit mal wieder das Gefühl, willkommen zu sein. Das Gefühl hier könnten wir alt werden. Wir wünschen uns nichts mehr, als endlich nicht mehr enttäuscht zu werden und am Ziel angekommen zu sein.

Doch die Erfahrungen, die Erlebnisse und die Freude der vergangenen Jahre hat uns zusammen geschweißt. Klar könnte ich meinen Mann hin und wieder zum Mond schießen, er mich sicher auch. Aber letzten Endes wissen wir, wir schaffen es gemeinsam.

Mal sehen von wo ich in elf Jahren berichte. Ob wir dann immer noch hier sein dürfen und glücklich sind.

Suchen und finden

Es gibt zwar einige die meine Beiträge regelmäßig lesen und somit auch vieles schon wissen. Für alle anderen muss ich wohl ein bisschen weiter ausholen.

Ein Winter auf dem Campingplatz

Joachim und ich sind seit Januar 2005 zusammen. Im Herbst fanden wir unser Zuhause. Abseits gelegen auf einem Bauernhof, das Häuschen war ein ehemaliger Stall und hatte zwei Eingänge, vorne lebten zwei Parteien. Unser Eingang befand sich hinter dem Haus. Vor dem Eingang eine große Wiese die wir nutzen konnten, dahinter begannen die Weiden für die Pferde. Das Wasser kam über einen eigenen Brunnen ins Haus, im Keller wurde es aufbereitet und dann konnte es verwendet werden. Ein absoluter Traum. Der Vermieter ließ uns freie Hand und so richteten wir uns die Wohnung nach unserem Geschmack her. Ich konnte mir gut vorstellen dort alt zu werden. Doch nur 1,5 Jahre später dann das erwachen, der Vermieter kündigte uns, er meldete Eigenbedarf für seinen jüngsten Sohn an. 🙁 Wir hatten keine Chance, Eigenbedarf hat immer Vorrang. So mussten wir Anfang 2008 die Wohnung räumen.

Alles suchen nach etwas vergleichbaren schlug fehl. Da wir uns nicht unter Druck setzen wollten, lagerten wir unsere Sachen ein und zogen erstmal in unseren Wohnwagen, am Niederrhein. Von dort aus wollten wir in aller Ruhe schauen. 🙂 Damit man etwas findet, muss man allerdings auch suchen 🙂 Die erste Zeit haben wir es bewusst hinaus geschoben, wollten erst mal wieder zur Ruhe kommen. Später hat keiner von uns beiden einen Gedanken an Wohnungssuche verschwendet. So lebten wir gut drei Jahre auf einem Campingplatz, lernten wie wenig man eigentlich zum Leben braucht.

Hinter der Hecke lebten wir als Geländewart

Eher durch Zufall fand ich eine Anzeige eines anderen Platzes, dort wurde ein Geländewartehepaar gesucht. Klang genial. Wir haben uns auch darauf eingelassen, doch schnell stellten wir fest, eigentlich ist man zu angebunden. Dann wenn alle anderen Wetter genießen, in Urlaub fahren, mussten wir vor Ort sein. Die Freiheit und Flexibilität fehlte uns. So kam es uns entgegen als es Ende 2014 hieß, der Verein könne sich uns nicht mehr leisten.

Der links, war unser Zuhause. Mit ihm haben wir den Norden und einen Teil des Ostens Deutschlands erkundet

Es folgte ein Jahr in absoluter Freiheit und Unabhängigkeit. Noch weniger Platz, noch weniger Besitz, dafür ein leichtes Gefühl, Abenteuer, und unendlich viele Erlebnisse und Eindrücke. Ein Jahr im Wohnmobil, ihr könnt die Stories hier nachlesen.

Unsere Wohnung in der Eifel

Manche Angebote klingen besser als sie sind. Und so landeten wir in der Eifel. Hier wohnen wir seit 23 Mai 2016. Wir wohnen hier, doch zuhause sind wir hier nicht. Dieses Gefühl angekommen zu sein, stellt sich einfach nicht ein. Hinzu kommen mittlerweile auch Differenzen mit der Eigentümerin, und der versuchte Einbruch während des Urlaubs.

Dort wollen wir heimisch werden

Wir haben uns schon eine Weile umgesehen, und glauben endlich wieder den Ort gefunden zu haben, wo sich auch das Wohlfühlen einstellen wird. Einige wissen es schon, andere ahnen es. Wir werden Deutschland verlassen. Werden uns in einem anderen Land ein Heim schaffen. Wir wollen versuchen wieder zurück zu den Wurzeln zu gehen. Uns nicht mehr abhängig machen vom Konsumwahn. Sondern wieder ein natürliches Leben leben, ohne täglich die Ellbogen einsetzen zu müssen. Ohne ständig mit Neid und Missgunst konfrontiert zu werden. Kein genormtes Obst und Gemüse mehr, sondern frisch vom Feld und Baum auf den Tisch. Direkt beim Erzeuger kaufen, ist dann kein Traum mehr, sondern wird Realität. Mit und bei Menschen für die das Leben aus dem miteinander und nicht dem gegeneinander besteht. Gemeinsam etwas schaffen, statt dem Nachbarn nicht die Butter auf dem Brot zu gönnen. Und ja, dies alles ist kein Traum, das gibt es wirklich noch.

Viele sagen, aber ihr habt doch Familie, ihr habt Kinder. Stimmt haben wir. doch die Kinder haben ein eigenes Leben. Man sieht sich nicht so häufig wie man gerne möchte. Und da spielen die Kilometer keine Rolle. Denn die Kinder können jederzeit kommen, müssen sich keine Gedanken mehr über ihre Urlaubskasse machen. Platz werden wir genug haben, und satt bekommen wir sie auch 🙂