Glücksmonat, gibt es so was?

Nachdem uns das erste Halbjahr viele Frustrationen beschert hatte, es nicht wirklich rund laufen wollte, scheinen wir jetzt endlich eine Glückssträhne zu haben.

 

Wie schon gestern erzählt, sind wir dabei uns zu verändern. Der Pilot ist auf Dauer definitiv zu klein. Nächste Woche lüften wir das Geheimnis.

Aber ein dicker Klumpen lag uns noch auf der Seele. Wo melden wir unseren Wohnsitz an? Ein Freund hatte uns zwar angeboten dass wir uns in seinem Haus anmelden könnten, doch Freundschaft soll man auch nicht ausreizen. Zudem ist dies in NRW nicht mehr wirklich erlaubt. Tagelanges surfen im Internet, intensives suchen. Niedersachsen klang nach Rettung. Dort ist es immer noch gestattet, seinen Erstwohnsitz auf einem Campingplatz an zu melden.

Jetzt galt es nur noch auch einen entsprechenden Platz zu finden, der dies anbietet. Und seit zwei Stunden haben wir einen Heimathafen. Eine Meldeadresse und einen Punkt den wir anlaufen können, wenn uns nicht nach reisen Zumute ist. Am Rande der Lüneburger Heide, im Wendland sind wir gelandet.

Somit sind unsere größten Probleme Vergangenheit, und wir können endlich anfangen zu genießen. Sobald wir unsere neue Heimat erkundet haben, bekommt ihr natürlich auch Bilder, doch momentan ist das Wetter eher bescheiden und lockt nicht wirklich hinaus. Also habt bitte ein wenig Geduld.

Neubeginn und ein letzter Blick zurück

Wie immer wenn es einen Umbruch, eine Veränderung in meinem Leben gibt kann ich nicht schlafen. Ich bin viel zu aufgewühlt. Die letzten Wochen haben an den Kräften gezehrt. 130qm aufzulösen, sich auf das nötigste beschränken erfordert viel Disziplin und Durchhaltevermögen. Das meiste was wir hier besessen haben, wurde angeschafft mit dem Gedanken hier bis zu unserem Renteneintritt zu verweilen. Also rund 15 Jahre. Es wurden 3,5 Jahre. Angeblich betriebsbedingt wurde uns die Wohnung und die Stellung als Geländewartehepaar gekündigt. Warum angeblich? Ja die finanzielle Situation des Vereines, also unseres Arbeitgebers ist sehr angespannt. Doch wie wir mittlerweile wissen, ist von der Mitgliederversammlung beschlossen worden, dass Nachfolger gesucht werden sollen. Von daher steckt hinter der Kündigung etwas anderes. Und somit ist auch die Bitterkeit sehr hoch. Ich darf euch gar nicht erzählen wie wir hier gelebt und gearbeitet haben. Wir hatten beide einen Arbeitsvertrag mit rund acht Stunden die Woche, im Winter weniger und im Sommer mehr. Gezahlt wurde nicht nach Stunden sondern ein Fixbetrag, der der Kaltmiete unserer Wohnung entsprach. Heizkosten und Nebenkosten zahlten wir aus eigener Tasche. Dafür reinigten wir das Vereinsheim und die Sanitäranlagen, kümmerten uns um den Naturpool, schauten täglich nach dem rechten und kümmerten uns um die Gäste. Und natürlich gab es noch einiges mehr was so anfiel. Monat für Monat investierten wir Geld dafür dass wir hier arbeiten durften. Um dann letzten Endes einen Tritt in den Hintern zu bekommen, und nur weil mein Schatz eine Auseinandersetzung mit dem Vorsitzenden hatte. 🙁

Das werde ich vermissen, diese Vielfalt der Natur
Das werde ich vermissen, diese Vielfalt der Natur

Wir haben uns sowieso sehr schwer getan, mit den Menschen hier in Kontakt zu kommen, die Westfalen sind ein Völkchen für sich. Wenn man wie wir aus dem Rheinland kommt, fühlt man sich wie auf einem anderen Stern. Auch unsere Hoffnung Arbeit und Hobby unter einen Hut zu bekommen erfüllte sich nicht. Als wir damals nach Porta Westfalica kamen, dachten wir noch was kann es schöneres geben, als Arbeit und unsere Liebe zum Naturismus zu vereinen. Doch wenn das Wetter entsprechend war, blieb keine Zeit zum Sonnenbaden oder gar schwimmen. Nicht selten hatten wir in den Sommermonaten 12 und mehr Stunden. Gemeinsam das Gelände verlassen war ebenso wenig möglich, da wir schnell die Erfahrung gemacht hatten, das rund 90% der Gäste sich nicht vorher anmeldet, sondern einfach am Tor um Einlass bittet, manchmal auch am sehr späten Abend. Doch die Betreuung der Gäste hat auch sehr viel Spaß gemacht. Wir haben viele sehr unterschiedliche Menschen kennen gelernt, so manchen Abend haben wir unten bis tief in die Nacht auf der Terrasse gesessen und uns mit den Gästen, und manchmal waren sogar Vereinsmitglieder dabei, unterhalten und gelacht. Noch heute muss ich schmunzeln wenn ich an so manche Story denke die wir erlebt haben, aber das würde hier jetzt den wirklich den Rahmen sprengen.

Sonnenuntergang (16)

Eigentlich traurig, das trotz vieler Erlebnisse, trotz Einsatz zum Wohle des Vereines am Ende nur Bitterkeit übrig bleibt. Das ein Mensch sich so wichtig nimmt, das er sich über alle anderen erhebt, deren Wünsche und sogar Beschlüsse ignoriert und sein Ding durch zieht. Und die anderen lassen das so einfach geschehen, das ist es was ich nicht verstehen kann. Ich kenne es eigentlich anders, der Vorstand eines Vereines ist das ausführende Objekt, er hat die Beschlüsse der Mitgliederversammlung um zu setzen, hier läuft es genau anders herum. 🙁 Was nehme ich mit aus drei 3,5 Jahren Porta Westfalica? Verein, Nein Danke !

11.04 (1)

Heute Mittag lassen wir diese Erfahrungen hinter uns, und starten in ein neues Leben. Ein Leben welches geplant war, allerdings erst in einigen Jahren. Das wir jetzt früher starten können ist das einzig Positive was wir mitnehmen. Wir werden durch Europa gondeln, endlich unsere Heimat richtig kennen lernen, denn Deutschland hat für uns noch viele weiße Flecken die wir jetzt mit Farben fühlen wollen, danach erweitern wir den Radius auf die europäischen Nachbarländer. Wir hoffen dass wir noch ganz lange fahren können, bevor wir dann aus gesundheitlichen Gründen wieder sesshaft werden müssen. Wir freuen uns auf neue Orte, neue Menschen, neue positive Erfahrungen. Und an all diesen neuen Eindrücken und Erlebnissen werden wir euch teilhaben lassen, in Wort und Bild.

Und jetzt bringe ich die letzten Sachen in unser neues Zuhause

20.04 (3)