Rückblick auf den Sommer 2019 in Ungarn

Es ist ja schon wieder eine Weile her, das ich Euch erzählt habe wie es uns in Ungarn ergeht. Nach wie vor sagen wir aus ganzem Herzen JA zu unserer Entscheidung. Logisch die Familie in Deutschland ist fern, man sieht sich nicht so häufig wie man das vielleicht machen würde, wenn keine tausend Kilometer zwischen uns liegen würden. Andererseits ist man mit dem Flieger auch schnell am Ziel, manchmal sogar schneller als wenn man 200km mit dem Auto fährt. Rein theoretisch könnte ich morgens hin und abends zurück fliegen. Aber nur theoretisch, wenn dann soll es sich auch lohnen.
In diesem Jahr ist es uns schon wesentlich besser gelungen, wir haben den Sommer im ungarischen Rhythmus gelebt. Früh auf, alle anstehenden Aufgaben erledigt, eine ganz lange Siesta, und dann wenn die Sonne hinter dem Stall verschwunden war noch das ein oder andere getan. Zum Glück lässt sich im Extremfall sogar das einkaufen so früh erledigen das man vor der großen Hitze wieder zuhause ist.
Viel Zeit haben wir in diesem Jahr in unseren Garten investiert, einiges an Pflanzen angeschafft und eingepflanzt. Vieles davon wird erst im kommenden Jahr so richtig zur Geltung kommen. Trotzdem ist erst jetzt der Zeitpunkt wo sich so langsam die letzten Blüten verabschieden. Nachts ist es mit 8 – 10 Grad doch schon sehr frisch. Am Tag hingegen immer noch sommerlich warm. Während ich hier draußen tippe, sitze ich im ärmellosen Shirt am Tisch. Mein Thermometer zeigt mir in der Sonne soeben 34 Grad an. Für Mitte Oktober finde ich das ganz anständig.
Unsere Hühner haben uns diesen Spätsommer Nachwuchs beschert, eine Henne hat fleißig gebrütet und wir haben jetzt drei Kleine ?? Hennen? Hähne? Keine Ahnung, das wird sich wohl erst im Frühjahr mit Sicherheit bestimmen lassen. Aber sie wachsen und gedeihen, und dürfen bald zu den Erwachsenen ziehen. Momentan haben wir sie noch separiert, damit sie in Ruhe wachsen können und nicht von den Großen gemoppt werden.
Was machen die Sprachkenntnisse? Gute Frage, nächste Frage. Ich merke schon das ich immer mehr Worte verstehe, mir auch so manchen Zusammenhang zusammen reimen kann. Aber grammatikalisch richtige Sätze, ich glaube ich lerne das nie. Aber aufgeben kommt mir auch nicht in den Sinn. Vielleicht macht es irgendwann Klack, und ich kann es.
Aufgrund der heißen Sommertage waren wir dieses Jahr kaum unterwegs. Im Garten und Pool war es doch viel schöner als bei den Temperaturen irgendwo auf Besichtigung zu gehen. Aber es gibt ja auch noch die kühlere Jahreszeit, dann kann man immer noch losziehen, auf Entdeckungstour gehen.
Am Sonntag waren wir das erste Mal in Ungarn wählen, die Kommunalwahlen standen an. Ich war ein wenig aufgeregt, aber alles total unspektakulär, das Prozedere war wie in Deutschland. Ein Tisch mit den Wahlhelfern, dort wurden die Personalien kontrolliert, bekam die Wahlzettel ausgehändigt und ging in die Wahlkabine. Auch wenn die Wahlzettel nur auf ungarisch waren, war es kein Problem diese auszufüllen. Besonders der Wahlzettel, auf dem man den Bürgermeister wählen konnte, war einfach zu verstehen. Es gab nur einen Bewerber, niemand sonst hatte sich für den Posten gemeldet. Somit blieb der alte Bürgermeister im Amt. Dann wurde noch der Gemeinderat gewählt, da gab es allerdings doch einige Bewerber, und dann noch die Partei. Alles in den Umschlag und ab damit in die Wahlurne. Das Wahllokal öffnet hier übrigens schon um sechs in der Früh und bleibt bis zwanzig Uhr geöffnet.
Nächsten Monat steht die nächste Premiere bei uns an, wir müssen unser Auto beim TÜV vorführen. Fertig ist er jetzt, er war Anfang des Monats in der Werkstatt, und laut unserem Mechaniker, sollte er jetzt Problemlos durchkommen. Vier neue Bremsen, komplette Hinterachse incl. Stossdämpfer, Roststellen beseitigt, auf der Fahrerseite musste ein neuer Schweller rein, der war fast durch. Mal sehen was der TÜV sagt, ob er genauso zufrieden mit unserer Werkstatt ist, wie wir. Ich werde von diesem Termin natürlich dann auch berichten.
Sonst gibt es eigentlich nicht mehr viel zu erzählen. Wir haben begonnen dem Haus von innen unseren Stempel aufzudrücken. Mein Zimmer ist soweit fertig, das Wohnzimmer zur Hälfte. Das Duschbad ist bis auf streichen auch fertig, und jetzt Seniorengerecht mit ebenerdiger Dusche. Der Rest kommt jetzt über den Winter so nach und nach dran. Immer wenn Petrus meint es wäre kein Outdoor Wetter, werden wir drinnen wieder den nächsten Schritt in Angriff nehmen.
Doch eins muss ich Euch noch erzählen. Ich habe ja nach wie vor nur ein Konto in Deutschland, und somit sind Überweisungen schwierig. Doch zum Glück gibt es Transfer Wise. Dort gebe ich ein wieviel der Empfänger in Forint bekommen soll, zahle diese Summe in Euro auf das Transfer Wise Konto ein. Somit bekommt der Empfänger dann auch wirklich die verlangte Summe auf sein Konto und ich habe keine Probleme mit den Banklaufzeiten und somit mit dem Tageskurs.
Ich wünsche Euch allen einen sonnigen, bunten und schönen Herbst. Wenn es wieder etwas zu erzählen gibt melde ich mich natürlich wieder. Ich hoffe die Bilder die ich eingefügt habe, geben Euch einen schönen Einblick in unseren Sommer.

Unser Sommer in Bildern

Gedanken zu einer interessanten Frage, wie stelle ich mir meine Zukunft vor?

Gedanken zu einer interessanten Frage, wie stelle ich mir meine Zukunft vor
In einer der unzähligen Ungarngruppen wurde eine Frage gestellt, über die es sich lohnt nachzudenken. Um diese Frage geht es

Schon an der Behauptung man könne in Ungarn günstig leben, scheiden sich in den Gruppen die Geister. Die einen stimmen dem zu, andere widerum widersprechen heftig. Ich habe gerade erst feststellen müssen das ich in Ungarn wesentlich günstiger leben darf als in Deutschland. Zumindest wenn ich keine überzogenen Ansprüche habe, wenn ich nicht unbedingt deutsche Produkte haben muss um zufrieden zu sein. Zumindest Grundnahrungsmittel sind hier um rund die Hälfte und mehr günstiger, wenn ich einheimische Produkte vorziehe.
Aber die Frage ging ja eher um das Thema – Fernab der „Heimat“ im Alter und bei Krankheit.
Was ich weiß, ich möchte im Alter nicht in einem deutschen Pflegeheim vor mich hin dämmern und auf den Tod warten. Auch möchte ich nicht meine Kinder verpflichten für mich zu sorgen, diese haben ihr eigenes Leben und sollen dies auch nicht für mich aufgeben oder massive verändern.
Ich bin sicher egal welches Leiden mich irgendwann einmal treffen wird, es wird kein Grund sein meine Wahlheimat zu verlassen. Die Mediziner hier sind sehr gut ausgebildet, bis es soweit ist habe ich hoffentlich genügend Sprachkenntnisse um mich mit meinem Arzt auch unterhalten zu können. In unserem Dorf gibt es zudem eine Gemeindeschwester, es gibt den Gemeindebus mit dem ich zum Arzt fahren kann, wenn mir dies nicht mehr eigenständig möglich ist. Einkaufen kann ich im Dorfladen oder bei den fliegenden Händlern, es findet sich zudem auch immer jemand den man bitten kann etwas mitzubringen. Selbst wenn das schlimmste eintreten sollte, ich kann nicht mehr selbstständig leben, denke ich das es hier wesentlich einfacher und finanzierbarer wäre, sich eine Hilfe ins Haus zu holen.
Keiner meiner Zukunftsgedanken sieht mich irgendwann wieder dauerhaft in Deutschland. Warum auch, die einheimischen erleben doch auch hier ihr Alter, gehen hier zum Arzt und ins Krankenhaus. Und ich bin ganz sicher nicht anders als sie, was für sie gut genug ist, ist es für mich auf jeden Fall auch. Von daher mache ich mir wenig Sorgen um die Zukunft.