Good Bye Bad Berleburg

Eine schöne Woche geht zu Ende, auch wenn die Sonne es eher nicht so gut mit uns meinte, waren es schöne Tage hier in Bad Berleburg.

Nehmt doch Platz beim lesen
Nehmt doch Platz beim lesen

Was hat es so angenehm gemacht? Die Menschen hier. Freundliche und kommunikative Menschen. Einen Gruß im vorbei gehen bekommt man von fast jedem. Aber mit einigen sind wir auch ins Gespräch gekommen. So auch gestern Abend die ältere Dame die den Hund ihrer Tochter ausführte. Sie erzählte das » Mali« aus Griechenland stammt, und sie eigentlich einen Hund wollten der nur ein wenig größer als ihr vorheriger ist. Größer ist Mali auf jeden Fall, ein Jack Russel geht bis zum Knöchel und Mali ist Kniehoch. 🙂 Durch ihr langes und dichtes Fell wirkt sie richtig groß. Ausgewachsen und über ein Jahr alt sollte Mali sein als sie das Tier damals in München am Flughafen abholten. Doch Mali wuchs und wuchs, war sie doch erst etwas über ein halbes Jahr alt. Ja so kann es gehen, aber hergeben würden sie Mali auch nicht mehr.

Treffpunkt der Jugend
Treffpunkt der Jugend

Da war die Gruppe junger Menschen, hauptsächlich Mädels, die sich fast jeden Tag am Pilz treffen. Die können sogar miteinander reden und lachen, rum albern. Und das Smartphone bleibt dabei auch über Stunden in der Tasche. Es sei denn man versucht sich in Selfies. Das Grüppchen ist sicherlich froh wenn wir weiter ziehen, und sie sich nicht mehr beobachtet fühlen. Aber es hat Spaß gemacht auch mal wieder einen anderen Blick auf die Jugend von heute zu bekommen. Nur eins habe ich mich gefragt, »haben wir früher auch so gegackert? « 🙂

Blick ins Tal
Blick ins Tal

Obwohl wir fast jeden Abend Gesellschaft bekamen in Form anderer Wohnmobile, kamen wir nur mit einem ins Gespräch, direkt am Anfang der Woche. Alle anderen, ankommen, Keile auslegen, Schüssel richten und dann wurden sie nicht mehr gesehen. Okay draußen sitzen oder endlos die Türen offen haben, das scheint für dieses Jahr vorbei zu sein. Aber sich so total einigeln werde ich nie verstehen.

Hier wohnt oder wohnte sicher mal ein Biker
Hier wohnt oder wohnte sicher mal ein Biker

Angenehm war auch, das man alles was man braucht zu Fuß erreichen kann. Einkaufsmöglichkeiten, die Stadt, den Bahnhof. Der Stellplatz liegt wirklich optimal. Zudem kostenlos, das findet man nur in ganz wenigen Orten so optimal vor. Oder wenn kostenlos dann fehlt meistens die Infrastruktur, die aber hier vorhanden ist. Einzig an ihrem DVBT Empfang sollte diese Stadt noch arbeiten. Aber eine Fernsehfreie Woche ist ja auch mal nicht schlecht.

Auch angenehm, hier gibt es keine Wegwerfkultur
Auch angenehm, hier gibt es keine Wegwerfkultur

Ich wünsche den Bürgern dieser Stadt, dieses Ortes alles Gute und vor allem das nicht noch mehr Gewerbe abwandert, und somit fehlende Arbeitsplätze noch mehr Menschen zum Gehen zwingen. Auch wenn Kuren heute nicht mehr ausreichend verordnet werden, und somit die Kurgäste fehlen, gibt es doch genügend Bedarf an z.B. Psychosomatischen Reha Angeboten. Vielleicht ein Weg um die Kliniken wieder zu nutzen, und dem Ort wieder mehr Leben zu schenken.

Das fliegende Klassenzimmer ich habe den Roman geliebt. Und hier wurde ich daran wieder erinnert
Das fliegende Klassenzimmer ich habe den Roman geliebt. Und hier wurde ich daran wieder erinnert

 

Inspiration durch einen anderen Blog

Durch den Blog der Wildnisfamilie wurde ich zu dem heutigen Blog inspiriert. Der Artikel den ich gelesen habe lautet » Alles eine Frage der Einstellung. « Unter anderem geht es um die Sichtweise auf ein minimalistisches Leben.

Ganz so extrem wie die Wildnisfamilie dies praktiziert hat, leben wir dann doch nicht. Aber in einigem habe ich uns dann doch wieder gefunden. Man lernt Ressourcen wieder ganz neu schätzen.

Barth 16.09 (83)

Auch wir stehen gerne frei, verzichten also ganz bewusst auf die Infrastruktur eines Stellplatzes. Unseren Strom beziehen wir bisher über einen Generator, auf Solar wird gespart um noch ein wenig ressourcenschonender leben zu können. Doch auch ein Gasgenerator produziert nur so lange Strom, wie auch Gas vorhanden ist. Von daher wird er nur eingeschaltet wenn es notwendig ist. Man glaubt gar nicht wie wenig Strom man tatsächlich benötigt. Heizung, Herd, Kühlschrank und Warmwasser werden ebenfalls mit Gas betrieben. Licht läuft über 12V. somit reduziert sich der Stromverbrauch tatsächlich auf das füllen der Batterien und Laptops, und hin und wieder auf einen TV Abend. Kerzenlicht ziehen wir ebenfalls dem elektrischen Licht vor.

Grevesmühlen 07.09 (27)

Fließend Wasser und Dusche haben wir natürlich an Bord. Doch 250l Wasser ist auch nicht unendlich viel. Und der Boiler mit 10l Warmwasser ist tatsächlich ausreichend um sich zu duschen. Hätte ich vorher im Traum nicht gedacht dass so wenig warmes Wasser reichen könnte. Gespült wird nur einmal am Tag und dadurch auch Wasser und Abwasser gespart.

Arche Noah Grömitz 05.09 (15)

Okay wir holen unser Essen nicht aus Mülltonnen, sondern gehen einkaufen. Aber anders als früher wesentlich gezielter. Es wird wirklich nur das gekauft was wir auch in den nächsten zwei drei Tagen verbrauchen können. Es wird auf möglichst wenig Verpackung geachtet, und somit wird auch der Müll minimiert. So manchen bösen Blick habe ich schon geerntet wenn ich sage ich brauche keine Tüte, kein Papier, sondern die Waren unverpackt in die Tasche lege. Bei Waren mit Umverpackungen, lasse ich diese direkt im Laden. Andere Kunden werfen mir dann schon mal komische Blicke zu.

Großenbrode 31.08 (34)

Warum tun wir das, warum leben wir so und nicht wie jeder normale Mensch in einer Wohnung? Warum verweigern wir uns dem Konsum? Dem Luxus? Unser halbes Leben haben wir so gelebt. Haben wie so viele andere auch Dinge gekauft, Luxus angehäuft die man im Grunde überhaupt nicht benötigt. Wirklich glücklich waren wir trotzdem nicht. Eine Wohnung bedeutet auch Verpflichtung. Die Verpflichtung Miete zu zahlen, sie instand zu halten, und natürlich tägliche Pflegemaßnahmen. Unsere heutige Verpflichtung besteht darin unser Heim auf Rädern in Ordnung zu halten. Der Hausputz ist schnell erledigt, es bleibt viel Zeit für andere Sachen, Sachen die Freude machen, oder auch einfach mal gar nichts tun.

DSC06633

Schon morgens steht man mit einer ganz anderen Stimmung auf, gespannt was dieser Tag wohl bringen mag. Denn kein Tag ist wie der andere. Es gibt keine festen Strukturen mehr die mir vorschreiben wann ich wo zu sein habe. Niemanden mehr der mir sagt was ich tun muss. Je länger wir so leben, umso mehr spüre ich was ich Jahrzehntelang vermisst habe.

Lübeck City (108)

Jetzt aktuell meint mein Rententräger, er müsste mal wieder überprüfen ob mir die Rente noch zusteht. Seit ich vor wenigen Tagen dieses Schreiben erhalten habe, spüre ich wieder wie sich Druck aufbaut. Mein Magen rebelliert wieder, ich schlafe wesentlich schlechter und fühle mich ausgebrannt. Ein unwahrscheinlicher Druck baut sich wieder auf, ein Druck der zuvor immer geringer wurde. Ich mache drei Kreuze wenn dies hinter mir liegt, und ich den Bescheid in den Händen halte. Was ich mache wenn ich mal wieder einen Gutachter bekomme, der sich mit Posttraumatischer Belastungsstörung nicht auskennt, und der Meinung ist ich sollte wieder arbeiten gehen, weiß ich beim besten Willen nicht. Denn ich sehe mich nicht mehr imstande diesem Druck stand zu halten.

Naturschutzgebiet Schellbruch 28.08 (87)

Aber ich wollte euch doch gar nicht mit meinen Problemen belasten. Es soll dir hier um minimalistisch leben gehen, um Ressourcen schonen und die Auswirkungen auf aus. Sich hinterfragen, erkennen was wirklich wichtig ist im Leben, ist eine Erfahrung der sich jeder irgendwann mal stellen sollte. Vielleicht nicht so krass wie wir und viele andere, die alles aufgeben und dieses Leben als Dauerlösung ansehen, aber vielleicht mal eine gewisse Zeit, so zwei, drei Monate mal wieder auf die wesentlichen Dinge beschränken. Man nimmt auch ganz viel mit zurück in den geregelten Alltag, und mit ein wenig Achtsamkeit verfällt man auch nicht mehr in alte Muster.

In Minden wachsen auf den Bäumen Türme
In Minden wachsen auf den Bäumen Türme

Auch heute, wenn wir mal auf einen Stellplatz oder Campingplatz fahren, kämen wir nie auf die Idee beim Duschen unendlich Wasser zu verschwenden. Auf Plätzen wo der Wasserverbrauch durch Liter begrenzt wird, duschen wir beide mit 40-50l ohne Probleme. Haben oft noch Mühe das bezahlte Wasser auch wirklich zu verbrauchen. Strompauschale bedeutet für uns, dass wir wirklich mal Abends länger als eine Stunde TV schauen. Oder auch mal länger im Netz surfen, weil es ja Strom für das Laptop gibt. Aber es bedeutet ganz sicher nicht, nachlässig zu werden und nicht auf den Verbrauch zu achten.

Burg Bergerhausen 02.08 (19)

Es gibt viele die uns fragen, wir macht ihr das? Nein das könnten wir nicht. Das wäre uns viel zu unbequem. Für uns ist es das Leben welches wir gewählt haben, und welches uns zufrieden macht.