Turbulent und eine Achterbahn der Gefühle – Jahresrückblick

 

So oder so ähnlich könnte man das Jahr 2018, aus meiner Sicht, mit wenigen Worten beschreiben. Wie in jedem Jahr so blicke ich auch in diesem Dezember auf das zurück liegende Jahr zurück. Was gab es an bleibenden Erinnerungen? Was hat mich bewegt? In diesem Jahr dominierte ganz klar ein Thema. Aber auch vieles andere ist es wert erwähnt zu werden. Kaum zu glauben aber doch wahr, über ein Jahr sind wir jetzt hier. Haben alle Jahreszeiten erlebt, Erfahrungen gesammelt und sind immer noch überzeugt, ja es war die richtige Entscheidung.

Das Jahr begann mit einem Schlag wie er nicht heftiger hätte sein können. Auf dem Weg zu meinen Kindern habe ich erfahren das ihnen ihre Tochter weggenommen wurde. Meine kleine Enkelin die ich in wenigen Stunde das erste Mal in den Arm nehmen wollte. Das Jugendamt war der Meinung sie müsse vor ihren brutalen Eltern geschützt werden, da diese sie misshandelt hatten. Es folgten Monate voller Wut, Trauer und Verzweiflung. Ein endloser Kampf mit Behörden und Gerichten. Bevor meine Enkelin dann wieder nach Hause durfte, erst unter strengen Auflagen die noch bis zum Herbst aufrecht erhalten wurden, erst ein Gutachten beendete das ganze. Hier könnt ihr euch gerne die ganze Geschichte durch lesen. Der Fall Felicitaz

Unser Leben hier, gestaltet sich hingegen durchaus positiv. Auch wenn wir uns immer noch schwer tun, wenn etwas nicht so läuft wie wir es uns vorstellen. Dies betrifft besonders Termine die nicht eingehalten werden. Die Deutsche Pünktlichkeit sitzt wohl doch noch zu tief in uns drin. Aber das werden wir sicher noch lernen, zumal irgendwann funktioniert es ja dann doch. Man braucht einfach nur Geduld.

Wir haben in diesem Jahr viele neue Menschen kennen gelernt, manche kamen und wurden danach nicht mehr gesehen, andere sind geblieben und wurden zu Freunden. Wir haben einen Grill gebaut, uns Hühner angeschafft, die sich dann erst mal als überwiegend männlich heraus stellten, als sie größer wurden. Nichts mit eigenen Eiern. Jetzt ist Winterpause und wir werden wohl bis zum Frühjahr warten müssen bis die Hühner, die wir inzwischen haben, zuverlässig legen.

Die Jahreszeiten hier empfinden wir als nicht so extrem wie in Deutschland, vor allem der lange graue und nasse Herbst ist nicht so dunkel und grau. Es gibt immer wieder Sonnentage die einen vergessen lassen das Herbst ist. So bleibt dann auch die Herbstdepression aus.

Den Sommer über lag unser Sprachunterricht doch mehr oder weniger auf Eis, und so sind unsere Fortschritte eher bescheiden. Auch nach über einem Jahr haben wir das Gefühl, das lernen wir nie. Es gibt irgendwie keine Regeln an denen man sich entlang hangeln kann. Viele Worte werden über die „Vokalharmonie“ gebildet. Aber zumindest die Aussprache beherrschen wir mittlerweile ganz gut. Leider haben wir bisher keinen Übersetzer im Netz gefunden, der Texte zuverlässig übersetzt, was es dann doch manchmal erschwert zu verstehen. Aber wir geben nicht auf, bleiben am Ball.

Bis auf die Geschichte mit unserer Enkelin, blicken wir letztendlich auf ein schönes, überwiegend positives Jahr zurück. Gesundheitlich hat uns beiden der Umzug gut getan. Noch immer können wir nicht mit reden wenn es um die medizinische Versorgung geht. Wir haben noch keinen Arzt hier benötigt und hoffen auch, das dies noch möglichst lange so bleibt.

Ich ertappe mich immer häufiger dabei das ich mich nicht mehr meiner Heimat zugehörig fühle. Deutschland ist soweit weg. Hier ist meine neue Heimat. Hier fühle ich mich wohl und sicher. Fühle mich den Ungarn verbunden, und reagiere mit Unverständnis auf vieles was die Deutschen tun. Besonders auch die ausgewanderten Deutschen, die den ganzen Tag nichts anderes tun als alles was in Deutschland passiert zu verfolgen und in den sozialen Medien zu dokumentieren. Oft mit den Worten, was ist nur in unserem Land los? Sie leben doch gar nicht mehr dort, und hier in unserem Land läuft es doch anders. Vieles was in Deutschland los ist, ist hier doch gar kein Thema. Sicher auch ich verfolge was dort passiert, aber nur aus dem Grund weil dort immer noch Menschen leben die mir sehr wichtig sind, Familie und einige wenige Freunde. Aber ich empfinde es nicht mehr als mein Land, als meine Probleme. Von daher halte ich mich aus solchen Themen auch raus, man wird sie auf meiner Chronik eher nicht finden. Aber wie war das? Jeder Jeck ist anders, jeder hat andere Prioritäten und das ist auch gut so. Wäre ja langweilig wenn jeder gleich ticken würde.

Meine Wünsche zum Jahresende und für das Jahr 2019 sind überschaubar. Ich wünsche allen die dies hier lesen, aber besonders den Menschen die mir nahe stehen:

Zufriedenheit, Gesundheit und Menschen die jederzeit zu euch stehen. Ein friedliches Weihnachtsfest und einen guten Übergang in ein hoffentlich friedliches Jahr 2019
Elègedettsèg, Egészég, Barátok. Boldog karácsony és boldog év 2019

Unendliche Geschichten

Unendliche Geschichten

 

Heute ist Donnerstag der elfte Oktober, der Tag schon fast wieder vorbei. Heute ist Tag 14 ohne fließendes warmes Wasser, von der fehlenden Heizung will ich erst gar nicht sprechen.

Ich erinnere mich an meine Kindheit, da lebte ich das letzte Mal, ohne warmes Wasser aus der Leitung. Kannte es nur bei meinen Großeltern und im Urlaub. Auch damals mussten wir das Wasser auf dem Herd erwärmen. Mal eben unter die Dusche springen, unmöglich.

Genauso ist es jetzt seit 14 Tagen. Bisher kam das Wasser aus einem Boiler der mit Strom betrieben wurde. Durch die Umstellung auf Gas müsste er den neuen Gasbrenner weichen. Die Anlage war innerhalb von zwei Tagen montiert und hätte in Betrieb gehen können. Doch die Anlage muss zuvor abgenommen werden.

Am Montag war es soweit, die Anlage wurde abgenommen und die Papiere ausgefüllt. Aber ….

Damit das Gas endlich fließen kann braucht es ja auch noch die Gasuhr, und die muss mit den Papieren, die die ordnungsgemäße Installation der Anlage belegen, beantragt werden.

Dies passierte dann am Dienstag, wann der Auftrag ausgeführt wird, konnte man uns allerdings nicht sagen.

Eine weitere unendliche Geschichte ist unser Auto. Da möchte man alles richtig machen, fährt in die Werkstatt, gibt den Auftrag Getriebeöl wechseln, und schon hat man die Probleme. Ein bis dato funktionierendes Getriebe begann zu spinnen. Entweder schaltet es nicht hoch, hängt sich im zweiten Gang auf und hat manchmal gar keinen Gang. Die zweite Werkstatt entpuppt sich als unzuverlässig, abgesprochene Termine werden nicht eingehalten. Der Austausch eines Schalters brachte kurzfristig Abhilfe, doch wenn das Getriebe zu warm wird tritt der Fehler wieder auf. Diese Woche ging dann auch noch die Leuchte für die Bremse an. Termin gestern Abend, wir warten immer noch.

Wenn man wie ich beim verteilen von Geduld gefehlt hat, bekommt da wirklich Probleme. Denn Geduld ist etwas was man hier lernt. Doch so langsam ist auch meine Geduld ausgereizt.