Bei eurem Tempo wird mir schwindlig

Das war das Statement eines Freundes als er mitbekommen hat, das wir die Koffer packen und wir wieder in Aufbruchstimmung sind. Andere meinten die Entscheidung sei übereilt, nicht durchdacht. Auch die sozialen Bindungen in Deutschland, die ärztliche Versorgung wurden als Gegenargumente angeführt. Heute möchte ich auf alles dies noch mal ein wenig eingehen.

Blick von Kethely über den Plattensee

Der Gedanke Deutschland zu verlassen stand vor einigen Jahren schon mal im Fokus. Doch da war unsere Situation noch sehr unklar, der finanzielle Background nicht gesichert. Von daher ließen wir den Gedanken wieder fallen, und verschoben ihn auf einen wesentlich späteren Zeitpunkt.

Fußgängerzone in Kaposvar

Das Leben auf dem Campingplatz, im Wohnmobil waren Alternativen die zum damaligen Zeitpunkt passend waren. Es sind Jahre die wir nicht missen möchten, die wir auch jederzeit noch einmal leben würden.

Unser Zuhause auf Zeit.

2016 kam dann die Rettung, wir wurden aus dem Wohnmobil gerettet, und es wurde uns ein Haus zur Verfügung gestellt. Die Retterin fühlte sich gut, hatte sie doch ein gutes Werk getan, die armen Menschen aus einem Leben im Wohnmobil zu retten. Sie verpackte das so gut, das wir nicht merkten das wir über den Tisch gezogen wurden. 🙁 In diesen 14 Monaten haben wir reichlich Lehrgeld gezahlt. Als die Kinder dann nach nur 10 Monaten wieder auszogen, weil sie ich nicht wohl fühlten und hier auch keine Arbeit bekamen, war auch uns klar, hier bleiben wir nicht. Es schien als sollte jetzt der wesentlich spätere Zeitpunkt erreicht sein.

Hier haben wir gesessen, und uns retten lassen

Unsere finanzielle Situation hat jetzt wieder ein sicheres Fundament. So das wir das Abenteuer wagen können. Mit den Kindern haben wir gesprochen, und sie haben uns zugesprochen. Sie freuen sich schon auf Urlaub in der Sonne. Mit dem Flieger ist man in zwei Stunden zu Besuch, schneller ist man jetzt auch nicht. Im Gegenteil beim letzten Mal hat mein Sohn fast vier Stunden für 200 km benötigt.

Somit ist die familiäre Bindung auch nicht besser oder schlechter als jetzt. Dieses Argument fällt schon mal unter den Tisch.

Mehr Platz, mehr Licht, mehr Ruhe, mehr Freiheit.

Die ärztliche Versorgung, warum sollte die schlechter sein? Und wenn sie so viel schlechter ist als in Deutschland, warum fahren dann so viele dorthin um sich behandeln zu lassen? Es gibt sehr gute Kliniken und auch Zahnkliniken. Die Sprache könnte eine Barriere sein, aber die muss ich deutschen Krankenhäusern teilweise auch überwinden. Als mein Sohn wegen seines Blinddarmes operiert werden musste, war es sehr schwierig zu verstehen was der Arzt sagen wollte. Fast unmöglich wurde es, als ihm Fragen gestellt wurden, denn dieser verstand der Arzt nur unzureichend bis gar nicht. Zudem gibt es in Ungarn fast überall Menschen die ein sehr gutes Deutsch sprechen, auch unter den Medizinern. Von daher machen wir uns da überhaupt keine Sorgen.

Echte Freunde sind herzlich willkommen

Und jetzt mal ganz ehrlich, wer möchte jeden Morgen aufstehen, die Fenster und Türen öffnen und diesen herrlichen Anblick genießen? Dank dieser Müllhalde haben wir jetzt Stubenarrest, denn draußen hinsetzen mögen wir uns jetzt nicht mehr. Zum Glück lädt aber auch das Wetter nicht unbedingt dazu ein.

Mit jedem Tag der vergeht, mit jeder Kiste die gepackt ist, steigt momentan die Vorfreude und die Erleichterung dieses ungastliche Dorf verlassen zu dürfen.

Und ganz ehrlich? Wer oder was sollte uns daran hindern, wieder zurück zu gehen, wenn sich irgendetwas ändert? Sei es die Gesundheit, sei es das Wohlfühlen? Jetzt im hier und Heute, fühlt sich die Entscheidung gut und richtig an. Und nur da leben wir, im jetzt. Niemand weiß was morgen ist, und das ist auch gut so. Denn sonst würden wir sicherlich erstarren und nicht mehr den Mut haben etwas neues zu probieren.

Nicht umsonst ist mein Lebensmotto schon seit vielen Jahren

Lebe Deine Träume, und träume nicht dein Leben