Neues aus Ungarn und Deutschland

Ich weiß, ich habe hier lange nichts veröffentlicht, dafür möchte ich mich entschuldigen. Zuerst war ich auf Reisen, und dann lag ich flach.

Im Oktober habe ich es endlich geschafft, das erste Mal in meinem Leben bin ich in ein Flugzeug gestiegen. Ein wenig Bammel hatte ich schon, aber mein Mut hat sich gelohnt. Der Song von Reinhard Mey „ Über den Wolken….“ bekam plötzlich einen tieferen Sinn für mich. Wie blau der Himmel wirklich ist, sieht man erst wenn man über den Wolken ist. Wahnsinn diese Farbe. Ich habe hier einige Bilder für euch, ich hoffe sie gefallen.

 

 

 

Die Zeit mit meinen Kindern und meiner Enkelin war sehr schön, ich habe sie genossen. Doch ich hatte auch starkes Heimweh. Habe die Ruhe, Weite und vor allem die Natur vermisst. Daheim gehe ich raus und bin im Grünen, dort gehe ich raus und bin entweder auf der Straße oder im Hof, schaue auf graue Mauern, selbst vom Himmel sieht man nur wenig. Tag und Nacht fahren Autos, es scheint einfach keine Ruhe zu geben. Wieder einmal wurde mir deutlich, nein so möchte ich nicht mehr leben. Ich brauche diese Weite, brauche Natur und Ruhe um glücklich zu sein.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

In einer Facebookgruppe gibt es Freitags immer ein Thema, alle Fotos sollen sich um das vorgesehene Thema drehen. Diese Woche hieß es Glücksmomente. Was würde euch dazu einfallen? Was sind eure ganz persönlichen Glücksmomente? Woran macht ihr euer Glück fest? Was braucht ihr um glücklich zu sein?

Ich stehe morgens auf, sehe wie der Tag erwacht, teilweise der Himmel brennt, jetzt im November ziehen leichte Nebelschwaden über die Wiesen, und ich bin glücklich. Gegen Mittag scheint die Novembersonne warm genug, das ich noch ein oder zwei Stunden draußen sitzen kann, ich genieße diese Zeit und bin glücklich. Seit zwei Tagen bekomme ich während dieser Zeit Besuch, ich beobachte diesen Besuch, und bin glücklich. Meine Rosen blühen noch in voller Pracht, ebenso der Lavendel, mein Sanddorn kam diese Woche und ich habe ihn direkt in den Garten gesetzt. Hoffe das alle Pflanzen gut angehen. Ein weiterer Glücksmoment war nach Hause kommen, und zu sehen das ich ein neues Badezimmer habe. Statt der Duschwanne haben wir jetzt eine ebenerdige Dusche und das Bad wirkt dadurch wesentlich größer und freundlicher. Ich sollte öfter mal weg fahren 🙂 

Das größte Glück aber, ist zu sehen das es Felicitaz gut geht, wie rasant sie sich entwickelt und scheinbar jeden Tag etwas neues lernt. Sie steht jetzt schon sicher auf ihren Beinchen, nur der letzte Zipfel Mut fehlt um ohne Halt zu stehen. Aber auch das wird nicht mehr lange dauern. Wie alle Kleinkinder versucht sie alles nachzuahmen was die Erwachsenen ihr vor machen. Kindernahrung wird immer öfter verschmäht, viel lieber möchte sie alles probieren was Mama und Papa auch essen.

Apropos Essen, wir haben uns im vergangenen Monat entschieden, Werktags wird nicht mehr gekocht. Wir lassen uns bekochen und das Essen ins Haus liefern. Für umgerechnet rund 100€ im Monat bekommen wir beide an fünf Tagen die Woche eine Vorsuppe und ein Hauptgericht. Ich spare das einkaufen, die Vorratshaltung und Zeit und vor allem die tägliche Frage was koche ich heute? Das Essen ist schmackhaft, abwechslungsreich und ausreichend. Zwar ist es nicht mehr heiß wenn es ankommt, aber warm machen ist ja kein Problem.

Mein Sohn bat mich, euch ein Buch zu empfehlen. Ich habe es selber noch nicht gelesen und kann daher nur den Link zum Buch veröffentlichen. Es geht um die Kindheit der Autorin Amelie Sander. Dem Klappentext entnehme ich das ihre Kindheit und Jugend die Hölle war, sie sich erst mir 21 Jahren daraus befreien konnte. Es gehört sehr viel Mut dazu mit dieser seiner Geschichte an die Öffentlichkeit zu gehen, und ich ziehe meinen Hut vor dieser Frau.

Buchempfehlung

Aber auch bei Felicitaz E.v tut sich etwas.                                                             Manuel macht es jetzt offiziell, er hat den Antrag zur Genehmigung bei der Gemeinde gestellt und baut gerade die Webseite auf. Er möchte allen Eltern helfen, deren Kinder unrechtmäßig vom Jugendamt in Obhut genommen wurden und die alleine keine Basis zur Kommunikation mit dem Jugendamt finden. Auch wenn sich die Seite noch im Aufbau befindet ( es ist seine erste Homepageerstellung) könnt ihr euch den Link ja schon einmal ansehen und abspeichern.

Elternhilfe bei Problemen mit dem Jugendamt

Jetzt wünsche ich euch ein schönes Wochenende und lasst es euch gut gehen.

Reales soziales Netzwerk

Guten Morgen, eben brachte mich ein Gespräch auf das heutige Thema. Es ging um den Gedanken – Übersiedeln nach Ungarn, ja oder nein? Um die Akzeptanz dieser Entscheidung innerhalb von Familie und Freundeskreis.

Ich finde es immer wieder spannend wie sehr sich Geschichten ähneln. Ähnlich wie auch wir erntet meine Gesprächspartnerin sehr viel Unverständnis für diese Pläne. Schmunzeln musste ich über ein Argument welches ihr die Idee ausreden soll. „Wenn dein Mann mal stirbt, sitzt du ganz alleine dort.“

Ich kenne das Umfeld dieser Frau nicht, kann also nur von mir ausgehen. Und ich wäre in Deutschland in einer solchen Situation mit Sicherheit sehr einsam geworden. Klar ich habe Kinder, aber die haben ja auch ihr eigenes Leben, Freunde und Verpflichtungen. Da kann ich nicht erwarten das sie ihre Mutter belustigen. Ja und sonst? Leere, da ist niemand. Einige Bekannte mit denen man hin und wieder schreibt.

Hier ist dies völlig anders. Niemand ist allein. Auch wir haben mittlerweile ein beständig wachsendes reales soziales Netzwerk. Wenn es brennt ist immer jemand da. Man kann man was zusammen unternehmen, Spaß haben, gemeinsam lernen, sich gegenseitig unterstützen. In diesem Netzwerk sind nicht nur Paare sondern auch einzelne Personen. Menschen die alleine nach Ungarn gezogen sind. Und hier mittlerweile angekommen und gut angebunden sind. Wie viel leichter ist es dann zu zweit oder sogar als Familie zu starten? Auch im Hinblick auf die Zukunft, das einer von beiden allein zurück bleibt?

Aber auch da wirkt die mediale Gehirnwäsche. Ungarn ist nun mal die Brutstätte der Rechten. Ein Land welches somit tabu ist für jeden Systemtreuen Gefolgsmann. So oder ähnlich bekamen wir jedenfalls zu hören als wir vor etwas mehr als einem Jahr unsere Pläne öffentlich machten. Da würde ich noch nicht mal Urlaub machen, war eine weitere Aussage.

Doch wie rechts ist Ungarn wirklich? Ich bin doch auch kein Ungar, bin Ausländer in diesem Land. Von Diskriminierung keine Spur. Die Ungarn sind freundlich und höflich, hilfsbereit. Die meisten Restaurants führen mehrsprachige Speisekarten. Die Ungarn sind ein stolzes Volk, welches auf eine bewegte Geschichte zurück blicken kann. Welches sich Traditionen bewahrt hat und diese auch immer noch lebt. Wer kann ihnen verdenken das sie selbstbestimmt leben möchten, selbst bestimmen möchten wen sie als Gast in ihr Land lassen? Wer kann es ihnen verübeln das sie sich an geltende Gesetze halten, die nun mal besagen das niemand ein Anrecht auf Asyl hat der über einen sicheren Drittstaat einreist? Ungarn liegt mitten auf dem Kontinent, und egal wer einreisen möchte kommt durch sichere Staaten. Und kann somit legal abgewiesen werden.

Ist man heute wirklich schon rechts wenn man sich an geltendes Recht hält? Wenn einen die Sicherheit der eigenen Bevölkerung am wichtigsten ist? Wenn man stolz auf seine Geschichte ist? Wann hat es begonnen, das Europa sich so verwandelt hat? Das in den meisten europäischen Ländern die Regierungen ihr eigenes Volk vergessen haben? Ein vereintes Europa das klingt zwar gut, aber es ist nicht praktikabel. Zu unterschiedlich sind die Menschen und ihr Leben in den einzelnen Mitgliedsstaaten. Während in Deutschland schon immer nur die Leistung zählte, der Mensch nur so viel wert war wie er zu leisten im Stande war, lebten die Menschen in vielen anderen Ländern noch. Sie verstanden noch das man arbeitete um zu leben und nicht lebte um zu arbeiten. Diese Leichtigkeit ist mittlerweile in den meisten Ländern verschwunden. Fast in ganz Europa zählt nur noch das Wirtschaftswachstum, wer nicht mitzieht wird diffamiert und mit Sanktionen belegt.

Noch ist dieser Druck in Ungarn nicht so ganz angekommen, doch auch hier spürt man das Leistung wichtiger wird. In den Nachrichten hört man auch hier immer öfter Zahlen die von einem steigenden Wirtschaftswachstum und sinkenden Arbeitslosigkeiten sprechen. Aber noch verstehen es die Menschen hier, zu leben, zu feiern und freie Zeiten zu genießen. Noch bleibt niemand allein, nur weil er alt und krank ist. Ich hoffe das sich die Ungarn dieses Lebensgefühl noch lange bewahren können. Und sie sich nicht dem Diktat aus Brüssel beugen.

Nein, ich habe keine Angst hier, weder aktuell noch vor der Eventualität das ich allein ohne Partner zurück bleibe. Denn auch dann wäre ich nicht allein. Irgendjemand wäre immer für mich da. Das reale soziale Netzwerk funktioniert hier noch. Die Menschen reden noch miteinander und tippen nicht nur. Sie leben miteinander und nicht gegeneinander.

Auch nach einem Jahr, um viele Erfahrungen reicher kann ich immer noch aus vollen Herzen sagen, ich liebe dieses Land und die stolzen Magyaren !

Szeretem ez az ország, és a büszkeek Magyaren !!