Sicherheit unterwegs

 

Bisher habe ich immer geschmunzelt wenn Fragen aufkamen nach den diversen Sicherheitsvorrichtungen im Wohnmobil. Dachte oft wenn ich so viel Angst habe, sollte ich doch besser zu Hause bleiben. Das ganze vergangene Jahr war ich relativ unbeschwert und auch Angst frei unterwegs.

Dies beginnt sich aber gerade irgendwie zu verändern. Die Ereignisse von Silvester, und auch die Antworten unserer Sicherheitskräfte, verunsichern mich. Wie der Spiegel heute berichtet, sieht die Polizeigewerkschaft kaum Chancen das die Täter verurteilt werden. Und dies liegt nicht allein an der chronischen Unterbesetzung der Polizei.

Auch unsere Rechtsprechung lässt den Tätern viel Freiraum. Wenn ich von einer Gruppe überfallen werde, und später nicht genau sagen welcher Täter der aktive war, ihn also nicht genau benennen kann, kommen alle ungestraft davon. Es gibt keine Gruppenhaftung in unserer Rechtsprechung. Mit gehangen, mit gefangen gibt es in unserem Land nicht.

Sexuelle Belästigung kann zudem ebenfalls nicht verurteilt werden. Denn laut unserer Rechtsprechung ist diese überhaupt nicht strafbar. Somit könnte einzig der Täter dem eine Vergewaltigung zur Last gelegt wird, verurteilt werden, wenn man ihn denn überhaupt ermitteln kann. Da es bis heute, 6 Tage danach, nicht einen Verdächtigen gibt, verläuft wohl auch dies im Sand.

Mir ist es egal, wer die Täter waren, weiß ich doch nur zu gut das auch deutsche Männer zu solchen Taten fähig sind, doch ich möchte das die Justiz alle Hebel in Bewegung setzt und die Täter ermittelt und bestraft.

Eine Armlänge Abstand, Fremde nicht anlächeln sind Verhaltensmaßregeln für potenzielle Opfer. Und zeigt eigentlich auch die gesamte Hilflosigkeit unseres Staates. Der Staat ist nicht mehr in der Lage seine Bürger zu schützen. Und ich frage mich allen Ernstes, was bedeutet dies für mich persönlich?

Kann ich überhaupt noch einen normalen Alltag leben? Darf ich bei Einbruch der Dämmerung überhaupt noch unterwegs sein? Kann ich gefahrlos öffentliche Verkehrsmittel nutzen, durch eine Stadt spazieren? Brauche ich für alle Unternehmungen jetzt einen Begleitschutz? Oder schlimmer noch, muss ich irgendetwas zu meiner Verteidigung immer mit mir führen? Darf ich mit unserem Wohnmobil wirklich nur noch auf bewachten Plätzen halten und übernachten?

Ich mag mir dies alles gar nicht vorstellen, möchte so gerne angst frei weiter mobil leben, doch momentan fällt es mir schwer, die Ängste zu verdrängen. Ja dies hat ganz sicher auch mit meiner Vorgeschichte und somit mit meiner Erkrankung zu tun. Aber zumindest kann ich jetzt die Fragen nach der Sicherheit im Wohnmobil auch ein wenig nach vollziehen.

Habt ihr denn gar keine Angst?

Direkt vorweg, wenn wir Angst hätten, könnten wir diese Leben ganz sicher nicht führen.

Etwas was wir immer wieder hören, ich könnte nicht einfach irgendwo stehen bleiben und schlafen, da hätte ich viel zu viel Angst. Auf unsere Gegenfrage »Wie machst du das denn Zuhause? Kannst du denn da schlafen? « ernten wir meistens ein erstauntes » Ja natürlich, da habe ich doch eine richtige Türe und Mauern um mich rum. « Uns entlockt dies meist ein Schmunzeln.

Natürlich haben wir uns aufgrund diverser Berichte informiert, und wollten vor allem herausfinden was die Kriminalstatistik zum Thema Überfalle und Einbrüche in Wohnmobile aussagt. Die Zahl ist so verschwindet gering das sie  in keiner Statistik auftaucht. Wohnungseinbrüche hingegen verzeichnen jährlich steigende Zahlen. Besonders in den Städten müsste ich mich in einer Wohnung eher fürchten, als bei einer Nacht im Wohnmobil.

Wenn ich durch die Städte spaziere dann spüre ich auch keine Angst bei den Passanten. Die Herren tragen ihre Geldbörse ganz leger in der Hosentasche, die Damen ihre Handtasche die sich häufig noch nicht einmal verschließen lässt locker über die Schulter geworfen. Dabei ist auch hier die Gefahr Opfer eines Taschendiebes zu werden wesentlich höher, als die Gefahr im  Mobil überfallen zu werden.

Wenn ich so durch die diversen Gruppen und Foren blättere taucht dieses Thema auch immer wieder auf. Und ich bin wirklich erstaunt wie sich so einige absichern. Parkkralle, oder Ventile die beim los fahren die Luft aus den Reifen lassen. Lenkradschloss, oder eine Metallstange die zwischen Fahrer – und Beifahrertüre geklemmt wird, sind so ziemlich die am  häufigsten verwendeten Sicherheitsmaßnahmen. Doch wer wirklich rein will, der wird sich auch davon nicht abhalten lassen, dann ist der Schaden beim Einbruch halt ein bisschen größer.

Unsere Sicherheitsmaßnahmen sind verschlossene Türen und Fenster, Rauch und Gasmelder, die sorgfältige Auswahl der nächtlichen Stellplätze. Von den offiziellen Stell – bzw. Campingplätzen, über Rasthöfe, Autohöfe, Parkplätze an Einkaufscentern bis hin zum freien stehen irgendwo im Gewerbegebiet, Wald, haben wir alles ausprobiert und uns immer sicher gefühlt. Wir möchten uns aber auch nicht, die Freiheit durch Angst lähmen lassen, wenn die Angst einsetzt, wenn sie uns lähmt, dann ist es an der Zeit wieder aus dem fahrenden Heim auszuziehen und sesshaft zu werden.